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Gesundheitspflege, Wohlfahrts-Einrichtungen, Unterricht und Erziehung Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrtseinrichtungen

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Gesundheitspflege, Wohlfahrts-Einrichtungen, Unterricht und Erziehung

Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrtseinrichtungen 11 
So giebt die Ausstellung auch ein anschauliches Bild der An 
strengungen, welche die Industrie macht, um die Arbeiter zu schützen 
vor den Gefahren ihres Berufes. 
Das Programm der Ausstellung hat den Begriff der „Wohl 
fahrtseinrichtungen“ im weitesten Sinne gefasst. — Wir verstehen, 
sozialpolitisch gesprochen, unter Wohlfahrtseinrichtungen im 
engeren Sinne alle diejenigen Einrichtungen, welche den Zweck 
haben, die soziale Lage der minder bemittelten Bevölkerungsklasse 
zu heben, ihnen insbesondere die Beschaffung ihrer Lebensbedürfnisse 
zu erleichtern, sie unvorhergesehenen Unglücksfällen besser ge 
wappnet entgegentreten zu lassen. Eng an die sozialreformatorische 
Gesetzgebung des jüngst verflossenen Jahrzehnts sich anschliessend, 
vielfach dieselbe direkt ergänzend, theilen alle Wohlfahrts 
einrichtungen in diesem engeren Sinne mit letzterer den Charakter 
präventiver Einrichtungen, die der Unterstützungsbedürftigkeit Vor 
beugen sollen, nicht aber die Unterstützung der bereits in Noth Befind 
lichen zum Endzwecke haben. Als solche präventiven Einrichtungen 
sind z. B. anzusehen: Sparkassen und Sparvereine, die Einrichtungen 
zur Vermittelung des billigen Einkaufs der Lebensbedürfnisse, Häuser- 
bau-Gesellschaften und -Genossenschaften, Arbeitsnachweisungs- 
anstalten, Hilfs-, Vorschuss- und Darlehnskassen, Einrichtungen für 
gewerbliche und hauswirthschaftliche Fortbildung, Einrichtungen 
zur erziehlichen Ueberwachung von Kindern und Jugendlichen etc. 
Die Bedeutung aller dieser Veranstaltungen für die Hebung 
des wirthschaftlichen und vor allem des sittlichen Niveaus der un 
bemittelten Klassen ist um so grösser, je weniger ihnen der Charakter 
von Wohlthätigkeitsveranstaltungen anhaftet. Die Annahme eines 
Almosens drückt schon rein äusserlich den Empfänger in den Augen 
seiner Umgebung herab, während das Bewusstsein, durch recht 
zeitige Fürsorge aus eigener Kraft sich einen Rückhalt für den Fall 
der Noth geschaffen zu haben, nur erhebend wirken kann. Wir 
sehen dementsprechend in der heutigen Zeit — namentlich seitdem 
das Verständniss für die sozialpolitische Gesetzgebung, die ja auf 
derselben Grundlage aufgebaut ist, in immer weitere Kreise dringt — 
das allgemeine Bestreben mehr und mehr darauf gerichtet, allen 
derartigen Einrichtungen den Charakter der Wohlthätigkeits- 
veranstaltungen zu nehmen und Diejenigen, für welche sie bestimmt 
sind, selbst an der Einrichtung und Verwaltung derselben theil- 
nehmen zu lassen. Gegenüber den auf dem reinen Prinzip der 
Selbsthilfe basirenden Veranstaltungen, welche ebenfalls in dieser 
Gruppe der Ausstellung vertreten sind, kommt den Wohlthätigkeits- 
einrichtungen im engeren Sinne das besondere Merkmal zu, dass 
Angehörige der besitzenden Klassen — seien es die Arbeitgeber 
selbst oder in Vereinsorganisationen zusammengefasste Kräfte — 
ihre Geschäftserfahrung, ihren Kredit in den Dienst der Sache stellen, 
unter Umständen auch durch Verzicht auf einen bei rein geschäft-
	        
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