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Chemische Industrie Gruppe VII Gruppe XVII. Photographie

Full text: Chemische Industrie Gruppe VII

92 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
bei Gegenwart von Feuchtigkeit das Vergilben sicher herbei. Der 
Pigmentprozess kann bei Anwendung echter Pigmente haltbare 
Bilder liefern, die jedoch mechanisch leicht verletzbar sind. 
Dagegen fand man in dem Platin prozess ein Kopirverfahren, 
dessen Produkte bei Anwendung passender Materialien selbst gegen 
Chlor widerständig sind. 
Der Prozess ist freilich wegen Anwendung des kostbaren Metalls 
ca. 27a mal theurer als der Silberkopirprozess. Bei dem Platin 
prozess werden Papiere mit Platinsalz, Eisensalz und neutralem 
oxalsauren Kali getränkt, getrocknet und in den Handel gebracht. 
Das Papier wird je nach der Präparation kurz kopirt, dann mit 
einer heissen Lösung von oxalsaurem Kali entwickelt, wobei das 
Bild kräftig hervortritt, oder so lange im Kopirrahmen kopirt, bis 
das Bild von selbst die hinlängliche Kraft erlangt hat. 
Die Bilder haben sich allmälig eingeführt; fast jede grössere 
Porträtanstalt fertigt dieselben. 
Ein ganz eigenthümlicher Prozess, um nicht nur haltbare, 
sondern selbst feuerbeständige Bilder zu machen, ist die sogenannte 
Porzellan-Photographie. Gummi giebt mit chromsaurem Kali 
eine dicke Lösung, die, auf Glas getragen und getrocknet, klebrig 
ist. Setzt man die Schicht dem Lichte aus, so verliert sie ihre 
Klebrigkeit. Belichtet man sie demnach unter einem Positiv, so 
geht die Klebrigkeit nur an den durchsichtigen Stellen verloren; 
unter den Bildstellen bleibt sie und hält aufgestäubtes Farbenpulver 
fest; so entsteht ein Staubbild. Besteht dieses aus Porzellanfarbe, 
so kann man es einbrennen. Diese Photographien gehören freilich 
nicht zu den Papierbildern; sie können hier nur Platz finden 
bei Besprechung der dauerhaften Lichtbilder. 
Eine eigenartige Stellung nehmen die Schnellphotographien, auch 
Kilometerphotographien genannt, ein. Die Schnelligkeit ihrer Her 
stellung erscheint als Hauptsache. Es handelt sich hier um Lieferung 
von Tausenden von Bildern per Tag ohne Pressendruck. Ein licht 
empfindlicher Bogen ohne Ende wird über Bollen zunächst durch 
den Beleuchtungsapparat geführt, hier gegen die zu kopirenden Nega 
tive gepresst und diese von oben mit elektrischem Bogenlicht belichtet, 
weiter durch eine Entwickelungslösung gezogen und die Bilder da 
durch hervorgerufen. Die Bilder passiren dann Tröge mit Wasser, 
rollen dann in das Fixirbad, eventuell inzwischen auch in ein Ton 
bad, nachher durch Spülwasser. Der Prozess hat in Berlin eine 
Heimstätte gefunden. 
Die zweite Gattung des Papieres, welches in der Photographie 
Verwendung findet, das Kartonpapier, ist in der Ausstellung gross 
artig vertreten; es bildet einen Berliner Exportartikel nach allen 
Ländern der Erde. Die Fabrikanten suchen in Feinheit, Ge 
schmack und Mannigfaltigkeit der Ausstattung einander zu überbieten. 
Endlich ist hier auch noch das photographische Album zu 
nennen, für dessen Herstellung in Berlin grossartige Fabriken tliätig 
sind, die für den Geschmack aller Länder arbeiten. Im Umfang
        
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