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Chemische Industrie Gruppe VII Gruppe XVII. Photographie

Full text: Chemische Industrie Gruppe VII

88 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 189C 
Mitte der sechziger Jahren schuf Busch-Rathenow ein Objektiv, 
das Pantoskop, welches den Vortheil bot, einen grossen Gesichts 
winkel zu umfassen. Damit trat die deutsche Optik wieder schöpferisch 
auf. Auf Busch folgte Steinheil mit seinem Aplanat, heute noch ein 
beliebtes Instrument für Reproduktion, Architektur und Landschaft. 
Es wurde das Vorbild zahlreicher ähnlicher Konstruktionen. Stein 
heil lieferte nach gleichem Prinzip auch Weitwinkelinstrumente. 
Wiederum trat die alte Firma Voigtländer, später Voigtländer & Sohn, 
auf den Plan und lieferte in ihren Euriskopen ganze Serien von 
Objektiven mit den verschiedensten Eigenschaften, theils grossem 
Winkel bei geringerer Lichtstärke, theils grösserer Lichtstärke bei 
geringerem Winkel. Die Firma schuf sogar nach demselben Typ ein 
neues Porträtobjektiv, welches dem Petzvalsehen an Helligkeit fast 
gleichkam. Steinheil arbeitete inzwischen seinen Aplanattypus für 
die verschiedensten Ansprüche aus. 
Eine neue Aera für die photographische Optik begann mit 
Einführung der Jenenser optischen Gläser durch Schott und 
Genossen in den achtziger Jahren. Bis dahin konnte man die 
kostbaren optischen Gläser nur in Paris und Manchester erhalten, 
die Optiker aller Länder waren auf diese Bezugsquellen angewiesen. 
In Kriegsfällen war es nicht möglich die hinreichende Zahl Fern 
rohre für die Armee zu liefern, weil die Quellen für optisches Glas 
(z. B. Paris) verstopft waren. Da beschloss die preussische Regierung, 
die optische Glasschmelzerei wieder ins Löben zu rufen. Minister 
Gossler setzte dafür eine erhebliche Regierungsunterstützung aus, 
und so glückte es Schott und Genossen, das Problem zu lösen und 
nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt eine optische 
Glasindustrie zu schaffen, die in ihren Leistungen das Ausland weit 
überragt, Gläser ganz neuer Zusammensetzung und noch nicht 
dagewesenen Brechungsvermögens liefert, welche dem rechnenden 
Optiker Gelegenheit gaben zur Herstellung bis dahin unmöglicher 
Linsenkonstruktionen. 
Diese Wiederentdeckung der bereits im vorigen Jahrhundert 
von Frauenhofer betriebenen, dann aber verloren gegangenen deut 
schen optischen Glasindustrie Avar eine der grössten industriellen 
Errungenschaften dieses Jahrhunderts. 
Bemerkenswerth war es, dass ein an dem Ursprungsort dieser 
Gläser domizilirender bewährter Optiker jetzt auch die Herstellung 
photographischer Linsen nach ganz neuen Prinzipien in die Hand 
nahm und damit eine ganze Reihe neuer, sein - leistungsfähiger 
Konstruktionen auf Grund strenger theoretischer Berechnungen 
lieferte. Inzwischen that sich auch Berlin als neues optisches 
Gentrum für Photographie auf, wie diese Ausstellung beweist. 
Natürlich sind durch Einführung der Amateurphotographie die 
Forderungen an die photographisch-optischen Institute erheblich ge 
stiegen. Man verlangt Linsen, die alle vortheilhaften Eigenschaften 
zusammen besitzen sollen: Lichtstärke, Gesichtsfeld, Freiheit von
        
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