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Chemische Industrie Gruppe VII Gruppe XI. Wissenschaftliche Instrumente

Full text: Chemische Industrie Gruppe VII

Gruppe XI. Wissenschaftliche Instrumente 
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deutschen Instrumentemachern, den Weg zu ihrem Erfolge ebnete. 
Daher sei an dieser Stelle den Vertretern der Wissenschaft, den 
deutschen Aerzten, unser Dank gezollt. Aber auch das Aufblühen 
der neuen Methoden in der Chirurgie, die aseptische Operations 
weise, die antiseptische Behandlung waren eine grosse treibende 
Kraft, mit der gleichen Schritt zu halten den Instrumentemachern 
nur durch angestrengte Thätigkeit möglich war. Vergleichen wir 
das Instrumentarium eines Arztes der Neuzeit mit dem eines Arztes 
einer früheren Generation, so darf sich Keiner über das Aufblühen 
unserer Industrie wundern. Wie aber jedem schnellen Aufblühen 
eine Periode des Stillstandes und des Rückschrittes erfahrungs- 
gemäss zu folgen pflegt, so werden wir mit aller Kraft zu arbeiten 
haben, dass unserer Industrie diese Uebel erspart bleiben mögen. 
So soll auch die Berliner Gewerbe -Ausstellung 1896 ein neuer 
Impuls sein, um unsere Industrie zu stärken und ihr die Möglich 
keit zu geben, obigen Fährnissen aus dem Wege zu gehen. 
Werfen wir einen historischen Rückblick auf das Entstehen 
unseres Gewerbes speziell in Berlin, so bieten uns dafür sehr 
günstige Handhaben die Meisterbücher der Berliner Instrumente 
macher- und Messerschmiede-Innung, denn aus diesem letzteren 
Gewerbe heraus hat sich im Laufe eines Jahrhunderts die 
Instrumentemacherei entwickelt. Leider reichen diese authentischen 
Belege nicht über das Jahr 1780 zurück. Es war uns nicht mög 
lich festzustellen, wo die Protokollbücher der Messerschmiede-Innung 
von früher ein Ende genommen haben. Bestanden muss die 
Innung schon viel früher haben, denn das erste Protokoll vom 
5. Juni 1780 zeigt, dass die Innung eine gefestigte und nach be 
stimmten Gesetzen arbeitende Gemeinschaft war. Umseitig lassen 
wir zwei Protokolle vom 5. Juni und 3. Juli 1780 im Facsimile folgen, 
um dem Leser einen kleinen Begriff zu geben, mit welcher Genauig 
keit die Aufnahme eines Meisters in das Gewerk zu damaliger Zeit 
erfolgte. 
Wie wir aus diesem Protokoll ersehen, war das damalige 
Meisterstück eine grosse Scheere, ein Speckmesser und ein Tafelmesser 
und eine Gabel. Von chirurgischen Instrumenten findet man in 
den damaligen Protokollen nichts, jedoch sehen wir, wie sich ein 
jeder neue Meister ein Zeichen erwählen musste, aus welchem man 
den Verfertiger erkennen konnte. „Zum Zeichen schlägt der 
Meister Schoof das Malteser Kreuz!“ steht im Protokoll. Ob 
das Malteser Kreuz damals vielleicht schon irgendwelche Beziehungen 
zur Chirurgie hatte, wie heut das Genfer Kreuz, vermögen wir nicht 
zu beurtheilen. Verfolgen wir nun die Protokollberichte der Messer 
schmiede-Innung, so finden wir eine recht erfreuliche Thätigkeit in 
den Verhandlungen niedergelegt. Fast bei jeder Quartals-Ver 
sammlung fanden Neuaufnahmen statt; die betreffenden Aspiranten 
wurden „ins Stück gesetzt“ und nach erfolgter Prüfung des 
Stückes aufgenommen. So geht es fort bis 1812. Vom 5. Januar 1812 
bis zum 25. Juli 1816 fand keine Neuaufnahme statt. Es
        
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