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Chemische Industrie Gruppe VII Gruppe IX. Chemische Industrie

Full text: Chemische Industrie Gruppe VII

Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Einrichtungen. Für das Wohl der Arbeiter sorgt die Firma ausser in der 
gesetzlich vorgeschriebenen Weise durch verschiedene andere Wohlfahrts- 
Einrichtungen; so sind zwei Unterstützungsfonds vorhanden, zu welchen 
Beiträge von Seiten der Beamten und Arbeiter nicht geleistet werden 
und deren Zinsen zur Unterstützung in Krankheits- und Unglücksfällen 
Verwendung finden. Als Rohmaterial ihrer Betriebe verarbeitet die Fabrik 
sämmtliche Erzeugnisse der Theerdestillation, welche zur Herstellung der 
künstlichen organischen Farbstoffe erforderlich sind. Die Zwischenprodukte 
resp. die feineren Rohmaterialien der Farbenbereitung — Nitrobenzol,. 
Anilin und ihre sämmtlichen Homologen, alkylirte Basen der Benzolreihe, 
Naphtol, Naphtol- und Naphtylaminsulfosäuren, Benzidin und verwandte 
Basen — werden in der Rummelsburger Fabrik hergestellt und diese dann 
in Treptow in fertige Farbstoffe übergeführt. Die zum Nitriren der Benzol 
kohlenwasserstoffe erforderliche Salpetersäure wird in einer eigenen Rummels 
burger Abtheilung gewonnen und die grossen Mengen nöthiger Schwefel 
säure durch Reservoirboote auf dem Wasserwege herbeigeschaffi. Die Firma 
hat es sich stets zur Aufgabe gemacht, möglichst alle Ganz- und Halb 
fabrikate der Theerfarbenindustrie selbst zu erzeugen. Die Haupterzeug 
nisse des Betriebes sind folgende: Anilin (Oel und Salz), Roh- und 
Zwischenprodukte zur Herstellung von Theerfarbstoffen; Theerfarben: 
Anilinfarben, Napbtolfarben, substantive Baumwollfarben (Baumwolle direkt 
ohne Beize färbend). Farben zum Färben und Drucken auf Wolle, Seide, 
Baumwolle, Leinen, Jute etc. Farben für Papier, Leder, Holz, Stroh, Pelz 
werk, Blumen, Federn, Lacke, Niederschlagfarben für Farblacke, Farben 
für mikroskopische Zwecke, unschädliche Farben für Nahrungs- und Ge 
nussmittel etc. Photographische Entwickler, div. pharmazeutische Präparate. 
Schon das von der Farbenfabrik in Treptow seit Beginn ihres Bestehens 
hergestellte Fuchsin, unter dem Namen „Rubin“ im Handel, welches ent 
gegen dem Verfahren in den anderen deutschen Fabriken nach dem 
Gerber-Keller’schen Quecksilberverfahren hergestellt wurde, war sehr bekannt. 
Selbst als alle anderen deutschen Fabriken nach dem Medlock’schen Arsen 
säure-Verfahren arbeiteten, behielt die Firma das von ihr erprobte Queck 
silberverfahren bei, bis sie den von Coupier vorgeschlagenen Nitrobenzol 
prozess als brauchbar erkannte, denselben unter Benutzung ihrer alten 
Erfahrungen in eigenartiger Weise ausgestaltete und in ihren Werkstätten 
einführte. Noch heute ist das nach diesem Verfahren hergestellte Produkt 
unter dem Namen „Rubin“ im Handel. Besonders wichtig für die Weiter- 
entwickelung der Gesellschaft wurde das Jahr 1878, in welchem sie als 
erste die Herstellung des Malachitgrüns nach dem von Döbner patentirten 
Verfahren begann. Gleichzeitig erwarb sie eine Licenz des Patentes auf 
die Herstellung der Höchster Ponceaux und begann damit die Fabrikation 
der Azofarbstoffe, mit welchen sie später ihre hauptsächlichsten Erfolge 
erringen sollte. Bei der Herstellung der Höchster Ponceaux fand die von 
C. A. Martius entdeckte und im Verein mit A. W. Hofmann erforschte 
Bildung der höheren Homologen des Anilins durch das sogenannte Um 
lagerungsverfahren ihre erste technische Verwendung. Im Beginn der 
achtziger Jahre befasste sich die Firma mit der Fabrikation der sehr werth 
vollen Croceinfarbstoffe nach einem in ihrer Fabrik erfundenen Verfahren, 
dessen Berechtigung sie in sehr langwierigen Patentprozessen vertheidigen 
musste; 1884 erwarb sie das von P. Böttger ausgearbeitete Patent 28753, 
dessen Bedeutung für die Entwickelung der Farbenindustrie sie, im Gegen 
satz zu der Mehrzahl der damaligen Sachverständigen, richtig gewürdigt 
hatte. Es ist dies das bekannte Congopatent, welches die Reihe der Er 
findungen auf dem Gebiete der sogenannten substantiven, Baumwolle ohne 
vorherige Beizung färbenden Azofarbstoffe eröffnete. Indem sie sich mit 
der in den Besitz ähnlicher Erfindungen gelangten Firma Farbenfabriken 
vorm. Fr. Bayer & Co. einigte, gelang beiden Firmen gemeinsam der 
weitere Ausbau der neuen Errungenschaft zu ausserordentlichem Umfange, 
und hat diese neue Erfindung auf dem Gebiete der künstlichen Farbstoffe 
vollständig umgestaltend auf die Technik der Färberei selbst zurück-
        
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