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Metall-Industrie Gruppe VII. Metall-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Metall-Industrie

Gruppe VII. Metall-Industrie 
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zu erfahren, auf welchem Wege die Ziergegenstände und Sehmuck- 
geräthe, die es kauft, die mit Blumenranken geschmückten Vasen, 
die mit reichem Bildwerk versehenen Krüge, die Kartenteller, Schmuck 
kästchen u. s. w., entstanden sind. Der Käufer begnügt sich damit, 
dass er reizend aussehende, künstlerisch vollendete Stücke erhält. 
Die galvanoplastischen Produkte unterscheiden sich oft in mehr 
facher Beziehung zu ihrem Vortheil von den auf anderem Wege 
hergestellten, gegossenen oder getriebenen Gegenständen. Während 
z. B. der Bronzeguss sich oft weich und verschwommen zeigt und 
immer eine gründliche Nacharbeit erfordert, giebt der galvano 
plastische Niederschlag ein äusserst scharfes, völlig getreues Abbild 
des Originals. Wie scharf diese Methode arbeitet, ersehen wir 
daraus, dass, wenn die Haut der Hand des Künstlers auf dem 
Thonmodell nur leichte Spuren zurücklässt, der elektrische Strom 
auf der galvanoplastischen Nachbildung genau wieder die Uneben 
heit der Epidermis wiederbringt. Es sind völlige Facsimile-Stücke. 
Infolgedessen sind die galvanoplastischen Erzeugnisse, wenn sie aus 
der Wanne kommen, viel reiner als Bronzestücke, die nicht nach- 
ciselirt worden sind. Von der Treue der galvanoplastischen Ver 
vielfältigung geben uns die Cliehes Zeugniss, mit denen alle Geld 
scheine der Reichsdruckerei gedruckt werden. In dieser Anstalt 
wird nämlich von einer gestochenen Originalplatte eine grössere 
Anzahl Abzüge in Kupfer gemacht und diese zu einer einzigen 
Platte zusammengestellt, so dass nun mehrere Hundertmarkscheine 
auf einem Papierbogen gleichzeitig abgezogen werden können. Ebenso 
wird bei den Briefmarken auf galvanoplastischem Wege das Original 
in vielen Hundert Abzügen vervielfältigt und diese zu einer Platte 
vereinigt, auf welcher dann ganze Briefmarkenbogen gedruckt 
werden. 
So einfach das galvanoplastische Verfahren erscheinen mag, 
da ja die' Elektrizität, diese stille und unsichtbare Naturkraft, die 
Hauptarbeit leistet, so erfordert doch die Galvanoplastik eine sehr 
grosse Geschicklichkeit und vor allem tüchtige, langjährige Er 
fahrungen. Eine der Hauptschwierigkeiten bildet der Umstand, 
dass es eigentlich keine neuen Arbeiter giebt, die man als gelernte 
Galvanoplastiker betrachten könnte. Was sie in der Schule lernen, 
reicht für die Praxis kaum aus. Es bedarf langer Jahre, um sie 
heranzuziehen, und Mancher unter ihnen lernt nie die feine Sorg 
samkeit, die nöthig ist, die Bäder im Stande zu halten und ein gutes 
Gelingen der Arbeit zu sichern. Die Folge davon ist, dass nur 
wenige eigentliche galvanoplastische Anstalten in Europa existiren. 
In Deutschland steht Berlin thatsächlich an der Spitze und auch 
dem Auslande gegenüber auf einer sehr hohen Stufe. In Deutsch 
land existiren wenige galvanoplastische Anstalten ersten Ranges, ja 
selbst in Berlin ausser den zwei oder drei grossen nur eine Anzahl 
kleinerer, die zumeist nur galvanische Ueberzüge, nicht aber galvano 
plastische, kunstgewerbliche Arbeiten hervor bringen. Der Export 
nach dem Auslande ist ein sehr beachtenswerther; ja selbst Frank
	        
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