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Metall-Industrie Gruppe VII. Metall-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Metall-Industrie

Gruppe VII. Metall-Industrie 
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da bevorzugt, wo es galt, ein schwereres Material, insbesondere 
Steinornamente und Figuren zu ersetzen, die durch ihre Last die 
Unterlagen und Häusersimse gefährdet hätten. Die aus Zinkblech 
getriebenen Gegenstände haben ausser ihrer spielenden Leichtigkeit 
noch den Vortheil, dass sie ohne grosse Vorbereitungen überall 
angebracht werden können. Auf diese Vorzüge ist zurückzuführen, 
dass der Petrikirchthurm, der in den Jahren 1849—1851 erbaut 
wurde, mit Zinkornamenten geschmückt ist. Diesem Gotteshause 
folgte bald der Schmuck der Synagoge und anderer öffentlicher und 
privater Gebäude mit bedeutenden Arbeiten dieser Industrie. 
Da die Stadt Berlin rasch an Ausdehnung anwuchs und sich 
eine immer regere Bauthätigkeit unter der wachsenden Wohlhabenheit 
entwickelte, wurden die Anforderungen, die an den Markt nach 
diesem Artikel gestellt wurden, bald so gross, dass sich nunmehr 
die ganze Bauklempnerei nach dieser Richtung hin entwickelte, so 
dass heute unter den vielen Meistern in Berlin sich wohl keiner 
befindet, der nicht mit Erfolg ähnliche Arbeiten ausgeführt hätte. 
Seit den letzten 20 Jahren hat sich der Bauklempnerei auch das 
Gebiet der Kupfertreibarbeiten erschlossen. Dies Material gewann 
immer mehr Freunde und wurde mit Vorliebe bei grossen und 
monumentalen Gebäuden angewendet. Dem Zink gegenüber hat 
das Kupfer mannigfache Vortheile. Es ist von schönerem Aussehen 
und erhält nach etwa 15 Jahren durch die Einwirkung der Luft 
eine vorzügliche Patina, die auf das Auge malerisch wirkt und als 
Ueberzug das darunter befindliche Kupferblech vor weiterem Zerstört 
werden durch Witterungseinflüsse schützt. Infolgedessen zeichnen 
sich die Kupfertreibarbeiten ebenso wie die Kupferblechdeckungen 
auf den Dächern durch bedeutende Haltbarkeit aus; einzig der höhere 
Kostenpunkt ist es, der verhindert, dass das Kupfer nicht vollkommen 
das Zink aus dem Felde schlägt. Als hervorragendere Ausführungen 
von Kupferarbeiten seien hier erwähnt: Die Kuppel des Kadetten 
hauses in Lichterfelde, das Kriminalgerichtsgebäude in Moabit, die 
Thürme der Dome auf dem Gendarmenmarkt, das Königl. Schau 
spielhaus, das Königl. Schloss, die Kuppel des Charlottenburger 
Schlosses, die Dächer und Kuppeln auf dem Reichstagsgebäude u. v. a. 
Auch die eigentliche künstlerische Kupfertreibarbeit ist in der 
letzten Zeit in erfreulichster Weise in den Vordergrund getreten. 
Dieser Theil des Kunsthandwerkes lag lange Jahre darnieder. Berlin 
besitzt schon seit dem vorigen Jahrhundert eine der grossartigsten 
Treibarbeiten, nämlich die Viktoria auf dem Brandenburger Thor, 
deren Entstehung in die Jahre 1790—1793 fallen dürfte. In neuerer 
Zeit trat insbesondere Braunschweig mit grösseren Arbeiten hervor 
und gab damit eine Anregung, die in Deutschland und hauptsächlich 
in Berlin nicht ohne Erfolg blieb. Hier entwickelte sich dieses 
Kunsthandwerk ziemlich rasch; man kann wohl die Zahl der hier 
existirenden Firmen, die sich mit der Kupfertreibarbeit beschäftigen, 
und zwar in einer Weise, die jeden Wettbewerb mit anderen 
Städten aufnehmen kann, auf ungefähr 10 veranschlagen. Figürliche
	        
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