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Metall-Industrie Gruppe VII. Metall-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Metall-Industrie

Gruppe VII. Metall-Industrie 
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In den siebziger Jahren, als sich die Nachfrage nach besseren 
Petroleumlampen steigerte, haben grössere Fabriken ausserordent 
liche Anstrengungen gemacht. Es sind von einer der grössten in 
jener Zeit bis Ende der achtziger Jahre jährlich bis zu 20 000 Mark 
für Entwürfe, Modelle und Formen ausgegeben worden, wovon regel 
mässig ein Th eil von vornherein als Aufwendung zur Förderung der 
Kunstindustrie betrachtet wurde. Die Kosten mancher Lampe, welche 
schon für ihr Modell 400—500 Mark und mehr betrugen, galten 
ohne Weiteres als Ausgabe ä fonds perdu. Und doch muss man 
diese Ausgaben immer noch in gewissen Grenzen halten; zu leicht 
gefährdet ein Fabrikant, der darin zu weit geht und seiner Lieb 
haberei oder seinem Ehrgeiz zu freien Spielraum lässt, auf solche 
Weise, wie die Erfahrung gelehrt hat, seine geschäftliche Existenz. 
Bereits auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung im Jahre 1879 
vermochten jene Fabriken eine so reiche Kollektion in wenigen 
Jahren entstandener Petroleumlampen auszustellen, wie sie bis 
dahin noch nirgends geboten worden war. 
Eine Schattenseite der Lampenfabrikation ist die Verwendung 
des Zinkes, die infolge einer tief eingewurzelten Voreingenommen 
heit von den Kunstverständigen in ihren Kritiken meist verdammt 
wird. Wir können ja nicht leugnen, dass man einen aus Bronze 
oder Messing hergestellten Gegenstand mit einem Gefühle grösserer 
Befriedigung betrachtet als ein Erzeugniss aus Zink. Und doch 
ist das Zink so ungemein nützlich in der Lampenfabrikation, denn 
es allein ermöglicht, vermöge seiner Billigkeit, die Verbreitung einer 
schon einigermassen über die alltäglichen Formen einer Blecharbeit 
hinausgehenden Lampe bis in die kleinste Hütte. Nehmen wir z. B. 
an, dass eine Lampe, welche in galvanisirtem Zink hergestellt für 
einige Mark verkäuflich ist und in einem bescheidenen Hause doch 
immerhin als Zimmerschmuck betrachtet wird, nur in Bronze her 
gestellt worden wäre. Die Folge würde gewesen sein, dass von 
dieser Lampe bei dem acht- bis zehnfachen Preise nicht so viele 
Stücke, wie jetzt Tausende von Stücken, gekauft würden. 
Es ist deshalb weniger die Verwendung des Zinkes überhaupt, 
als der Missbrauch, der mit ihm getrieben wird, zu tadeln. Dass 
in Paris mehr Artikel in echter Bronze gekauft werden als in 
Berlin, steht fest. In Deutschland muss man sich aber den 
deutschen Absatzverhältnissen fügen. Es wird fast unglaublich 
erscheinen, wenn wir behaupten, dass von allen den Petroleum- 
Tischlampen mit Metallkörpern, die in Berlin fabrizirt werden und 
für den Verkauf im In- und Ausland bestimmt sind, nicht ein Pro 
zent in Bronze oder Messing ausgeführt wird. Bei einzelnen Fabri 
kanten kann der Prozentsatz etwas höher sein, und für Hänge 
lampen dürfte er durchschnittlich 5 pCt. betragen. 
Im Grossen und Ganzen darf uns Befriedigung erfüllen, wenn 
wir unsere Leistungen, auch soweit es sich um die Kunstindustrie 
in der Lampenfabrikation handelt, überblicken. War auch das 
Hauptgewicht auf die Herstellung eines guten, soliden Fabrikates
	        
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