Path:
Metall-Industrie Gruppe VII. Metall-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Metall-Industrie

24 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1890 
und das diesem fast gleiche Solaröl, sowie das englische Paraffin 
behielten die Oberhand, bis auch diese von 1862 an nach und nach 
zurücktraten und dem Petroleum das Feld überlassen mussten. 
Die Verwendbarkeit des Petroleums, wie der Mineralöle über 
haupt, unterscheidet sich von der der vegetabilischen Oele wesent 
lich. Die vegetabilischen Oele müssen, da sie im Docht nur etwa 
2 cm steigen, der Flamme möglichst nahe gebracht werden, gestatten 
aber die Sturzflasche, also die Herstellung des niveau constant und 
die dauernde Dichtung der Dochttriebbuchsen etc. Die Mineralöle 
dagegen, speziell das Petroleum, welches sehr ätherisch ist, machen 
ein dauerndes Dichten etwaiger Dochttriebbuchsen unmöglich und 
lassen die Verwendung der Sturzflasche nicht zu. Die Herstellung 
der Petroleumlampe in der Art der Moderateurlampe ist schon 
deshalb nicht möglich, weil es kein dauernd genügend dicht- 
schliessendes Material für den Kolben giebt. Dagegen hat das 
Petroleum den grossen Vortheil, dass es viel leichter, und zwar 
15—20 cm, ja im erwärmten Brenner noch höher in den Haar 
röhrchen der Baumwolle bezw. des Dochtes steigt und es somit 
ermöglicht, den Oelbehälter unterhalb des Brenners anzubringen. 
Allerdings hat dies wiederum den Nachtheil, die Formengebung 
der Lampe zu beschränken. 
Die Herstellung von Petroleumflachbrennern bot im Grossen 
und Ganzen wenig Schwierigkeiten, wohl aber die Konstruktion 
geeigneter Rundbrenner. Bei Verwendung des Argand’schen cylin- 
drischen Rundbrenners, dessen Docht natürlich bis in den Petroleum 
behälter hinabreichen musste, wurde es nöthig, den inneren Luftzug 
zwischen dem Brenner und dem darunter befindlichen Oelbehälter 
von aussen einzuführen, ohne die Saugfähigkeit des Dochtes zu 
beeinträchtigen. Dieses wurde nun durch Einschneiden, Aufschlitzen 
und Anbinden des Dochtes oder, wie es meist geschah, durch An 
binden eines besonderen Saugedochtes erreicht. Doch mit welchen 
Umständen die Instandhaltung eines solchen Brenners verknüpft war, 
weiss Jeder, der die Manipulation des Dochteinziehens selbst einmal 
besorgt hat. Diesem Uebelstande wurde bald abgeholfen durch die 
Erfindung — 1865 — des Rundbremiers mit flachem Docht, welch 
letzterer vermittelst einer konischen Führung allmälig gerundet 
wird und endlich vollständig rund die cylindrische Flamme erzeugt. 
Die Zahl der jetzt überhaupt vorhandenen Muster vollständiger 
Lampen ist ganz enorm; die jährliche Produktion darf auf viele 
Millionen Stück geschätzt werden, wofür die Brenner zum weitaus 
grössten Theil in Deutschland hergestellt werden. Die Lampe der 
Gegenwart ist jedenfalls allgemein die Petroleumlampe, der gegen 
über Lampen für andere flüssige Brennstoffe der Quantität nach 
fast nicht in Betracht kommen können. 
Der wichtigste Theil der Petroleumlampe ist der Brenner, 
welcher mittelst des Dochtes den flüssigen Brennstoff der Flamme 
zuzuführen und in Verbindung mit dem Cylinder die Luftzuströmung 
zu reguliren hat.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.