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Metall-Industrie Gruppe VII. Metall-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Metall-Industrie

Gruppe VII. Metall-Industrie 
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bemerkenswert!! hervorgetreten. Dagegen gab die Moderateur- 
Lampe, deren Entstehungszeit wir nicht genau feststellen können, 
der Lampenfabrikation einen grossen Aufschwung, da sie bei fast 
gleichen Eigenschaften viel billiger herzustellen war als die Carcel- 
Lampe. Das Wesen Hiebe ihrer Konstruktion beruht in Folgendem: 
Durch einen im Innern des Oelbehälters angebrachten Lederkolben, 
auf den eine durch Aufziehen in Spannung versetzte Feder drückt, 
wird das Oel durch ein Röhrchen in den Brenner getrieben. Dieses 
Röhrchen birgt einen Stift in seinem Innern, dessen Stärke so ab 
gemessen ist, dass nur so viel Oel das Röhrchen passiren kann, 
als zur Speisung der Flamme nöthig ist. Infolgedessen tritt die Feder 
erst nach 7—8 Stunden wieder ausser Wirkung, die Lampe brennt also 
so lange, ohne inzwischen wieder aufgezogen werden zu müssen. 
Von Argand bis zur Mitte dieses Jahrhunderts lag der Schwer 
punkt der Entwickelung der Oellampen-Industrie, wie zum Theil 
schon aus dem Gesagten erhellt, überwiegend in Frankreich. .In 
Deutschland adoptirte man die Konstruktion der Astral- und der 
Sineumbralampen und fabrizirte diese Lampen bis zum Beginn der 
Moderateurlampen-Fabrikation. In den dreissiger Jahren kamen die 
Studirlampe und dann die Fränk’sche Lampe mit flachem oder halb 
rundem Docht auf. 
Die Schiebelampen erfuhren in Deutschland eine wesentliche 
Verbesserung durch Verwendung des Milchglasschirmes und des 
eingeschnürten Benkler’schen Gylinders. 
Es hat sich Mancher in Deutschland um die Herstellung prak 
tischer Lampen bemüht und verdient gemacht, dessen Name nun 
schon längst vergessen ist. Manche Vorbilder scheinen damals 
auch von Wien und Süddeutschland zu uns nach Norddeutschland 
gekommen zu sein. Z. B. die Deffner’sche Blechwaarenfabrik in 
Esslingen a. N. beschäftigte sich schon im ersten Viertel dieses 
Jahrhunderts viel mit Lampenfabrikation und war weit und breit 
durch ihre guten Erzeugnisse bekannt. 
Das Jahr 1855 könnte man fast als den Beginn einer neuen 
Lampenepoche in Deutschland betrachten, nicht allein deshalb; weil 
man in Deutschland durch die Berliner Herstellung von Moderateur- 
lampen mehr unabhängig geworden war, sondern auch, weil die 
Mineralöle in jenem Jahre stärker hervorzutreten begannen. Schon 
vor 1855 waren Brennstoffe hergestellt worden, zu deren Ver- 
werthung man besondere Lampen und Brenner konstruirt hatte, 
die allerdings alle, wie z. B. die Spritlampe in den vierziger Jahren, 
keinen dauernden Erfolg hatten. In die fünfziger Jahre fiel das 
stärkere Auftreten des Camphins, des Binaffins etc., der aus gut 
rektifizirtem Kienöl bestehenden Brennstoffe, für deren Verwendung 
damals ebenfalls Lampen hergestellt wurden. Doch das allmälige 
Verharzen des Dochtes und die zunehmende Konkurrenz des Photogens 
machten diese Lampen bald unmöglich. Ebenso schnell verschwanden 
die aus bituminösem Schiefer hergestellten, in Frankreich „l’huile 
de schiste“ genannten Oele wieder, und das englische Photogen
	        
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