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Metall-Industrie Gruppe VII. Metall-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Metall-Industrie

14 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
oder auch in reichverzierten Mustern, so dass sie als Prunkgeräthe 
dienen können. Sie erhalten die mannigfachsten künstlerischen Formen, 
alle gegenwärtig beliebten Stile sind vertreten. Eine dauerhafte 
Versilberung giebt den Waaren auch äusserlich ein vollkommen 
silberähnliches Gepräge. Da die solideren Fabrikanten den Grund 
satz befolgen, nur weisses, hartes Neusilber als Unterlage für die 
versilberten Tafelgeräthe zu verwenden, so lässt das Aussehen wie 
die Solidität und Dauerhaftigkeit nichts zu wünschen übrig. Ja, man 
geht so weit, für solche Fälle, wo der tägliche Gebrauch eine grössere 
Abnutzung vorhersehen lässt, wie z. B. für Hotels und Restaurants, 
die Neusilber-Tafelbestecke mit stärkeren Silberauflagen zu versehen, 
welche nicht leicht abgeschlissen werden können. Fernere Ver 
wendungen des Neusilbers finden in ausgedehntester Weise zu 
Pferdegeschirren, Beschlägen, Reflektoren, sowie alle passenden 
Arten Kurzwaaren statt. 
Leider wird auch in dieser Branche, wie in den anderen kunst- 
industriellen, darüber geklagt, dass seit 10 Jahren der Geschmack 
des Publikums im Niedergang begriffen ist. Die Zeit des eigentlichen 
Aufschwunges erstreckt sich über die Jahre 1876—1880. Damals 
hatteGeheimrathProfessorReulaux von der Ausstellung in Philadelphia 
aus seinen Warnungsruf ertönen lassen, der in den geflügelten 
Worten „Billig und schlecht“ uns heute noch in den Ohren klingt. 
Die Fabrikanten liessen sich damals die Mahnung nicht zweimal 
zurufen, es wurde kräftig eingegriffen, und in raschen Schritten 
bewegte sich die Kunstindustrie bergan. Hohe Summen wurden 
für künstlerisch ausgeführte Modelle ausgegeben, reger Wetteifer 
belebte alle kunstgewerblichen Kreise, das Bewusstsein eines sicheren 
Gelingens beflügelte die Ideen, liess die Mühen lohnend erscheinen. 
In der That machte sich der Erfolg auch auf der ersten Berliner 
Gewerbe-Ausstellung in glänzender Weise geltend. Man darf aber 
nicht vergessen, dass ein hauptsächlicher Antrieb vom Publikum 
ausging, dessen Anforderungen gesteigert waren und dessen Bereit 
willigkeit, materiell an dem künstlerischen Aufschwünge mitzuwirken, 
eine lebhafte war. Später aber verwilderte der Geschmack des 
Publikums, der Käufer weigerte sich, für eine solide ausgeführte 
Waare einige Mark mehr auszugeben. Eine Reihe Massenindustrien 
wuchsen hervor, die dem Bedürfniss des ärmeren Theiles der Be 
völkerung nach billiger Waare entgegenkamen und den Preisen 
entsprechend Gegenstände in schlechterem Metall und in minder 
gediegener Ausführung auf den Markt brachten, so dass von be 
theiligten Fabrikanten geklagt wird, dass von dieser Seite her der 
Geschmack der Menge auf ein tieferes Niveau gedrückt werde. Doch 
muss man nicht vergessen, dass mit diesen billigen Massenwaaren 
auch die ärmeren Klassen, die sonst an Zier und Prunk nicht 
denken können, an schönere Formen gewöhnt werden, und dass 
damit der im Volke schlummernde ästhetische Sinn allmälig geweckt 
wird, wobei wir uns aber nicht verhehlen wollen, dass diese Erweckung 
des künstlerischen Sinnes mit völlig unvollkommenen Mitteln geschieht,
	        
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