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Metall-Industrie Gruppe VII. Metall-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Issue 4 Metall-Industrie

Gruppe VII. Metall-Industrie 
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in den Sehulen zu finden, in denen mit bewunderungswürdiger 
Ausdauer und mit kräftigem Zielbewusstsein gewandte Arbeiter 
herangezogen werden zu künftigen Rivalen der französischen Industrie. 
Die Professoren zeichneten sich durch Liebenswürdigkeit und Geduld 
aus und fesselten so die Sympathie ihrer Schüler, in denen dadurch 
der lebhafte Wunsch erregt werde, von dem freundlichen Meister 
sich gründlich ausbilden zu lassen. Eine neue Lehrmethode würde 
der Gegenstand der eingehendsten Studien und werde erst dann 
angewandt, wenn die Erfahrung gelehrt hat, dass sie vor anderen 
Lehrmethoden den Vorzug verdiene. Die zwei Franzosen, denen 
wir dieses Urtheil entnehmen, fügen noch hinzu: „Wenn die ger 
manische Rasse auch nicht auf den ersten Anlauf erreicht, was sie 
will, wenn ihr Geist auch nicht so beweglich ist wie der unsere, 
so ist sie doch mit zäher Willenskraft und einer Arbeitsgeschicklich 
keit begabt, die sie gefährlich macht.“ 
Wie wir also sehen, ist in den letzten Jahr en bereits ein ganz 
bedeutender Umschwung zu Gunsten der deutschen Industrie ein 
getreten. Wenn er fortwährt, was ja unzweifelhaft zu erwarten ist, 
so wird er Schritt um Schritt mit dem Aufschwung und der 
weiteren Entwickelung Berlins wachsen, das als Hauptstadt des 
geeinten Reiches und als Centralpunkt vieler Interessen auf dem 
Gebiete der Kunst, der Industrie und des Handels für den Fremden 
immer mehr eine der anziehendsten Weltstädte wird. 
Das eben zitirte Urtheil bezieht sich mehr auf die Gross 
fabrikation als auf das Kunstgewerbe. Der Export auf ersterem 
Gebiete erweistsich dementsprechend als ein ganz bedeutender. Leider 
sind trotz der Anregung mehrerer Handelskammern von den ein 
schlägigen Behörden bis jetzt noch nicht die nothwendigen Schritte 
gethan worden, um statistisch festzustellen, wie gross eigentlich die 
jährliche Ausfuhr der Edelmetall-Industrie ist. Sobald eine 
solche Statistik amtlich ausgearbeitet sein wird, dürfte es sich zeigen, 
dass dieser Export bisher an maassgebender Stelle in seiner Aus 
dehnung unterschätzt worden ist und dass Deutschland Grund hat, 
mit demselben zufrieden zu sein. 
Neusilber-Arbeiten. An die Edelmetall-Industrie schliesst 
sich in erster Linie das Neusilber, dessen Aufgabe darin besteht, 
das Silber in seiner Verwendung für die täglichen Bedürfnisse des 
Hauses zu ersetzen. Dieses Metall ermöglicht durch seine Billigkeit 
auch dem minder Bemittelten, sich einen geschmackvollen und doch 
zugleich geringe Auslagen erfordernden Tafelschmuck oder sonstige 
Zierden für Wohn- und Empfangsräume anzuschaffen. Schüsseln, 
Saucieren, Salzgefässe, Becher und Kannen, Weinkühler, Kredenz 
bretter, Brod- und Zuckerkörbe, Tafelaufsätze, Visitkartenteller, 
Leuchter u. s. w. werden aus Neusilber gefertigt und mit Silber 
überzogen. Die Legirung besteht aus Kupfer, Zink und Nickel und 
zeichnet sich durch Unverwüstlichkeit im Gebrauch aus. Die Ge- 
räthe werden entweder in glatten, leicht zu reinigenden Stücken her 
gestellt, wie sie sich am besten zum täglichen Gebrauch eignen,
	        
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