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Metall-Industrie Gruppe VII. Metall-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Metall-Industrie

10 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
vergesslich gemacht hat. Der Entwurf hält sich jedoch nicht streng 
an jenen Stil, sondern nimmt nur nachempfindend den reichen 
malerischen Schwung in seine Formen auf. Die einzelnen Geräthe 
sind zum Theil in gegossener, zum Theil in getriebener Arbeit her 
gestellt und zeichnen sich durch vollendete Feinheit der Aus 
führung aus. Einzelne Gruppen an den Gefässen sind von berühmten 
Bildhauern ausgeführt, so von Breuer, Brunow, Brütt, Bergmeyer, 
Calandrelli, Eberlein, Geyer, Hunclrieser, Julius Moser, Obmann, 
Paul Pietsch, Siemering, Uhlmann, Wiese u. s. w. Die Haupt 
stücke des Tafelschmuckes bilden herrlich gearbeitete Tafelaufsätze. 
Als Mittelstück zeichnet sich durch Grösse das ..Glückhafte Schiffe“ 
aus, welches hier im Sinnbild die vereinigten Städte darstellt, die 
dem jungvermählten Paare ihre Glückwünsche darbringen. Dieses 
Prachtwerk deutscher Kunst und deutschen Gewerbefleisses war nicht 
nur dazu bestimmt, dem Huldigungsdrange der Städte zu genügen, 
sondern es sollte zugleich, im königlichen Schatze aufbewahrt, als 
Zeugniss für die künstlerische Höhe der Edelschmiedekunst unserer 
Zeit den nachkommenden Geschlechtern dienen. (Die Abbildungen 
der Tafelgeräthe sind auf 40 Blättern vom Verlag Paul Bette, 
Berlin, herausgegeben.) 
Um diese Ehrentage des Kunstgewerbes herum gruppiren sich 
die Mühen der Alltagsarbeit. Neben den Künstlern, die ihm be 
hilflich sind, legt der Fabrikant hauptsächlich Werth darauf, sich 
mit praktisch durchgebildeten Kunsthandwerkern zuumgeben, weil diese 
von jeher an den Umgang mit den Arbeitern gewöhnt sind und 
infolgedessen es verstehen, von dem Arbeiter nicht mehr zu ver 
langen, als er leisten kann, dafür aber auch mit ihren Anforderungen 
bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gehen. Dadurch wird 
jede Thätigkeit zu einer erspriesslichen, da die Ideen leichter in 
Form umgesetzt werden und das lebendige Moment, das in der 
Kunst vorwaltet, infolge des verständnissinnigen Verkehrs zwischen 
Künstler und Arbeiter besser zum Ausdruck kommt. Es wird viel 
fach über den Rückgang des Geschmacks im Publikum und über 
dessen geringe Ansprüche geklagt. Der Käufer sieht mehr auf das 
Volumen als auf die Schönheit und Vollendung der Durchführung; 
er begehrt nach grossen Prunkstücken, ohne allzu kritisch die 
saubere und korrekte Arbeit zu prüfen. So tritt überall das Be 
streben zu Tage, durch die Tafelaufsätze und Salonprunkstücke den 
Nachbar womöglich zu überstrahlen. Der plumpe Schein des Reich 
thums schlägt den schönen Schein der Kunst aus dem Felde. 
Die Silberschmiedekunst wird ausser in Berlin noch in einigen 
mittel- und süddeutschen Städten mit der gleichen Liebe und Sorg 
falt gepflegt und gehegt; so nennen wir ausser Berlin im Norden 
noch Köln, Bremen und Altena, während in Süddeutschland 
München an der Spitze steht, wo namentlich König Ludwig II. für seine 
Prachtbauten grosse Bestellungen gemacht hat, durch welche die 
Formen der Barock- und Rococozeit zu neuem Leben erweckt 
worden sind. Neben den Anregungen, die dieser feinsinnige und
	        
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