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Metall-Industrie Gruppe VII. Metall-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Metall-Industrie

Gruppe VII. Metall-Industrie 
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hatten, den Schönheitssinn in den breitesten Schichten des Volkes 
wieder dadurch zu wecken, dass sie den Handwerker mit Verständ- 
niss und Liebe für die schöpferischen Ideen der Kunst ausstatteten, 
damit er Schönheit in alle Werke der Industrie, des Gewerbes, in 
alle Gebrauchs- und Ziergegenstände des täglichen Lebens streue. 
Eine Saat, die nach langem, schweissvollem Mühen aufgehen und 
reiche ethische und ästhetische Früchte tragen musste. 
So entstand zuerst in München der „Verein zur Ausbildung 
der Gewerke“, welcher später den Namen des „Baierischen Kunst 
vereins in München“ annahm. Künstler und Handwerker, die 
sich sonst stolz und unverständig von einander fern hielten, 
reichten sich die Hand zu gegenseitiger Belehrung und Aneiferung. 
Schon das folgende Jahr erhielt reichliche Förderung von aussen 
und zwar durch die Londoner Welt-Ausstellung von 1851, die 
mannigfaltige und gesundeste Anregung nach allen Seiten bot. 
Hier tauchte der Orient mit seiner Formen- und Farbenpracht, 
hier tauchte die Vergangenheit mit ihrem ganzen Reichthum, Mer 
das alte Griechenland mit seinem schlichten Natursinn, seiner 
edlen Formenbeherrschung wieder auf. Im Jahre 1852 erscMen 
die erste Zeitschrift auf diesem Gebiete, es war die Zeitschrift 
des „Baierischen Kunstgewerbe - Vereins“. An diese schloss sich 
gleich das Inslebentreten der ersten kunstgewerblichen Schule, 
deren Zwecke auf das Ziel klarer gerichtet waren, als in den 
bereits existirenden gewerblichen Schulen. Hier sollte der Zeichen 
unterricht die Lehrlinge befähigen, ihren künstlerischen Ideen in 
Entwürfen vollendeten Ausdruck zu geben und ihren Geschmack, 
wie ihre Fähigkeiten zu bilden. Darauf folgte die Gründung des 
„Germanischen National-Museums“ in Nürnberg, das wundervolle 
Schätze aus Deutschlands Vergangenheit birgt, Körper gewordene 
Träume aus altem deutschem Empfindungsleben, formholde Dich 
tungen der deutschen Volkssele, zarter und doch gestaltungskräftiger 
und eindrucksvoller als manche Dichtung auf vergilbten Perga 
menten. 1854 wurde das „National-Museum in München“ erbaut. 
Zu gleicher Zeit begann man auch die kunstgewerblichen Fach 
schulen allenthalben in Deutschland umzugestalten oder neue zu 
errichten, wie z. B. 1865 in Hamburg, dann in Wien, Nürn 
berg, Stuttgart. 
Auch Berlin, das uns hier in erster Linie interessirt, erhielt 
um diese Zeit eine ausgezeichnete Fachschule, während es zu 
gleich noch in anderer Beziehung eine wesentliche Förderung 
erfuhr. Unter dem Protektorat des in hohem Grade kunst 
sinnigen und kunstfördernden Kronprinzen, nachmaligen Kaisers 
Friedrich III. wurde nämlich im Jahre 1867 der Grundstein zu dem 
in der Prinz Albrecht-Strasse gelegenen Kunstgewerbe-Museum 
gelegt, jenem Prachtbau, der das Auge des Vorübergehenden stets 
erfreut und in dessen Räumen mit den Jahren eine für Gewerbe 
und Industrie so segensreich gewordene Thätigkeit sich entfaltete. 
Von grossem Einfluss waren selbstverständlich neben der Ent-
	        
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