Path:
Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V Gruppe VI. Kurz- und Galanterie-Waaren

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Issue 3 Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V

30 Spezial-Ivatalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Buchbinden im eigenen Hause für sich auszunutzen. Dies führte zu vielen 
Zerwürfnissen, und oft mussten der Rath der Städte und auch die Fürsten 
energisch eingreifen, um den Streit beizulegen. 
Die Buchbinderei gelangte nur sehr langsam zu grösserem Umfang. Was 
an Bedeutung allmälig gewonnen war, ging durch den 30jährigen Krieg 
wieder verloren. Dann kam die bessere Zeit. Tüchtige Meister schufen Pracht 
bände für Fürsten und reiche Privatleute, wovon noch heute zahlreiche gute 
Beispiele vorhanden sind. Die Handvergoldung erlangte Bedeutung und 
wurde besonders gepflegt, die Festigkeit des Bindens stand hoch. 
Im 19. Jahrhundert hat nun der Massenbetrieb die aussergewöhnlichste 
Umwandlung herbeigeführt. Schon in den 40 er Jahren nahm man die 
Unterstützung von Maschinen (Walze und Presse) gern an, bis die neuere 
und neueste Zeit in allen Zweigen der Buchbinderei neue und verbesserte 
Maschinen einführte und damit das Arbeiten sehr erleichterte. 
Eine Stillosigkeit hatte bis zur Mitte des Jahrhunderts in allen Zweigen 
des Kunsthandwerkes Platz gegriffen, so auch besonders in der Buchbinderei. 
Besonderen Einfluss hatte der Ausspruch Professor Reuleaux’s in Philadelphia 
1876. Seit dieser Zeit datirt merklich der Aufschwung und der Werth der 
Handarbeit. 
Die Maschinenarbeit wird in der feinen Buchbinderei nie die Hand 
arbeit ganz verdrängen. Die Wirkung einer Handvergoldung ist eine ganz 
andere, als die der Presse. So wurde also in neuester Zeit dieser künst 
lerische Theil von tüchtigen Meistern fleissig geübt und die Erfolge blieben 
nicht aus. Regen Antheil an diesen Erfolgen haben auch die Fachschulen 
und Schulen für Handvergoldung. 
Wenn die Leistungen Berlins resp. Deutschlands, noch nicht auf der 
Höhe derjenigen der Engländer und Franzosen stehen, so erklärt sich das 
daraus, dass der Reichthum dieser Länder die Tüchtigen im Buchbinder- 
Gewerbe vollauf beschäftigt und keine Ausgaben scheut. 
Die Metall-Galanteriewaaren-Branche hat sich in Berlin von den 
allerbescheidensten Anfängen der Gürtlerei allmälig zur heutigen angesehenen, 
den Weltmarkt mit ihren Produkten der Massenfabrikation beherrschenden 
Stellung emporgeschwungen. Zunächst den Anforderungen des täglichen 
Lebens und dem sich immer mehr für militärische Zwecke entwickelnden 
Bedarf dienend, bildete sich das Gürtlerhandwerk in Berlin immer mehr 
aus, bis es, speziell in feineren Arbeiten, in der zweiten Hälfte dieses Jahr 
hunderts zu einer Leistungsfähigkeit gelangte, welche gestattete, auch den 
Anforderungen der industriemässigen Fabrikation zu genügen. 
Heute unterscheidet man die Gürtlerei für die eigentliche Metallindustrie, 
welche vor allem die in Berlin ausserordentlich blühende Bronzewaaren- 
Fabrikation in sich schliesst und auf welche wir weiter unten näher eingehen, 
und die Gürtlerei für die die Herstellung von überaus vielen Arten von Ge 
brauchs- und Luxusgegenständen umfassende Galanteriewaaren-Fabrikation. 
Die Berliner Fabrikation beschäftigt sich mit fast allen Metallgalanterie- 
Artikeln, die überhaupt angefertigt werden, und kann die folgende Aufzählung 
keinen Anspruch darauf machen, alle Spezialitäten zu nennen. Es sind 
hervorzuheben alle möglichen Artikel für die Schreibwaarenbranche, als 
Schreibzeuge, Tintenfässer, Papeterien etc., Service aller Art für Liqueur, 
Cigarren; Blumenvasen, Photographierahmen, Bonbonnieren und hundert 
andere Artikel, von denen die Fabrikanten in jeder Saison ganz bedeutende 
Kollektionen in allen Preislagen und jedem Geschmack auf den Markt bringen.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.