Path:
Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V Gruppe VI. Kurz- und Galanterie-Waaren

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V

Gruppe VI. Kurz- und Galanteriewaaren 29 
schützten Ländern Album- und Lederwaaren-Fabriken entstehen und sich 
entwickeln. 
Ein kurzer Rückblick auf die Berliner Album-Fabrikation der letzten 
25 Jahre lässt das bedauerliche Zurückgehen dieser ehedem hochbedeut 
samen Berliner Industrie erkennen. 
Der Umsatz von Photographie-Alb ums, zuerst mehrfach schwankend, 
die 1880 er Jahre hindurch ungefähr gleichmässig hoch und damals auf 
9 000 000 Mark mit Beschäftigung für etwa 2000 Arbeiter geschätzt, ist 
seitdem beständig gesunken und kann jetzt nur auf etwa 4 000 000 Mark 
veranschlagt werden. Die Preise der Waare sind fortwährend zurück 
gegangen, für die Hauptsorten auf ein Drittel. Ein Dutzend Quart-Albums 
mit Deckel von gepresstem, gespaltenem Schafleder kostete 1869 25 bis 
30 Thaler und kostet jetzt 25—30 Mark. 
Der enorme Preisrückgang deutet darauf hin, mit welchen Anstrengungen 
gearbeitet und um das Geschäft gekämpft wurde. Die Wirkung war die 
Vernichtung vieler Existenzen. Von etwa 100 Albumfabrikanten, welche 
sich seit etwa 25 Jahren nachweisen lassen, waren mehr als 30 gezwungen, 
die Zahlungen einzustellen, etwa 25 liquidirten oder verkauften das Geschäft 
mit Verlust, nur 35 bestehen jetzt noch und davon nur 5 oder 6 die ganzen 
25 Jahre hindurch. Aehnlich ist die Geschäftslage in geringen Lederwaaren, 
die in den letzten 25 Jahren ebenfalls auf die Hälfte, sogar bis auf ein 
Drittel des Werthes gesunken sind. 
Die 1 Arbeitslöhne haben gegen die gute Geschäftszeit etwas eingebüsst, 
sind im Allgemeinen aber auskömmlich in den Fällen, wo die Arbeiter in 
Fabriken oder Werkstätten ziemlich regelmässige Beschäftigung finden. 
Von denjenigen Arbeiten, welche in der Behausung der Arbeiter fertig- 
gestellt werden, wie Portemonnaies, Cigarrenetuis etc., wird die Arbeit der 
gedrückten billigen Sorten nur gering bezahlt. Hier ist grosser Fleiss und 
Benutzung billigster Hilfskräfte erforderlich, um den nothwendigsten Ver 
dienst zu ermöglichen. 
Erfreulicherw r eise weisen die jüngsten statistischen Ausweise des Berliner 
General-Konsulats der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika für das erste 
Quartal 1896 wiederum eine bedeutende Zunahme im Export von Photo 
graphie-Albums aus Berlin auf, und zwar ist derselbe von Dollars 5255 im 
1. Quartal auf 8298 Dollars im I. Quartal 1896 gestiegen, wogegen aller 
dings die Ausfuhr von sonstigen Lederwaaren wiederum von 3444 Dollars 
im I. Quartal 1895 auf 2630 Dollars im I. Quartal 1896 gesunken ist. 
Die Berliner Buchbinderei erfreut sich eines guten Rufs und hat 
denselben auch auf der Chicagoer Welt-Ausstellung glänzend gerechtfertigt. 
Wenn auch Leipzig, Stuttgart und München auf dem Gebiete der Buch 
binderei ebenfalls Hervorragendes leisten, so wird doch Berlin allgemein 
als maassgebender Ort angesehen, und die Bedeutung dieser Branche in der 
Reichshauptstadt nimmt jährlich zu. 
Die Buchbinderei Berlins sieht auf eine lange Geschichte zurück und 
verfolgt ihren Ursprung bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts. Urkund 
lich sicher erscheint der erste Buchbinder mit Namen Hennig um 1518. 
Das Jahr 1595 ist das Geburtsjahr der Berliner Buchbinder-Innung. In 
diesem Jahre traten die in Berlin und Kölln ansässigen Buchbinder zu 
sammen, setzten eine Handwerksordnung fest und baten den Rath der 
Städte um Bestätigung ihrer Artikel. 
Im 16. und 17. Jahrhundert und auch später trieben die Buchbinder 
neben der Buchbinderei Buchhandel, und ebenso suchten Buchhändler das
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.