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Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V Gruppe VI. Kurz- und Galanterie-Waaren

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V

28 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
sehenen Schirme, die ihrer Eleganz wegen mit Vorliebe gekauft werden, 
entsprechend elegante Griffe hergestellt, sowie kleine, zierliche Knöpfe, in 
Ei-, Kugel- und Würfelform, theilweise in Metall, Gold- und Silberoxyd, 
theilweise'in Steinnuss, Opal und Agat in schillernden Farben. Celluloid ist 
gegenwärtig fast gänzlich aus der Mode gekommen und findet sich nur 
noch in vereinzelten Mustern, mit Metallbeschlag, auch Silberdraht versehen, 
vor; dagegen kommen erfreulicherweise Elfenbein und Schildpatt wieder 
mehr in Aufnahme. 
Die Album-, Portefeuille- und Le de rwaar en-Fabrikation hat in 
Berlin ihren Hauptsitz. Sie hat die rivalisirenden Produktionsstätten Wien 
und Offenbach, namentlich in der Albumfabrikation, überflügelt und gilt als 
tonangebend auf dem Weltmarkt. 
Die Berliner Albumfabrikation erfuhr in den letzten Jahren bedeutende 
Stockungen, obwohl gerade diese in ihren Leistungen nirgends erreicht ist. 
Die Ursache ist zum Theil in der häufigeren Verwendung von Photographie- 
Rahmen, vorzugsweise aber im Rückgänge des Exportes zu suchen. 
Das Exportgeschäft leidet fortgesetzt unter den hohen Eingangszöllen 
fast aller Länder und hat infolge der Zölle stellenweise aufgehört. Die in 
Oesterreich und Italien infolge der Handelsverträge eingetretenen geringen 
Ermässigungen konnten nicht merklich einwirken. Der Mac Kinley-Tarif 
Hess den Export von Photographie-Albums nach den Vereinigten Staaten, 
welcher ehedem ca. 3 000 000 Mark betrug, auf ca. 1 850 000 Mark und 
weiter auf ca. 1380 000 Mark zurückgehen. Gekauft wurden fast nur 
Plüsch-Albums geringer Qualität. Der Bedarf an besseren Albums wird 
durch die Fabriken in New-Vork und Philadelphia gedeckt. Die Ausfuhr 
von Lederwaaren nach den Vereinigten Staaten betrug nach Mittheilungen 
des Berliner General-Konsulats im letzten Jahre nur 18 921 Dollars, von 
Photographie-Albums nur 94 585 Dollars, also kaum 400 000 Mark gegen 
3 000 000 Mark noch im Jahre 1891. Von der Ausstellung in Chicago war 
für Albums und Lederwaaren nichts zu erhoffen, sie ist deswegen von 
keinem Fabrikanten beschickt worden. In den letzten Jahren haben 
Australien, zufolge der Krisis, und Südamerika, wegen der Unruhen, ausser 
ordentlich wenig bezogen. 
Nach Russland war mit Eintritt des Zollkrieges das Geschäft zu Ende, 
welches in fertigen und halbfertigen Artikeln sowie Materialien zusammen 
genommen nicht ganz gering gewesen war, und hat sich seit dieser Zeit 
nicht wieder auf die frühere Höhe gehoben. 
Die allgemeine, vielfach gedrückte Geschäftslage verhinderte eine Zu 
nahme des Absatzes von Album- und Lederwaaren in Deutschland, in 
England und den wenigen Ländern mit massigen Eingangszöllen. 
Seit 10—15 Jahren sind Album- und Lederwaaren bei ungefähr gleicher 
Qualität und demselben Gewichte auf weniger als die Hälfte der früheren 
Preise zurückgegangen, während die Zölle der meisten Länder in derselben 
Zeit um mehr als das Doppelte erhöht sind. Der zu zahlende Zoll beträgt 
also jetzt etwa das Fünffache gegen früher und schwankt in Russland, 
Schweden, Norwegen, Dänemark, Oesterreich, Italien, Spanien, Frankreich 
und andern Ländern zwischen 50—150 pCt. des Waarenwerthes. Da nun 
der Arbeitslohn der Artikel durchschnittlich kaum 20 pCt. beträgt und da 
die erforderlichen Materialien, Leder, Stoffe, Papier, Pappe,, durch eigene 
Produktion oder wegen geringerer Zölle im Auslande verhältnissmässig 
billig zu haben sind, so findet die Wahrnehmung hinreichende Erklärung, 
dass fast in allen früher von hier versorgten, jetzt durch hohen Zoll ge
	        
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