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Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V Gruppe VI. Kurz- und Galanterie-Waaren

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V

Gruppe VI. Kurz- und Galanteriewaaren 
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namentlich Deutschland, in geringerem Maasse Italien, Spanien, Russland, 
obwohl der meist hohe Zoll den Export nach dort sehr erschwert. England 
gebraucht hauptsächlich Spiegel und Bürsten, die es bisher von Frankreich bezog. 
Amerika ist in den letzten Jahren trotz des so hohen Zolles ein guter 
Abnehmer geworden für bessere Arbeiten der Kunstschnitzerei, namentlich 
Figuren und grössere Gegenstände moderner Art. 
Die Arbeiter der Elfenbeinwaaren-Industrie finden, mit Ausnahme der 
Kunstschnitzereien, welche von talentirten und gut geschulten Künstlern 
vielfach in eigenen Wohnungen für grössere Geschäfte ausgeführt werden, 
zumeist in Werkstätten und Fabrikbetrieben Beschäftigung. 
Berlin darf für die Elfenbein-Industrie innerhalb Deutschland und 
Oesterreich als maassgebend betrachtet werden, während in Schnitzereien 
ausserdem noch München, Nürnberg, Dresden, Geislingen und Erbach i. 0. 
gute Leistungen aufzuweisen haben. 
Die Perlmutter-Industrie sieht ebenfalls schon auf ein hohes Alter 
zurück und hatte ihren Hauptsitz in England und Frankreich. Ersteres 
produzirte hauptsächlich Schmuckgalanterie und Fächer, letzteres mehr 
Bedarfs-Artikel, Messergriffe, Schalen, Knöpfe etc. 
Deutschland kam hingegen lange Zeit kaum in Betracht. Vor ungefähr 
20 Jahren fing man jedoch in Berlin an, dieser Industrie grössere Aufmerksam 
keit zu schenken, und hat durch fortgesetzten Fleiss und Energie es so weit 
gebracht, dass grössere Fabriken entstanden, welche seit Jahren schon in 
vielen Artikeln — freilich noch nicht in allen —- gegen Paris ausserordentlich 
konkurrenzfähig sind. 
Der Haupt-Export ist in Galanterie- und sog. Bäder-Artikeln, Nippes, 
Bijouterie und Besatzartikeln, Stock- und Schirmgriffen in mittlerer Qualität. 
Auch bessere Luxusgegenstände fanden in den letzten Jahren durch feine 
Detail-Geschäfte willige Abnehmer. 
Unter Perlmutter stellt man sich gewöhnlich nur die sog. Perlmuschel 
in weiss oder schwarz vor; es existiren aber noch ausserdem viele Muschel 
arten, welche durch andere Farben und Formen Gelegenheit bieten, sie zu 
ausserordentlich vielen, kleinen, nützlichen Dingen verarbeiten zu können, 
was denn auch in bedeutendem Maasse geschieht. 
Die Bearbeitung der Muscheln aus dem rohen Zustande bedingt einen 
Maschinenbetrieb, welcher ausschliesslich von Männern in gut eingerichteten 
Fabriklokalen ausgeführt wird. Ausser in Berlin werden noch in Hamburg, 
Köln, Adorf in Sachsen und in einigen Thüringer Orten Perlmutter- und 
Muschel-Artikel gefertigt. Von den etwa 6 grösseren und ebensoviel kleineren 
Betrieben in Berlin sind zwei der grösseren auf der Ausstellung vertreten. 
Neben Elfenbein und Perlmutter, welche in der Fabrikation für bessere 
Toilettengegenstände Verwendung finden, ist auch das von der Schildkröte 
uns gelieferte schöne Material, das ebenfalls seit alten Zeiten geschätzte 
Schildpatt, zu nennen, in welchem Berlin dem lange als Centralpunkt der 
Verarbeitung herrschend gewesenen Paris überlegen geworden ist. Seine 
Benutzung zu kostbaren Schirm- und Stockgriffen bildet einen besonders 
geschätzten Zweig der Berliner einschlägigen Industrie. Die den Toiletten 
zwecken dienende Bürstenmacherei ist eine in Berlin seit lange hei 
mische Industrie, wenn auch in der grossen Zahl der Werkstätten nur 
wenige mit der Fabrikation der feineren Bürsten sich beschäftigen. Die 
Bürsten gewöhnlicher Art, wie Maschinenbürsten und Stallutensilien, ferner 
Pinsel, werden hier ausschliesslich im Handbetrieb erzeugt, da Maschinen 
sich nur zur Vorbereitung und für ordinäre Holzarbeit verwenden lassen.
	        
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