Path:
Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V Gruppe VI. Kurz- und Galanterie-Waaren

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V

22 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Aber diese Goldelfenbeinplastik des Phidias hat in Griechenland selbst 
eine Vorgeschichte. Zunächst waren an dem Holzbildwerk Elfenbein und 
Gold nur zu Details und Beiwerk verwendet, später aber gewinnen sie die 
Oberhand, so dass das ganze plastische Gebilde sich nun lediglich als aus 
Gold und Elfenhein verfertigt den Blicken darstellt. Diese erste und einzige 
Blütheperiode der Elfenbeinplastik im Sinne einer echt monumentalen Kunst 
ist die perikleische Epoche Athens, die Zeit des Phidias, und ihre gefeiertesten 
Schöpfungen, die Athene Parthenos und der olympische Zeus, zählen zugleich 
zu den berühmtesten Schöpfungen aller Zeiten. Wenn diese Werke fast 
tausend Jahre erhalten blieben, so zeugt das von der ausserordentlichen 
Präzision bei der Durchführung und beweisst, dass die höchste Blüthe des 
künstlerischen Könnens verbunden zu sein pflegt mit der höchsten Vollendung 
auch des Technischen. 
Neben Phidias selbst waren noch eine Reihe seiner Zeitgenossen und 
Schüler als Goldelfenbeinbildner thätig, dennoch aber nimmt die Zahl der 
selben schnell ab, während die Technik später, besonders in Rom, mehr 
aus archäologischer Neigung geübt wurde, wozu noch die Verwendung für 
praktische Zwecke, zu Porträtstatuen, tritt. 
In der römischen Welt hat das Elfenbein aber auch bei der Aus 
stattung von Geräthen und Möbeln eine grosse Rolle gespielt. Von Elfenbein 
ist die sella curulis der Konsuln; zierliche Arbeiten kennen wir aus dem 
etrurischen Corneto und römische Arbeiten der vorkonstantinischen Zeit 
haben besonders die Ausgrabungen von Pompeji zu Tage gefördert. 
Zu neuer Blüthe gelangt die Elfenbeinplastik wieder in Byzanz unter 
Konstantin, wo es im Luxus und bei Gebrauchsgegenständen häufige Ver 
wendung findet. Die bekannteste Denkmälergruppe aber gehört der Klein 
kunst an, die vor allem in den sog. Konsular-Diptychen, welche gleichsam 
einen Ersatz für unsere Notizbücher bildeten, in die Erscheinung trat. Die 
Konsuln pflegten sie bei ihrem Amtsantritt an Gönner und Freunde als 
Zeichen ihrer Konsularwürde zu schenken; sie stellten daher auf einer Seite 
meistens das Porträt des Konsuls in der Toga mit dem Konsularszepter dar. 
Da diese Diptychen meistens den Namen der Konsuln tragen und datirt 
sind, so bilden sie für die Geschichte ein sehr wichtiges Quellenmaterial. 
Zu diesen Konsular-Diptychen kommen später noch die Beamtendiptychen, 
die Kaiserdiptychen mit Darstellungen der Kaiser, und die Privatdiptychen, 
kostbare Deckelplatten für werthvolle Dokumente. 
Diese römischen Diptychen sind es vor allem, von welchen die Elfen 
beinplastik im Dienste der christlichen Kirche ihren Ausgang nimmt. 
Auch bei der frühchristlichen Gemeindeverwaltung mochte man sich 
schon früh solcher Diptychen für die Listen der Gemeindevorsteher und 
verdienter Gemeindemitglieder bedient haben; mit der Erhebung des Christen 
thums zur Stäatsreligion aber öffnet sich diesen Diptychen die Kirche selbst, 
einmal in den Diptychen, welche die Namen der um die Kirche besonders 
verdienten Personen enthielten und auf dem Altar standen, und sodann in 
den zu Buchdeckeln für kirchliche Schriften verwendeten Elfenbeintafeln, 
wobei natürlich der Bildschmuck sich der veränderten Bestimmmung an- 
schliesst. Seit Byzanz Kaisersitz wurde, ist auch die Elfenbeinplastik im 
Dienste der Kirche dort heimisch, so dass es in den ersten Jahrhunderten 
schwer ist zu unterscheiden, ob ein Elfenbeinwerk die Arbeit byzantinischer 
oder abendländischer Schnitzer ist. 
In der Elfenbeinplastik des Mittelalters bildet das kirchliche Möbel, 
besonders der Bischofstuhl, ein Hauptdenkmal. Dahin gehören ferner Buch 
deckel, Kästchen und Büchsen für Reliquien, während Freifiguren noch
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.