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Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V Gruppe V. Porzellan-, Chamotte- und Glasindustrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Porzellan-, Chamotte-, Glas-Industrie Gruppe V

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Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
In der Leitung der Manufaktur wurde Rosensfiel 1831 durch Friek, 
dieser 1848 durch den Geh. Rath Kolbe, dieser 1867 durch den Geh. Rath 
Möller abgelöst. 
Die Erfahrungen auf der Pariser Welt-Ausstellung im Jahre 1867 und 
besonders auch auf der zu Wien 1873, die dort ermöglichte Vergleichung 
der eigenen Erzeugnisse der Porzellan-Industrie mit denen der französischen, 
englischen, österreichischen und japanischen hatten an entscheidender 
Stelle zur Erkenntniss der Nothwendigkeit einer gründlichen Reform der 
Königlichen Manufaktur zu Berlin geführt. Schon 1871 war sie aus der 
Stadt auf jenes ausgedehnte Terrain bei Gharlottenburg verlegt, wo nichts 
die zweckmässige Anlage und Einrichtung der Fabrikgebäude hindert und 
auch einer bedeutenden Erweiterung derselben keine Schranken gezogen sind. 
Nach dem Tode des Direktors Geh. Rath Möller, 1881, wurde dem 
Direktor, der Techniker ist, ein Künstler beigeordnet, zuerst der Rildhauer 
Professor Sussmann - Hellborn, nach dessen Austritt, 1887, der Maler 
Professor Kips, dem als Modellmeister Bildhauer Schley zur Seite 
steht.. Die Leitung der Anstalt ist seit 1886 dem damaligen 
Chemiker der Manufaktur, Dr. Heinecke, übertragen. 
Unter diesen neuen Männern und unter Mitwirkung des Malerei- 
Vorstehers Looschen nahm die Produktion des Instituts bald einen frischen, 
kräftigen Aufschwung. . Die schönen Modelle und Vorbilder seiner alten 
Blüthezeit gelangten aufs Neue zu den verdienten Ehren. An ihre Formen 
und Dekorationsweisen anknüpfend, aber in origineller, frei schöpferischer 
Gestaltung und Dekoration, entstanden in grosser Fülle neue Erzeugnisse, 
die an künstlerischer Schönheit und Reiz jenen älteren nicht nachstehen. 
Grosse Vortheile erwuchsen gleichzeitig der Manufaktur aus der ihr 
seit 1878 beigesellten chemisch-technischen Versuchsanstalt. Durch die 
Arbeiten der Herren Professor Dr. Seger, Dr. Heinecke, Dr. Sarnow, 
Dr. Pukall und Dr. Hecht wurden überraschende Resultate von höchster 
Bedeutung für die Porzellanfabrikation erzielt. Manche neuen farbigen und 
farblosen Glasuren, welche den Brand im Scharffeuer aushalten, sind seitdem 
hier erfunden. Ebenso die Herstellung der Craquele-Glasuren, die von 
unbedingt wetterbeständigen Fliesen aus Hartporzellan, welche, mit farbigen 
Glasuren oder Malereien dekorirt, eine ebenso schöne als dauerhafte Wand 
bekleidung geben. 
Grosse Erfolge sind in der Malerei mit Emaillefarben auf farbigen Gla 
suren und in der Dekoration mit reliefartig aufgetragenen Emaillen, ebenso 
in der Anfertigung von päte sur päte-Malereien auf Hartpörzellan erzielt. 
Von den neuen weichen Massen gestattet die nach ihrem Erfinder 
„Seger-Porzellan“ benannte, welche zum Brande eines weit geringeren 
Hitzegrades bedarf als die harte, die Anwendung einer viel reicheren 
Farbenskala. Sie ermöglichte die Darstellung des so lange unnachahmbar 
gewesenen chinesischen Roth. 
Eine andere, alabasterartig durchscheinende Masse wird vermöge ihres 
warmen Tones hauptsächlich für Bisquitfiguren verwendet. 
Bemerkenswerth sind auch die auf Steingutfliesen ausgeführten Malereien. 
Der gegenwärtige verdienstvolle Leiter der Anstalt, Direktor Dr. Heinecke, 
hat Brennöfen konstruirt, welche es ermöglichen, auch die grössten Stücke 
im Ganzen zu brennen. 
Neben der künstlerischen und kunstgewerblichen Produktion betreibt 
die Königliche Porzellan-Manufaktur auch die massenhafte Herstellung 
von Apparaten, Maschinentheilen und Gelassen jeder Art für rein gewerb 
liche und wissenschaftliche Zwecke. Mit unermüdlicher Ausdauer ist die
	        
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