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Der Gartenbau Gruppe XXII. Gartenbau

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Der Gartenbau

Gruppe XXII. Gartenbau 
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einzige Ort Deutschlands, in welchem die ansässigen Handelsgärtner die 
Kultur von Camellien, Rhododendron und indischen Azalien in ungeheuren 
Massen betreiben. Es wäre in keinem anderen Orte Deutschlands möglich, 
ebenso grosse Massenkulturen dieser Pflanzengattungen mit denselben Er 
folgen zu betreiben, da die von den dortigen Züchtern verwendete und zu 
einem üppigen Gedeihen dieser Pflanzen nothwendige Haideerde (Moorerde) 
mit weniger grossen Unkosten aus den Wäldern der Umgebung von Dresden 
zu beschaffen ist. Ausser diesen Pflanzen ziehen -die Gärtner Dresdens und 
seiner Umgebung namentlich Treibrosen und Rosen-Hochstämme. 
Erfurts Handelsgärtnerei umfasst im Grossbetriebe ebenfalls nur einige 
Zweige. Der älteste ist die Kultur der Rrunnenkresse auf der Thalebene 
Dreienbrunnen. Sie ist die einzige handelsgärtnerisch betriebene Deutsch 
lands, sie dürfte jedoch in der Rentabilität anderen Gemüsekulturen gegen 
über Vortheile nicht bieten. Ausgedehnt sind ferner, wie in keinem anderen 
Orte Deutschlands, die Blumenkohl-Kulturen, namentlich diejenige des echten 
Haage’schen Zwergblumenkohls. 
Unerreicht steht weiter die Anzucht von Sommerflorblumen da, nament 
lich Levkoyen, Astern, Phlox, Balsaminen, Rittersporn, Nelken etc. zur Ge 
winnung von Samen, wie auch zu demselben Zwecke die Anzucht von 
einjährigen Blumen für Töpfe, als Primeln, Calceolarien, Cinerarien etc. 
Während Erfurts Samenkulturen sich in der Hauptsache auf die Ge 
winnung von Gemüse- und Blumensämereien erstrecken, werden in Quedlin 
burg landwirtschaftliche und Gemüse-Sämereien gezogen. Viele tausende 
Morgen Landes dienen dort zur Heranzucht dieser Sämereien. 
Ein gewaltiger Fortschritt ist auf dem Gebiete des Obstbaues in 
Deutschland zu verzeichnen. 
Während bis in die 60 er Jahre hinein die Anpflanzung oft ungeeigneter, 
theils werthloser Obstsorten schlechte Erfolge auf diesem Gebiete zeitigte 
und die Lust und Liebe zum Obstbau mehr schwand als gefördert wurde, 
ist von dieser Zeit an ein freudiger Umschwung zu konstatiren. Diese 
Thatsache ist nicht zum Mindesten den Bestrebungen des im Jahre 1860 
gegründeten deutschen Pomologenvereins zu verdanken, welcher sich seit 
seiner Entstehung unausgesetzt damit befasst hat, unter den vielen existirenden 
Obstsorten diejenigen auszuwählen und zur Anpflanzung zu empfehlen, welche 
auf Grund der gemachten Erfahrungen am besten gedeihen und reichste 
Erträge liefern. Er ist es auch gewesen, welcher die Anregung zur Ver 
anstaltung von Obstmärkten gegeben hat, die in den letzten Jahren, nament 
lich in Frankfurt a. M., immer grösseren Umfang gewannen und zur Bildung 
einer Centralstelle für Obstverwerthung in genannter Stadt führten. 
Es sind dort z. B. im Jahre 1894, einem nicht überreichen Obstjahre, 
folgende Quantitäten deutschen Obstes zum Verkauf angeboten worden: 
Aepfel . . . . 
Birnen. . . . 
Kirschen. . . 
Mirabellen . . 
Reineclauden 
Zwetschen . 
12 822 725 kg 
1 616 980 , 
838 670 „ 
43 100 . 
44 842 . 
S00 370 „ 
Auf den in Frankfurt a. M. im Herbste 1894 abgehaltenen Obstmärkten 
betrug der Gesammtumsatz: 
Aepfel .... 752 327 kg 
Birnen .... 92000 , 
Pflaumen . . 32 000 „
	        
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