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Der Gartenbau Gruppe XXII. Gartenbau

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Der Gartenbau

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Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
gründete den Potsdamer Lustgarten und besass in dem s. Z. neu erworbenen 
Schloss von Caputh Weinberge und Obstgärten, welche auf ihre Veranlassung 
sehr gut gepflegt wurden und sehr schöne Früchte brachten. Die Haupt 
entwickelung der Gartenkunst in der Mark fällt jedoch in das 17. Jahr 
hundert, und zwar in die Regierungszeit des Grossen Kurfürsten. 
Derselbe gründete sich auf der Insel Potsdam einen angenehmen 
Aufenthaltsort durch die gärtnerische Verschönerung seiner Umgebung. 
Er hatte sein besonderes Augenmerk auf die mit schönen Eichen bestandene 
Pfauenmsel und liess den waldbestandenen Baberow, den heutigen Babels 
berg, in einen Wildpark umwandeln. Bei Bornim entstand unter seiner 
Regierung eine wahrhaft großartige Gartenanlage. Die Zahl der edlen 
Fruchtbäume in diesem Garten soll über 1500 betragen haben. 
Bomstedt und seine Umgebung verwandelte er in Lustanlagen und 
liess zur Verbesserung der angelegten Weinberge - Reben aus Ungarn, vom 
Rhein, aus Frankreich und Italien kommen. Diese guten Beispiele des 
Regenten fanden bei seinen Unterthanen eifrige Nachahmung, und es ent 
stand an den günstig gelegenen Höhen vom Jungfernsee her eine ganze 
Anzahl Weinberge. 
ln die Regierungszeit Friedrichs 1. fällt namentlich die Verschönerung 
des Potsdamer Lustgartens und die Vergrösserung des Bornimer Obst 
gartens. 
Als Friedrich Wilhelm I. zur Regierung gelangte, richtete er sein 
Augenmerk weniger auf die schon bestehenden schönen Anlagen und 
gärtnerischen Bauten, sondern legte Küchengärten an, welche er mit Ge 
müsen und Obstbäumen bepflanzte. 
Ebenso wie unter dem Grossen Kurfürsten, begann mit dem Regierungs 
antritt Friedrichs des Grossen eine neue, wichtige Aera in der Entwickelung 
des Gartenbaues und der Gartenkunst. Es entstand jener terrassenartig 
angelegte grosse Weinberg, dessen oberes Plateau zum Bau des berühmten Lust 
schlosses, später Sanssouci genannt, den Grundstein bildete. Die Umgebung 
des Lustschlosses wurde durch herrliche Anlagen verschönert und ein 
grosses Orangeriehaus gebaut, welchem sich später der Bau des ersten 
Fruchttreibhauses anschloss, das mit Heizkanälen versehen war. Gerade 
für diese Fruchttreiberei hatte der König ein grosses Interesse und förderte 
sie mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln. Friedrich der Grosse war 
auch der Erste, welcher zur Anlage, Pflege und Bewachung seiner gärt 
nerischen Neuschöpfungen eine Anzahl Hofgärtner anstellte. Auch die 
Pfaueninsel, welche König Friedrich Wilhelm I. dem Potsdamer Waisen 
hause zum Geschenk gemacht hatte, kaufte Friedrich der Grosse wieder 
zurück und machte aus der bewaldeten Havelinsel eine herrliche, gekünstelte 
Gartenanlage. 
In die nächste Periode, die Regierungszeit Friedrich Wilhelms III., fällt 
die Berufung des grossen Meisters der Gartenkunst Lenne. 
Er begann nach vorangegangenem Studium der lokalen Verhältnisse 
und nach Entwertung eines das Ganze umfassenden Verschönerungsplanes 
mit einheitlichen Neueinführungen der stückweise angelegten Gärten. 
Da es ihm bei diesen Neuschöpfungen oft an dem nöthigen Pflanzen- 
material mangelte, so benutzte er eine in der Umgebung von Sanssouci 
liegende, ca. lV a Hektar grosse Fläche zur Anlage einer Baumschule, in 
welcher die erforderlichen Bäume und Sträucher gezogen wurden. 
Der damalige Staatskanzler Fürst von Hardenberg übertrug zu gleicher 
Zeit die Umgestaltung seines neuen Besitzthums „Klein-Glienicke“ dem 
genialen Gartenkünstler, aus welchem er eine der schönsten Gartenanlagen
	        
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