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Farbkarte

Full text: Bunte Blätter der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Konrad, A. M.

Die Gesammt-Ausstellung aus der Vogelperspektive. 
Ejätte bei der Wahl des Terrains für die Berliner Gewerbe-Aus 
stellung l.8f>ü allein dis Rücksicht auf landschaftliche Schönheit gelten 
dürfen, niemals wäre ein anderer Platz überhaupt in Lrage ge 
kommen, als der nach langen Erörterungen thatsächlich gewählte. 
Der Treptower park gehört zu den schönsten Parkanlagen von 
Europa: ein reicher, wohlgepflegter Baumbestand, durchschnitten von 
wegen, die mit glücklichem Geschick nicht blos nach dem Verkehrs 
bedürfniß, sondern auch noch der Wirkung der Lernsichten gezogen 
sind; neben üppigen wiesen zahlreiche und weite Wasserflächen; 
und das ganze, große Gebiet, das umfassender ist als das Gebiet 
aller seither in Europa veranstalteten Weltausstellungen, längs der 
Oberspree gelagert, die gerade hier sich seeartig erweitert. 
Die Stadt Berlin als Besitzerin des Parkes schrieb bei dessen 
Ueberlassung an die Ausstellung begreiflicherweise die Schonung des 
Baumbestandes vor. Die Erfüllung dieser Vorschrift brauchten die 
Architekten der Ausstellung nicht als Beengung zu fühlen. Es ist, 
als hätten die Gärtner, die den park gepflegt und ihn: Gestalt ge 
geben, feine jetzige Beftiminung vorgeahnt und danach die Ein 
richtungen getroffen, die freien Plätze vertheilt, hier so weitläufig die 
Bäume gepflanzt, daß für lauschige Pavillons Raum blieb, dort 
waldartig dicht die Bäume gesetzt, daß sie als eine undurchdringliche 
Touliffe für stattliche Bauten dienen, die bei einer Biegung des 
Weges plötzlich als gefällige Ueberrafchung dem Auge sich zeigen. 
So ganz ohne Aenderung ging es freilich nicht ab, und ist die 
Ausstellung vorüber, so könnte die Verpflichtung, alles im park in 
den vorigen Stand zu bringen, noch recht erhebliche Rosten ver 
ursachen. Es ist aber nicht anzunehmen, daß die Stadt Berlin 
hierauf bestehen wird, denn die vorgenommenen Veränderungen 
sind Verschönerungen, die dauernde Erhaltung verdienen. Die 
Wasserfläche, die man auf unseres Bildes Mitte zwischen dem 
Lsauptausstellungsgebäude und den: Sauptrestanrant sich dehnen sieht, 
und auf deren von mächtigen Musik-Pavillons flankirtem Spiegel 
bewimpelte Nachen sich schaukeln, war vordem eine den Rindern als 
Spielplatz dienende Rasenfläche. Diese Rasenfläche hat man ab 
gefahren und mit der ausgestochenen Erde zur Bodenerhöhung 
unter dem Laubengang und dem Ouerschiff des töauptindustrie- 
gebäudes benutzt. Die Vertiefung füllte sich ganz von selbst, dank 
der nahen Spree, von der man in der rechten Ecke unseres Bildes
        
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