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Text und Abbildungen

Full text: "Von Schreibtisch und Werkstatt" / Stein, Philipp

ITtit gerechtem Stolze darf das Auge auf die mamligfachen und bewuuderungswürdigeu 
Erzeugnisse des menschlichen Fleißes schauen, welche die gegenwärtige Ausstellung vor uns 
ausbreitet. Sind fie doch ebensoviele Trophäen des Sieges, die der menschliche Geist in 
Jahrhunderte langem Mühen und Kämpfen über die Natur und ihre Kräfte errungen 
hat. Jede Thätigkeit, geistige wie materielle, Kopf und Arm, hat zu diesem Triumphe 
beigetragen. Indem ich auf die Entwickelung der Gesammtarbeit zu diesem schönen Er 
gebniß zurückblicke, möchte ich eines Mannes gedenken, dessen Schriften wie die weniger 
Minderer einen tiefgehenden Einfluß auf die Jugend und das Volk unseres engeren 
Vaterlandes Preußen ausgeübt, ja die Mark eigentlich erst für das volksbewußtsei» 
erobert haben. Die Wiege dieses Mannes stand in Berlin und sein Name warWilibald 
Alexis. Seine vaterländischen Romane schildern die Stationen der Kulturcntwickelung, 
welche die Mark von dem falschen Waldemar an bis auf die napoleonische Zeit zurück 
gelegt hat. Sie bilden somit gleichsam die Vorstufe zu der Kulturblüthe, die sich in 
der gegenwärtigen Ausstellung entfaltet. Es erscheint mir daher als eine Pflicht der 
Dankbarkeit, bei dieser Gelegenheit an wilibald Alexis zu erinnern. 
Ich bewundere Berlin, nicht, weil es so groß geworden, sondern weil es so klein 
gewesen ist. 
was war Berlin früher? — Line Provinzialhauptstadt, in der sich eine Residenz 
befand, was ist es jetzt? — Nicht allein Kopf und Herz des Deutschen Reiches, sondern 
auch ein internationaler Drt, politischer Wettermacher, Führer in Wissenschaft und Litte 
ratur. Gehört aber Berlin noch den Berliticrn? Ich glaube: nur wenig. Der Welt 
stadtcharakter bringt es mit sich, daß wir mehr Wirth als Herr in unserem Pein, sind, 
mehr den Frack des Festgebers als den Hansrock des Familienvaters tragen. So hat 
auch unsere sprichwörtliche Schnoddrigkeit einer gewissen verbindlichen Höflichkeit Platz ge 
macht. Freilich nur einer gewissen. Der Berliner als Weltmann befindet sich noch in 
der Mauser, die neue würde paßt ihm noch nicht ganz. Der Neu-Berliner ist ja auch 
erst ein hochaufgeschossener, etwas zu schtiell gewachsener Jüngling von 26 Jahren, aus 
dem der Mann in seiner vollen, ruhigen bewußten Kraft sich erst zu entwickeln hat. 
Berlin, 9- Februar sSZö.
        
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