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Full text: "Von Schreibtisch und Werkstatt" / Stein, Philipp

Spinoza lernet ein Handwerk. 
Das Gesetz und die alten jüdischen Lehrer incrcken an, daß cs nicht genug sei, einen 
Gelehrten abgeben, sondern man muffe über dieses sich in einer kfandthierung oder Kunst 
üben. Dieses sagetRabban Gamaliel in dem Traktat des Talmuds ?ircl<e avotli, Lap. 2, 
allwo er lehret, daß die Befleisstgung des Gesetzes eine Begehrungswürdige Sache sei, 
wenn man eine lsandthierung oder arbeitsame Kunst damit verbinde. Die stetige Bc- 
schäfftigung in diesen beiden Übungsstücken machet, daß man in keinem Stück Böses zu 
thun hat, sondern dasselbe vergißet: Und ein jeder Gelehrter, der nichteine ksandthieruug 
zu lernen besorget ist, wird endlich ein verstöhrter und unordentlicher Mensch in seinen 
Sitten. Und der Rabbi Jehuda füget hinzu, daß ein Jeder, der nicht scine Kinder ein 
Handwerk lernen lasse, eben so viel thue, als wenn er sic unterrichtete, wie sie Diebe und 
Straffenräuber werden sollten. 
Aus Johann Lolerus Leben des B. v. Spinoza. 
Steglitz, 26. Januar s8s)6. 
Die Bestrebungen, Handel, Gewerbe und Industrie zu fördern, haben in früheren 
Perioden der Lultur keine wesentlichen Beziehungen zum Studium der Medicin gehabt. 
Heute bedürfen alle gemeinsam der großen Errungenschaften naturwissenschaftlicher Er 
kenntniß. 
Zs. März J896. 
Mas Berlin groß gemacht hat, ist neben der persönlichen Tüchtigkeit und Arbeit 
samkeit seiner Bürgerschaft der weitherzige wcltbürgersinn, mit dem es tüchtige Kräfte 
auf allen Lebensgebieten von auswärts heranzuziehen und an sich zu fesseln wußte. Da 
durch ist Berlin die geistige Hauptstadt Deutschlands, das Lentrum seiner schaffenden und 
vorwärts strebenden Intelligenz geworden, lange noch, ehe es dann auch vollends die 
politische Hauptstadt wurde. Die Ehre dieser letzteren Stellung ist freilich auch mit einer 
nicht zu unterschätzenden Gefahr verbunden, die dem alten Berlin ferne lag: der Gefahr, 
zum Tummelplatz politischer Leidenschaften und zum Versuchsfeld für schwärmerische 
Utopien zu werden. Gelingt es dem gesunden Bürgersinn der Berliner, dieser Gefahr 
sich zu erwehren, und die neidlose Achtung vor jeder persönlichen Tüchtigkeit ohne Rück 
sicht auf Parteizugehörigkeit sich zu bewahren, so darf die deutsche Hauptstadt einer stets 
wachsenden Blüthezeit sicher und ruhig entgegensehen. 
Professor an der Universität.
        
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