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Full text: "Von Schreibtisch und Werkstatt" / Stein, Philipp

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Berlin und die Kunst. 
Schmäht nicht so auf das „laute Berlin" l 
Ist nicht in ihm die Aunst gediehn, 
Die vom Strome des Lebens umrauscht 
Aus das Leiseste lauscht! 
Der echte Berliner — das ist wie der echte Ehemann: sie lernen erst außerhalb er 
kennen, wie schön es daheim ist. 
„Entwicklung"! welch ein lahmes Wort, 
Gelassen ausgesprochen! 
Den Hohenzollern tönt mein Lied, 
Die deren Macht gebrochen. 
Sie haben rastlos uns geeint 
Zum Kampf mit den Gewalten, 
Die unser Volk so manches Jahr 
In Acht und Bann gehalten. 
Ihr edles Banner: Schwarz und weiß, 
Die Pflicht in Tod und Leben, 
Und Roth, des Volkes Liebe, soll 
Uns stets vor Augen schweben! 
Auf seinem Entwickelungsgänge hat Berlin nicht sonderlich viel Talent gezeigt, 
sich den Flittcrglanz und das moderne Raffinement des weltstadtthums anzueignen. 
Darum hört man so oft die Klage: es fehlt der „große Zug" bei uns! Nehmen wir die 
theilweise Berechtigung dieser Klage selbst als erwiesen an, Frau Berolina braucht darum 
nicht verschämt das Haupt zu senken. In ihrem Lebensmark ist die Reichshauptstadt um 
so kräftiger geworden. Dieses Mark ist die ArbeitI wo auf dem Erdenrund giebt es 
eine arbeitsreichere und arbeitsfreudigere Großstadt als Berlin!? Unter den Emporen 
des Handels, unter den großen Lentralen der Industrie nimmt Berlin heute unbedingt 
den ersten Rang ein, nun, so mag es den Ruhm des weltstädtischen phäakenthums fin 
de siede getrost noch einige Zeit entbehren. 
Februar J896. 
Lhefredakteur des „Berliner Localanzeiger".
        
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