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Full text: Die umweltgerechte Stadt / Klimeczek, Heinz-Josef (Rights reserved)

Berlin: gesünder und lebenswerter Die umweltgerechte Stadt Auf dem Weg zu einer sozialräumlichen Umweltpolitik Die umweltgerechte Stadt Auf dem Weg zu einer sozialräumlichen Umweltpolitik Berlin: gesünder und lebenswerter Basisbericht Umweltgerechtigkeit Grundlagen für die sozialräumliche Umweltpolitik Download Kurzlink: t1p.de/gmug Berlin: gesünder und lebenswerter Die umweltgerechte Stadt Auf dem Weg zu einer sozialräumlichen Umweltpolitik Download Kurzlink: t1p.de/gmug Der »Basisbericht Umweltgerechtigkeit« liefert erstmals eine aktuelle und umfassende sozialraumbezogene Umweltbelastungsanalyse für einen Metropolenraum. Sie ist Planungsgrundlage und Orientierungshilfe für die Handelnden in Politik und Verwaltung, Verbände und Träger in der Hauptstadt. Beiträge externer Institutionen, Autoren und Autorinnen erlauben es den Lesenden, das Thema Umweltgerechtigkeit im Land Berlin aus einem sehr breiten Blickwinkel zu betrachten. Die Broschüre »Die umweltgerechte Stadt« fokussiert die Kernaussagen des Basisberichts. Sie stellt den neuen, ressortübergreifenden Ansatz der Umweltgerechtigkeit komprimiert dar und gibt Auskunft über sozialräumliche Umweltqualitäten, Lebenschancen und -risiken in Berlin. Zugleich benennt sie Handlungsorientierungen für die aktuelle Legislaturperiode 2016 bis 2021, aber auch darüber hinaus. Die Broschüre versteht sich als Orientierungshilfe für Planungen in der öffentlichen Verwaltung, Wirtschaft, Trägern, Verbänden, Universitäten und Hochschulen. Parlamentariern und Parlamentarierinnen, den Betroffenen und der Öffentlichkeit liefert sie Informationen zu gesundheitsrelevanten Umweltbelastungen in den Quartieren der Hauptstadt, deren Umfang und Veränderungen. Damit erschließt sie allen Handelnden die Möglichkeit, Schlussfolgerungen für Planungen, Strategien und Maßnahmen in ihrer Verantwortung zu ziehen. Kernpunkt sind die in Karten dargestellten raumbezogenen Analysen. Sie machen die lokale Betroffenheit deutlich und erlauben es, die Ergebnisse in den unterschiedlichen Politikbereichen schnell und fachspezifisch auszuwerten und umzusetzen. Die Bewertung und die Darstellung der Daten erfolgten in wertneutraler Form. Die umweltgerechte Stadt | Inhalt Inhalt Vorwort Regine Günther Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz 5 Zusammenfassung 6 Der Begriff Was ist Umweltgerechtigkeit? 8 Die Integrierte Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption (IBUk) 10 Das Monitoring Wie misst man Umweltgerechtigkeit? 12 Erstes Ergebnis Die Mehrfachbelastungskarten 21 Das Ergebnis verfeinern Ergänzungsindikatoren 25 Kartenwerk Kern- und Ergänzungsindikatoren 29 Der Status quo Wo steht Berlin? 38 Die Leitfragen Wie geht es weiter? 64 Neue Wege für Berlins Stadtpolitik 65 Der Ausblick 71 Die Mitwirkenden Impressum 73 75 3 4 Die umweltgerechte Die umweltgerechte Stadt | Titel Stadt des| Vorwort Kapitels Umweltqualität und gesundheitsfördernde Lebensbedingungen sind wesentliche Voraussetzungen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen. Dies gilt global, ebenso wie in den Quartieren Berlins. In vielen Teilgebieten der Hauptstadt konzentrieren sich Umweltbelastungen, wie Verkehrslärm, Luftschadstoffe, unzureichende Ausstattung mit Grün- und Freiflächen oder bioklimatischen Belastungen. Oftmals kumulieren diese Beeinträchtigungen. Viele Gebiete haben gleichzeitig eine hohe soziale Problemdichte und sind überproportional durch Mehrfachbelastungen betroffen. – Umwelt(un)gerechtigkeit bildet sich im Stadtgebiet auch räumlich ab. Gesunde Lebensbedingungen für alle zu schaffen, unabhängig von der sozialen Lage der Menschen, ist ein wesentlicher Bestandteil einer aktiven Umweltpolitik und beginnt da, wo die Berlinerinnen und Berliner wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen: In den einzelnen Quartieren der Hauptstadt. Die Landesregierung sieht es als eine wesentliche Herausforderung an, durch umweltpolitische Strategien und Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Luft besser und der Lärm weniger wird und Grünflächen und Parks für alle zugänglich sind – und das bei einer wachsenden Stadt. Es ist ein Kernanliegen eines neuen ökologischen Aufbruchs, für Berlin das unmittelbare Wohn- und Lebensumfeld der Bevölkerung nachhaltig und spürbar zu verbessern. © Roland Horn Vorwort Mit der Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption ist eine wichtige Grundlage entwickelt worden, quartiersbezogene integrierte und ressortübergreifende Strategien, Maßnahmen und Projekte voranzubringen. Das Land Berlin nimmt mit der vorgelegten Umweltgerechtigkeitskonzeption bundes- und auch europaweit eine Vorreiterrolle ein. Die neuen Umweltgerechtigkeitsanalysen identifizieren Belastungsschwerpunkte und vermessen die Stadt im Hinblick auf Mehrfachbelastungen. Dies ist für uns eine wertvolle Arbeitsgrundlage, um die umweltgerechte und ökologische Stadt- und Quartiersentwicklung voranzubringen – es ist eine wichtige Voraussetzung für soziale Integration. Denn eines machen die Untersuchungen und ihre Ergebnisse sehr deutlich: die ökologische Frage ist auch eine soziale Frage. Die vorgelegten Ergebnisse sollen aber nicht nur eine Arbeitsgrundlage für Politik und Verwaltung sein, sondern auch eine praktische Handreichung für alle, die an einer Veränderung unserer Stadt aktiv mitwirken möchten. All jene, die sich für mehr Umweltgerechtigkeit in den Quartieren unserer Hauptstadt einsetzen – von Bürgerinitiativen über Quartiersmanagerinnen und -manager bis hin zu den Umweltverbänden – finden eine wertvolle Datengrundlage, um die Zukunft mitzugestalten. Gemeinsam machen wir Berlin umweltgerecht! Regine Günther Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz 5 Zusammenfassung Das neue Themenfeld der Umweltgerechtigkeit rückt die Zusammenhänge von Umwelt, sozialer Lage und Gesundheit in den Fokus. Der Ansatz befasst sich mit Art, Ausmaß und Folgen der sozial ungleich verteilten Belastungen und fragt, wie und warum diese entstehen. Für eine sozial verträgliche Entwicklung gerade der wachsenden Hauptstadt bietet der Ansatz der Umweltgerechtigkeit erheblichen Mehrwert: Er erlaubt es, die Aspekte Umwelt und Gesundheit auf einer Fachebene zu betrachten und stärker mit der Stadtentwicklung zu verzahnen. Mit der Integrierten Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption (IBUk) hat sich Berlin dieser Aufgabe angenommen. Erster Teil der IBUk ist ein zweistufiges Umweltbelastungsmonitoring, um die Situation zu analysieren. Es ist das erste seiner Art in ganz Deutschland und hat Vorbildcharakter für viele andere Städte – auch im internationalen Bereich. Für das Monitoring wurden zunächst vier Umweltfaktoren als Kernindikatoren festgelegt, deren Relevanz für die Gesundheit wissenschaftlich belegt ist: Luft-, Lärm- und thermische Belastung (Stressoren) und Grünflächenversorgung (Ressource). Als fünfter Kernindikator dieser ersten Stufe wird die soziale Problemdichte in den Quartieren (auf Basis des etablierten Monitorings Soziale Stadt) betrachtet. Auch sie ist gesundheitlich relevant. Das räumliche Raster dafür liefern die 447 Planungsräume Berlins, die das System lebensweltlich orientierter Räume benennt. Erstes Ergebnis der Analyse sind drei Mehrfachbelastungskarten. Sie entstanden durch die Überlagerung der fünf Indikatoren. Die Karten identifizieren mehrfachbelastete Räume und belegen auf statistischer Basis die Grundannahme des Umweltgerechtigkeitsansatzes. Eine soziale Problemdichte korreliert mit Umwelt- und Gesundheitsproblemen. Sozial Schwächere sind vielfach doppelt, drei-, vier- und fünffach benachteiligt. Neun Ergänzungsindikatoren ergänzen die Analyse fachlich und inhaltlich. Das ist die zweite Stufe des Monitorings. Diese Indikatoren sind: die überwiegende Nutzung eines Planungsraums, seine Bebauungsstruktur, die vorherrschende Wohnlage (nach dem Berliner Mietspiegel), Gesundheits- und Umweltrisiken, der Zusammenhang von Umwelt, sozialer Lage und Sterblichkeit, die Lichtverschmutzung, die perspektivische Hitzebelastung. Diese Aspekte können bei Bedarf die Bewertung einzelner Planungsräume untersetzen und präzisieren. Kerndarstellung des Monitorings ist die Berliner Umweltgerechtigkeitskarte. Sie fasst die fünf Kern- und ausgewählte Ergänzungsindikatoren zusammen. Dabei zeigt sich: Mehrfach belastet ist vor allem der innere Bereich Berlins: das Gebiet innerhalb des S-Bahn-Rings sowie direkt anschließende Teil-Räume. 6 Die umweltgerechte Stadt | Zusammenfassung Die Schaffung von mehr Umweltgerechtigkeit ist eine neue stadt- und umweltpolitische Herausforderung. Vorbilder, wie man sie systematisch angeht, gibt es bisher kaum. Die IBUk versteht sich daher auch als Anstoß und Roadmap, um das Thema in Politik und Verwaltungshandeln stärker zu platzieren und in eine produktive Umsetzung zu bringen. Ihre Stärke gewinnt die IBUk dadurch, dass sie auf der Ebene der räumlichen Planung ansetzt. Damit gibt sie praktische Orientierungshilfe, um – auch ressortübergreifende – Leitbilder und Leitlinien zu formulieren und stadt- und umweltplanerische Festlegungen zu treffen für das Handeln der planenden Fachverwaltungen auf Landes- und Bezirksebene. Hiermit verbindet sich ein strategisches und praktisches Potential der IBUk Denn sie rückt die Frage in der Fokus, wie sich für einzelne Stadtquartiere mehr Umweltgerechtigkeit herstellen lässt, konkret: wie lassen sich Mehrfachbelastungen und -betroffenheiten verringern. Ansatzpunkte gibt es viele. Sie reichen von bestehenden gesamtstädtischen Entwicklungskonzepten über die Bauleitplanung oder konkrete Programme (wie das BundLänder-Programm Soziale Stadt) bis zu den verschiedenen Umweltprüfungen und zur Lärmminderungsplanung. Auch Modellprojekte und Pilotvorhaben gehören dazu. Für eine erfolgreiche Umsetzung kann das ganze ausdifferenzierte Set formeller, informeller und rechtlicher Instrumente mit all seinen Wechselwirkungen und Synergien zum Einsatz gebracht werden. Die integrierte Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption kann und sollte daher ein Kristallisationspunkt sein, für eine politische und gesellschaftliche Debatte über mehr Lebensqualität in unsere Kiezen, eine Debatte, die nicht nur Politik und Verwaltung führen müssen, sondern in die auch viele andere Akteure etwas einzubringen haben, an erster Stelle die Menschen in den belasteten Räumen. Die IBUk steht insofern für einen Prozess, der erst am Anfang steht und der immer wieder überprüft werden muss. Deshalb setzt die IBUk auf eine Wirkungs- und Prozessevaluation. Es braucht ein periodisches Monitoring um den jeweiligen Stand der Umwelt(un)gerechtigkeit zu messen und um Strategien und Maßnahmen, die zum Einsatz kommen, zu evaluieren und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. 7 Der Begriff: Was ist Umweltgerechtigkeit? Wo wir wohnen, ist entscheidend dafür, welchen Umweltbelastungen wir ausgesetzt sind. Einkommen und sozialer Status beziehungsweise soziale Lage wiederum sind Faktoren für die Möglichkeit unseren Wohnort auswählen zu können. Damit sind soziale Unterschiede dafür mitverantwortlich, mit welchen Umweltbelastungen wir leben. Das neue Themenfeld der Umweltgerechtigkeit rückt diese Zusammenhänge von Umwelt, Status und Gesundheit in den Fokus. Der Ansatz befasst sich mit Art, Ausmaß und Folgen der sozial ungleich verteilten Belastungen (Verteilungsaspekt) und fragt, wie und warum diese entstehen (Verfahrensaspekt). Analysen versuchen, den Benachteiligungen auf den Grund zu gehen, die sich insbesondere in Großstädten in besonderer Weise darstellen. Dabei gehen sie davon aus, dass Umweltbedingungen, wie sie sich in Großstädten darstellen, gesellschaftliche Phänomene sind und nicht naturgegeben und sich in diesem Sinne grundsätzlich auch politisch ändern lassen. Umweltgerecht wäre in diesem Sinne eine gleichmäßige Verteilung von gesundheitsschädlichen Umweltbelastungen unabhängig von der sozialen Lage oder eine Minimierung von Mehrfachbelastungen insbesondere im Hinblick auf sozial Schwächere. Der Begriff und das dahinterliegende Konzept machen deutlich: Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage von Einkommen beziehungsweise sozialem Status sondern auch eine Frage der Verteilung von gesundheitsschädlichen Umweltbelastungen. Beides wiederum hat viel zu tun, mit den Orten, an denen wir leben. 8 »Ein Urteil darüber, ob das Wesen einer Stadt gesund oder ungesund ist, vermag nur das Studium ihres Bebauungsplans zu geben.« Fritz Schumacher, 1920 Ursprung der Konzeption Die Forderung nach Umweltgerechtigkeit wurzelt in der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Seit den 1980er-Jahren ist Environmental Justice in den USA ein Thema der Sozial-, Umwelt- und Gesundheitspolitik und seit 1994 als politisches Ziel landesweit festgeschrieben. In Europa wird das Thema eher unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit diskutiert – und ist zu einer neuen Perspektive in den aktuellen Debatten um Stadtentwicklung und Umweltpolitik avanciert. Stand der Diskussion in Deutschland wird die Frage nach der sozialen Verteilung gesundheitlicher Umweltbelastungen lauter. Doch der Ansatz steht am Die umweltgerechte Stadt | Der Status Quo – wo steht Berlin © Nikolaus Fürcho Anfang. Das liegt mit an bislang fehlenden wissenschaftlichen und methodischen Grundlagen: Die Zusammenhänge sind kaum untersucht. Es fehlt eine Bewertung der Gesundheitsrisiken. Auch eine ressortübergreifende, kleinräumige Analyse, in die die wesentlichen raumrelevanten Fachpolitiken und planenden Verwaltungen einbezogen wurden, lag bisher noch nicht vor. Seit 2008 fördern deshalb das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und das Umweltbundesamt (UBA) Forschungsvorhaben und Projekte und haben Schriften zum Thema veröffentlicht. Berlin spielt in diesen Aktivitäten eine wichtige Rolle.  UBA Ziel ist es, auf Bundesebene eine sozial verträgliche Umweltpolitik voranzutreiben. Einen Meilenstein auf diesem Weg hat die 86. Umweltministerkonferenz im Juni 2016 gesetzt: Die Bundesländer votierten damals in Berlin für eine zielstrebige Umsetzung unter dem Dach eines strategischen Gesamtkonzepts. Weitere Impulse auf Bundesebene sind damit zu erwarten. Im internationalen Kontext Umweltgerechtigkeit bewegt Menschen in Städten und Ländern weltweit. Auf europäischer Ebene seien die Aktivitäten der europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation WHO genannt. 2012 veröffentlichte die WHO Europa einen Bericht, an dem auch das UBA beteiligt war. Er gab erstmals anhand eines Sets von Kernindikatoren einen Überblick über die Situation und belegte: In allen Mitgliedstaaten sind die Umweltrisiken ungleich verteilt.  WHO Das Thema mobilisiert vielerorts auch die Betroffenen. Am weitesten verbreitet ist das Environmental Justice Movement in den USA. Einen Überblick über die weltweiten Konflikte und die daraus resultierenden zivilgesellschaftlichen Aktivitäten gibt das Webprojekt  ejatlas.org. Umweltbundesamt Kurzlink: goo.gl/uKNqiH WHO Bericht Kurzlink: goo.gl/iu7HwA 9 Die Integrierte Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption (IBUk) Für eine sozial verträgliche Entwicklung gerade der wachsenden Stadt bietet der Ansatz der Umweltgerechtigkeit einen erheblichen Mehrwert: Er erlaubt es, die Aspekte Umwelt und Gesundheit stärker mit der Stadtentwicklung zu verzahnen. Aus diesem Grund hat das Land das Projekt gestartet, eine Integrierte Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption (IBUk) zu entwickeln – als Grundlage, um mehr Umweltgerechtigkeit zu schaffen und um einen Bezugspunkt für eine ressortübergreifende Stadtentwicklungspolitik zu haben. Mit der von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Praktikerinnen und Praktikern aus Verwaltung, Umweltverbänden und Stadtplanung entwickelten Konzeption ist Berlin bundesweit zum Vorreiter geworden. Auch in Berliner Quartieren sind die Umweltbelastungen ungleich verteilt. Wo sich Lärm, Luftverschmutzung oder ein gesundheitsbelastendes Bioklima konzentrieren, fehlt es vielfach an Grün- und Freiflächen zur Entlastung. Die Folge: Sozial Benachteiligte tragen überdurchschnittliche Lasten. Die Beeinträchtigungen mindern ihre Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft und stellen ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Nicht zuletzt sind die am stärksten betroffenen Gebiete zugleich die vulnerablen Quartiere mit Blick auf den Klimawandel. Das Monitoring ist raumbezogen: Im Mittelpunkt stand der prüfende Blick auf jedes einzelne der 477 Quartiere. Damit ergänzt es vorhandene, oft fachspezifische Berichte und Stadtbeobachtungssysteme. So detailliert es beispielsweise die gesamtstädtischen Kernindikatoren zur nachhaltigen Entwicklung Berlins teilräumlich: auf Ebene der 447 Lebensweltlich orientierten Räume. Die Ergebnisse dieses Monitorings sind in dieser Publikation zusammenfassend dargestellt und bilden das Herzstück der integrierten Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption Neuer Blick für die Stadtpolitik Handlungsebenen Umweltgerechtigkeit ist eine neue, sozialräumliche Sicht auf die wachsende Stadt. Sie kann eine Reihe von Zielen voranbringen, denen sich die Berliner Politik verschrieben hat: nachhaltiges Wachstum, die Schaffung ausgewogener und klimaresilienter Stadtstrukturen, sozialer Ausgleich, mehr Lebensqualität, Gesundheit und Chancengleichheit für alle Berlinerinnen und Berliner, und damit: eine Aufwertung des Standorts Berlin. Auf dem zweistufigen Umweltgerechtigkeitsmonitoring bauen weitere Ebenen auf: „„ die räumliche Planungsebene für die Integration in das Berliner Planungssystem „„ die Umsetzungsebene als Handlungskulisse für konkrete integrierte Strategien, Modellvorhaben, Maßnahmen und Projekte sowie „„ die Ebene der Wirkungs- und Prozessanalyse (Evaluation) Berlin betritt Neuland Die IBUk unterstützt damit Entscheidungs- und Handlungstragende auf allen Ebenen der Politik und Verwaltung. Der Politik liefert das Monitoring ein Frühwarnsystem und Instrument zur Politikfolgenabschätzung. Handlungsbedarfe lassen sich ortsgenau identifizieren. Senats- und Bezirksverwaltungen wiederum gewinnen eine tragfähige Basis, um integrative Strategien und Maßnahmen zu entwickeln. Ihr ressort- und fachebenenübergreifender Ansatz ist damit – neben der Raumorientierung – die zweite wesentliche Qualität der IBUk. Um einen Gesamtüberblick über die Umweltsituation im Land Berlin zu erhalten, hat das Land Berlin – bundesweit erstmalig – ein Umweltgerechtigkeitsmonitoring implementiert. In diese Arbeit waren neben den betroffenen Senatsverwaltungen auch das Amt für Statistik BerlinBrandenburg, mehrere Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen eingebunden. Monitoring Umweltgerechtigkeit Ausgangs- und Kernpunkt des Berliner Ansatzes ist die deutschlandweit erste monitoringgestützte Analyse der Umweltbelastungen für einen Metropolenraum (Seite 12 ff.). Es soll künftig periodisch wiederholt werden, um sichtbar zu machen, wie sich die Umweltgerechtigkeit in Berlin über die Jahre entwickelt. 10 Die umweltgerechte Stadt | Die Konzeption Anlass – Konzept – Handlungsfelder – Umsetzung Ausgangslage Öffentliches Interesse, Handlungsbedarfe erkennen, Mehrwert aufzeigen, Überführen in Prozesse/Verfahren und Planungen 1. Analysestufe (Kernindikatoren) c c c c Kernindikator 4 Therm. Belastung Kernindikator 3 Grünflächen Kernindikator 2 Luftbelastung Kernindikator 1 Lärmbelastung c Kernindikator 5 Soziale Problematik C Integrierte Mehrfachbelastungskarte Umwelt 1. Integrierte Mehrfachbelastungskarte Umwelt und Sozialstruktur (Anzahl der Belastungen) 2. Integrierte Mehrfachbelastungskarte Umwelt und Sozialstruktur (Themenfelder) 2. Analysestufe (Ergänzungsindikatoren) c Ergänzungsindikator Bereich Gesundheit c Ergänzungsindikator Bereich Städtebau c Ergänzungsindikator Bereich Soziales c Ergänzungsindikator Bereich… 3. Integrierte Mehrfachbelastungskarte ("Die Berliner Umweltgerechtigkeitskarte") Parallele Verfahren/ Prozesse Senatsverwaltungen (Monitoring Soziale Stadtentwicklung, Umweltatlas, Sozialstrukturatlas, Gesundheitsberichterstattung u.a.) Amt für Statistik Berlin Brandenburg (Datenpool) Bezirke (Bezirksregionenprofile) Zwischenevaluation Kern- und Ergänzungsindikatoren (Basisbericht) "Umweltgerechte Stadt Berlin" / "Umweltgerechtes Quartier" 2. Fachebene Räumliche Planungsebene Orientierungsrahmen für die planenden Fachverwaltungen/Ausgleichskonzeption Visionen, Leitbilder, Leitlinien – Die Partnerschaftliche und Solidarische Stadt Berliner Planungssystem Gesamtstadt/ Bezirke Information und Partizipation der Öffentlichkeit 1. Fachebene 2-stufiges Umweltgerechtigkeitsmonitoring 2-stufiges Analyseverfahren für die Ermittlung von Stadträumen mit Mehrfachbelastungen, kleinräumigen Entwicklungstendenzen, sozialen Veränderungen; Untersuchung der 5 Kernindikatoren und weiterer Ergänzungsindikatoren Grundlagen u.a. BauGB, UIG, BImSchG, UVPG, SUP, Programme, Fachpolitische Vorgaben, gesellschaftliche Diskussion 01 | Integrierte Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption (IBUk) (Formelle und informelle Planung: Stadtentwicklungskonzept, FNP, Stadtentwicklungspläne, teilräumliche Entwicklungspläne, Rahmenpläne, Bebauungspläne, Landschaftsprogramm, Landschaftspläne) Handlungsempfehlungen/Instrumente/Förderkulissen (u.a. gebietsbezogene Förderprogramme (Bund, Länder, EU), kommunale Förderprogramme, Horizontaler Werteausgleich) Rückkopplung, Qualitätsmanagement, Politiksteuerung 4. Fachebene Wirkungs-/ Prozessanalyse 3. Fachebene Umsetzungsebene Handlungsschwerpunkte, prioritäre Handlungsbedarfe, Ansätze zur Vermeidung/ Minderung der Umweltbelastungen Planungsraum (PLR) 1 Planungsraum (PLR) 2 Planungsraum (PLR) … Planungsraum (PLR) 447 Integrierte Handlungskulisse Handlungsfelder Handlungsfelder Handlungsfelder Handlungsfelder Strategien, Maßnahme, Projekte Strategien, Maßnahme, Projekte Strategien, Maßnahme, Projekte Strategien, Maßnahme, Projekte Planungsraum/ Lokale Ebene Prioritäre Handlungsbedarfe und Umsetzung z.B. durch Betroffene, Verbände, Krankenkassen, Kirchen, Institute Strategisches Controlling (2. Bericht zur Umweltgerechtigkeit im Land Berlin) Konzeption: Dr.-Ing. H.-Josef Klimeczek (Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz), Planergemeinschaft Stadt und Raum e.G. - 2017 Konzeption: Dr.-Ing. H.-Josef Klimeczek, Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umweltatlas/i901.htm Stand Januar 2017 11 Das Monitoring: Wie misst man Umweltgerechtigkeit? Wer handeln will, muss die Ausgangslage kennen. Das Berliner Umweltgerechtigkeitsmonitoring liefert dieses Wissen. Es ist das erste seiner Art in ganz Deutschland und hat Vorbildcharakter für viele andere Städte – selbst im Ausland. Sein volles Potenzial wird dieses Monitoring entfalten, wenn es in festen Abständen wiederholt wird: Als periodisches Instrument zeigt es, wie sich die Umweltgerechtigkeit in Berlin entwickelt und in welchen Quartieren Veränderungen sichtbar werden. Berlin verfügt über eine sehr gute Datenlage zu den Themen Soziales, Gesundheit, Stadtentwicklung und Umwelt. Das Dilemma: Die bisherige Berichterstattung behandelte die Themen weitgehend unabhängig voneinander. Das Umweltgerechtigkeitsmonitoring wertet vorhandene sektorale Daten aus und aggregiert diese Daten auf Quartiersebene. Dazu zählen etwa der Berliner Umweltatlas, die Luftreinhalte- und Lärmminderungsplanung oder das Monitoring Soziale Stadtentwicklung (MSS). Dabei standen drei Herausforderungen im Vordergrund: Die Datenquellen unterscheiden sich in ihrer Erhebungsmethodik, in ihrer räumlichen Tiefe und in ihrer Periodizität. Ein Beispiel: MSS und Mietspiegel werden alle zwei Jahre fortgeschrieben, Daten zur Lärm- und Luftbelastung erhebt Berlin dagegen – so wie es die EU vorgibt – nur alle fünf Jahre. Angesichts der Vielzahl gesundheitsrelevanter Indikatoren, die das Monitoring in den Blick nimmt, war es nicht möglich, einen gemeinsamen Betrachtungszeitpunkt festzulegen. Das Monitoring eröffnet erstmals einen klaren Blick auf die Umweltgerechtigkeit in Berlin und stellt die IstAnalyse (Berlin heute) dar. Richtungsweisende Methodik Das belegt ein Forschungsprojekt des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) in den Jahren 2012 bis 2014. Das Vorhaben »Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum« stellte die Berliner Herangehensweise auf den Prüfstand. Seither gelten die in Berlin entwickelten Indikatoren und Methoden als deutschlandweit richtungsweisend: Vergleichbar praxistaugliche Analysen auf Quartiersebene sind auch im internationalen Bereich nicht bekannt. Den Raum strukturieren: Lebensweltlich orientierte Räume 2006 hat Berlin eine für alle Fachplanungen verbindliche Gliederung des Stadtgebiets eingeführt: das System der Lebensweltlich orientierten Räume (LOR). Es teilt die Stadt auf drei Ebenen in 60 Prognoseräume, 138 Bezirksregionen und 447 Planungsräume.  LOR Komplementär wurde (und wird) ein Datenpool entwickelt, der allen Berliner Verwaltungen für Planung und Umsetzung abgestimmte Daten auf Ebene der LOR bereitstellt. In diesen Pool fließen neben Daten des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg auch Daten der Senatsverwaltungen, anderer Behörden und der Bezirke ein. Er ebnet damit den Weg für ein kooperatives, integriertes Verwaltungshandeln. Damit kann das Umweltgerechtigkeitsmonitoring die Probleme und Potenziale quartiersgenau identifizieren: Seine Analysen liefern Ergebnisse auf Ebene der 447 Planungsräume. 02 | Systematik Lebensweltlich orientierter Räume in Berlin 447 Planungsräume 139 Bezirksregionen 60 Prognoseräume 12 Bezirke Land Berlin © Fürcho GmbH Lebensweltlich orientierte Räume Kurzlink: goo.gl/Me6kYA 12 Die umweltgerechte Stadt | Das Monitoring Das Thema strukturieren: Fünf Kernindikatoren Eine Reihe von Umweltfaktoren prägt das Leben in der Hauptstadt. Auf der einen Seite stehen Stressoren: Belastungen, wie beispilsweise durch Schadstoffe, Lärm oder große Hitze, können sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Auf der anderen Seite stehen Ressourcen: So können etwa Grün- und Freiflächen das physische wie psychische Empfinden verbessern. Für das Monitoring wurden zunächst vier Umweltfaktoren als Kernindikatoren festgelegt, deren Relevanz für die Gesundheit wissenschaftlich belegt ist: Luft-, Lärm- und thermische Belastung (Stressoren) und Grünflächenversorgung (Ressource). Als fünfter Kernindikator wird die soziale Problemdichte in den Quartieren betrachtet. Auch sie ist gesundheitlich relevant. Kernindikator Lärmbelastung Datenbasis für die Lärmbelastung der PLR war die Strategische Lärmkarte 2012 mit den LDEN-Pegeln (Lärmindex TagAbend-Nacht) für Straßen-, Schienen- und Flugverkehrslärm. Da die Räume unterschiedlich dicht besiedelt sind, wurde die Verkehrslärmbelastung pro Kopf ermittelt und zu externen Lärmkosten pro Person monetarisiert. Die Lärmkosten bilden den Nutzenverlust finanziell ab, der Anwohnerinnen und Anwohnern entsteht. Die Kostensätze dafür lieferte die Methodenkonvention 2.0 des Umweltbundesamts. Nach diesen Lärmkosten pro Kopf wurden die 447 PLR aufsteigend sortiert und in drei Kategorien unterteilt: Die unteren 20 Prozent gelten als gering, die oberen 20 Prozent als hoch, alle anderen als mittel belastet. Das Ergebnis: Die externen Kosten durch Verkehrslärm divergieren stark von Raum zu Raum. In gering belasteten PLR betragen sie bis zu 21 Euro pro Kopf und Jahr, in der hoch belasteten Kategorie reichen sie von 40 bis 103 Euro. Berlinweit liegen sie bei knapp 45 Euro. Gering belastete PLR finden sich in allen Gebieten außerhalb des S-Bahn-Rings. Hohe und sehr hohe Belastungen treten vor allem im erweiterten Stadtzentrum auf und erreichen Spitzenwerte im Wirkungsbereich des Flughafens Tegel. Kernindikator Luftbelastung Auch wenn die Luftverschmutzung in Berlin wie in Deutschland deutlich zurückgegangen ist: Feinstaub (PM2,5) und Stickstoffdioxid (NO2) sind als Luftschadstoffe nach wie vor gesundheitlich von Belang. Die Jahresmittelwerte 2009 der Konzentration dieser beiden Stoffe lieferte deshalb die Basis, um die Luftbelastung der 447 PLR zu kategorisieren. Beide Werte lagen einerseits auf Grundlage von 500 mal 500 Metern großen Rasterzellen und andererseits als linienhafte Information zu Hauptverkehrsstraßenabschnitten vor. Aus diesen Daten wurden für jeden PLR flächengewichtete Jahresmittelwerte für PM2,5 und NO2 bestimmt. Anschließend wurden die ermittelten Werte (analog zur Lärmbelastung) in drei Kategorien unterteilt. Das Ergebnis: Wie erwartet nimmt die Belastung von der Peripherie zum Zentrum zu. Dabei zeigte sich eine Tendenz zu höheren Werten auch im Südwesten der Umweltzone. Die Spannweite der Belastungen reichte – zwischen dem geringst- und dem höchstbelasteten PLR – von 14,8 bis 18,4 µg/m³ für PM2,5 und von 11,3 bis 27,3 µg/m³ für NO2. Damit wird der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Richtwert von 10 µg/m³ in allen PLR Berlins überschritten. Anders bei NO2: Hier liegt der WHO-Richtwert bei 40 µg/m³. Kernindikator thermische Belastung Daten zum Hitzestress lieferte der Stadtentwicklungsplan Klima bereits 2011. Ihnen liegt – differenziert nach Tag und Nacht – der vorausgesagte mittlere Wert (Predicted Mean Vote PMV) zugrunde. Das Monitoring zieht einen zweiten Bewertungsindex hinzu: die physiologisch äquivalente Temperatur (Physiological Equivalent Temperature PET). Er wird in Grad Celsius bemessen. Der Grund: Beim PET fließt die umweltmedizinische Komponente stärker ein. Da vor allem die Nachtruhe für die Gesundheit wichtig ist, sind die Werte zur nächtlichen Abkühlung Grundlage der Bewertung. Doch auch die Hitze bei Tag wurde berücksichtigt. Sie floss über die Häufigkeit wärmebelasteter Sonnentage (PMV mindestens 1,8) ein, die aus Informationen zur Flächennutzung und -bebauung ermittelt wurde. Diese Daten wurden zu neuen PET-Werten zusammengefasst, und danach alle Planungsräume drei Kategorien zugeordnet. Das Ergebnis: 228 Planungsräume (51 Prozent) sind von hoher thermischer Belastung betroffen. 170 sind mittel und 49 unbelastet. 13 Kernindikator Grün- und Freiflächenversorgung Grünflächen entlasten die Gesundheit in doppelter Hinsicht: Sie reduzieren die Belastung durch Schadstoffe und Hitze und bieten gleichzeitig Raum und Gelegenheit für Erholung und Bewegung. Im Indikator wird diese Ressource invers berücksichtigt: Nicht ihr Vorhandensein gilt als Entlastungs-, sondern ihr Fehlen als Belastungshinweis. Grundlage waren die Bestandsanalyse Versorgung mit öffentlichen wohnungsnahen Grünanlagen (Ausgabe 2013) und der Programmplan Erholung und Freiraumnutzung im Landschaftsprogramm Berlin.  Programmplan Der Versorgungsanalyse liegen Richtwerte des Deutschen Städtetags zugrunde, die Berlin übernommen hat. Sie lauten: sechs Quadratmeter pro Person für wohnungsnahe Freiräume (mindestens 0,5 Hektar, höchstens 500 Meter entfernt) und sieben für siedlungsnahe Freiräume (mindestens 10 Hektar, höchstens 1.500 Meter entfernt). Die komplexe Methodik der Versorgungsanalyse ist im Berliner Umweltatlas ausführlich beschrieben.  Versorgungsanalyse Sie mündet in einer blockweisen Zuordnung zu vier Dringlichkeitsstufen. Diese Dringlichkeitsstufen wurden auf jeden Planungsraum umgerechnet und dabei mit der Zahl der dort lebenden Menschen kombiniert. Im Ergebnis ergibt sich erneut eine Einordnung in drei Kategorien: von gut / sehr gut über mittel bis schlecht / sehr schlecht / nicht versorgt. Ausschlaggebend war damit die Fläche; die Ausstattungsqualität der Grünflächen blieb unberücksichtigt. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Berliner Bevölkerung ist gut, ein gutes Viertel (28 Prozent) dagegen schlecht oder gar nicht mit Grünräumen versorgt. Viel Grün gibt es vor allem in der Peripherie: Nur eine(r) von 20 gut versorgten Einwohnerinnen und Einwohnern lebt innerhalb des S-Bahn-Rings (fünf Prozent). Die Planungsräume der schlechtesten Versorgungskategorie liegen zwar nur zu 55 Prozent innerhalb des S-Bahn-Rings. Auch die außerhalb des Rings sind aber stadtstrukturell der Innenstadt zuzurechnen. Wie zu erwarten, zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Einwohnerdichte und Grünversorgung. Die Analyse belegt aber auch, dass dieser nicht zwingend ist: 18 Planungsräume der Innenstadt sind gut versorgt, obwohl hier 146 Menschen pro Hektar wohnen, während in den Außenbezirken 48 Planungsräume mit einer nur wenig höheren Einwohnerdichte (163 Menschen pro Hektar) unter die schlechte Kategorie fallen. 14 Kernindikator Soziale Problematik Seit 1998 werden die Sozialstrukturen Berlins im Monitoring Soziale Stadtentwicklung auf Ebene der Lebensweltlich orientierten Räume analysiert. Das Monitoring nimmt dazu vier Indikatoren (Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Transferbezug und Kinderarmut) jeweils als Status und in ihrer Dynamik in den Blick. Die Ausgabe 2013 dieses Monitorings war Basis des fünften Kernindikators. Dabei wurde der Status-Index zugrunde gelegt, je höher Arbeitslosigkeit, Armut etc. desto niedriger der StatusIndex. Die Dynamik blieb (wie bei den anderen Kernindikatoren) ausgeklammert. Die Kategorien niedrig und sehr niedrig wurden zusammengefasst, um die Zahl der Ergebniskategorien von vier auf drei zu reduzieren. Das Ergebnis: Planungsräume mit niedrigem oder sehr niedrigem Status-Index liegen zum einen in gründerzeitlich geprägten Bereichen im Westen der Stadt. Namentlich stechen Kreuzberg, Wedding und der Norden Neuköllns hervor. Zum anderen findet man sie in Großsiedlungen des sozialen und industriellen Wohnungsbaus wie dem Märkischen Viertel, dem Falkenhagener Feld, Hohenschönhausen, Marzahn oder Hellersdorf. Auch kleinere Großsiedlungen wie Lichtenrade Ost oder Lichterfelde Süd bilden sich in der Auswertung ab. Fünf Kernindikatoren Lärmbelastung Luftbelastung Thermische Belastung Grün- und Freiflächenversorgung Soziale Problematik „ Programmplan Kurzlink: goo.gl/LWuUTK „ Versorgungsanalyse Kurzlink: goo.gl/aezxLK Die umweltgerechte Stadt | Das Monitoring 03 | Kernindikator Lärmbelastung 15 04 | Kernindikator Luftbelastung 16 Die umweltgerechte Stadt | Das Monitoring 05 | Kernindikator Thermische Belastung 17 06 | Kernindikator Grün- und Freiflächenversorgung 18 Die umweltgerechte Stadt | Das Monitoring 07 | Kernindikator Soziale Problematik 19 08 | Zusammenführung der fünf Kernindikatoren zur Umweltbelastungsanalyse Lärmbelastung Luftbelastung Thermische Belastung Grün- und Freiflächenversorgung Soziale Problematik Integrierte Mehrfachbelastungskarte Umwelt und soziale Problematik unbelastet © Fürcho GmbH 20 einfach zweifach dreifach vierfach fünffach Die umweltgerechte Stadt | Erstes Ergebnis Erstes Ergebnis: Die Mehrfachbelastungskarten Um transparent zu machen, wie die fünf Indikatoren korrelieren, wurden die einzelnen Themenfelder überlagert. Sie identifizieren mehrfachbelastete Räume und belegen erstmals auf valider statistischer Basis die Grundannahme der UmweltgeMitte und Gesundheitsprobleme. rechtigkeitsansatzes: Wo die soziale Problemdichte hoch ist, konzentrieren sich auch UmweltSozial Schwächere sind oft deutlich stärker durch Umweltbelastungen benachteiligt. So tragen etwa die Menschen in sozial stabilen Planungsräumen im Mittel jährlich 33 Euro externe Lärmkosten pro Person; in Räumen hoher sozialer Problemdichte sind es dagegen 58 Euro. 09 | Soziale Problemdichte nach Anzahl der Umweltbelastungen 20,8 % Noch deutlicher wird der Befund, wenn alle fünf Indikatoren überlagert werden: Der Anteil von Planungsräumen mit geringen sozialen Problemen ist unter den aus Umweltsicht unbelasteten am höchsten und geht mit jeder neuen Belastung kontinuierlich zurück. Umgekehrt steigt der Anteil sozial hoch belasteter Räume schon bei nur einer Umweltbelastung über den stadtweiten Durchschnitt – und nimmt tendenziell weiter zu, je mehr Belastungen sich überlagern. Die Ergebnisse aggregieren: Zusammenhänge im Fokus Eine einfache Operation macht sichtbar, welche Planungsräume Berlins mehrfach belastet sind: Für jeden einzelnen Raum wurde gezählt, bei wie vielen der fünf Indikatoren sein Ergebnis unter die schlechteste Kategorie fällt. Das Ergebnis für alle 447 Planungsräume zeigt die Tabelle auf den Seiten 52 bis 63. 6,7 % 64,7 % 3,8 % 73,6 % 62,5 % 61,5 % 48,4 % mittel 37,5 % 25,4 % 28,6 % 20,1 % hoch 27 der 100 schlecht mit Grün versorgten Planungsräume weisen eine hohe soziale Problemdichte auf; bei den gut mit Grün versorgten sind es nur 16 Prozent. 13,1 % 59,1 % Bei der Luft ein ähnliches Bild: Der Anteil gering mit PM2,5 und NO2 belasteter Planungsräume liegt, bezogen auf die Kulisse mit geringer sozialer Problemdichte, bei 52 Prozent. In Räumen hoher sozialer Problemdichte sind es nur knapp neun Prozent. Thermisch hoch belastet sind 72 Prozent der Planungsräume mit sozialen Problemen. Berlinweit liegt dieser Anteil aber nur bei 51 Prozent. 42,8 % niedrig Ein erstes Kernergebnis der Analyse: Für jeden einzelnen der vier Umweltfaktoren ergibt sich ein klarer Zusammenhang mit dem Status-Index. Berlin 22,6 % 8,8 % 0 1 2 Anzahl Umweltbelastungen 3 4 © Fürcho GmbH Drei neue Karten Drei berlinweite Übersichten machen die Ergebnisse anschaulich und nachvollziebar: „„ Die Integrierte Mehrfachbelastungskarte Umwelt (Seite 22) überlagert die vier Umweltindikatoren und macht so mehrfache Umweltbelastungen sichtbar. „„ Die Integrierte Mehrfachbelastungskarte Umwelt und soziale Problematik (Seite 23) erweitert die Darstellung um den Sozialstatus der Gebiete. „„ Die Integrierte Mehrfachbelastungskarte – thematisch (Seite 24) fokussiert auf die Art der Umweltbelastung in den Planungsräumen. 21 10 | Integrierte Mehrfachbelastungskarte Umwelt 22 Die umweltgerechte Stadt | Erstes Ergebnis 11 | Integrierte Mehrfachbelastungskarte Umwelt und soziale Problematik 23 12 | Integrierte Mehrfachbelastungskarte – thematisch 24 Die umweltgerechte Stadt | Das Ergebnis verfeinern Das Ergebnis verfeinern: Ergänzungsindikatoren Neun weitere Indikatoren vertiefen das Bild und untersetzen das Monitoring fachlich und inhaltlich. Diese Ergänzungsindikatoren sind: die überwiegende Nutzung eines Planungsraums, seine Bebauungsstruktur, die vorherrschende Wohnlage, Gesundheits- und Umweltrisiken, Morbidität, der Zusammenhang von Umwelt, sozialer Lage und Sterblichkeit, Lichtverschmutzung, perspektivische Hitzebelastung und das Wahlverhalten. Diese Indikatoren können bei Bedarf in einer zweiten Stufe die Bewertung der Umweltqualität präzisieren. Ergänzungsindikator Realnutzung Ein Blick auf die vorherrschenden Nutzungen liefert wichtige raumstrukturelle Grundlagen für die Situation in einem konkreten Planungsraum. Grundlage waren die Daten zur realen Nutzung im Berliner Umweltatlas.  Umweltatlas Nach der jeweils überwiegenden Nutzungsart wurden unterschieden: Wohnen, Mischnutzung, Kerngebietsnutzung, gewerblich-industrielle Nutzung (einschließlich Ver- und Entsorgung) und – als fünfte Kategorie – überwiegend unbebaute Räume. Diese Herangehensweise nivelliert Unterschiede innerhalb eines Planungsraums und liefert so ein anderes Bild als etwa der Flächennutzungsplan (FNP). Sie macht aber deutlich: Wohnen dominiert in fast allen Teilen der bebauten Stadt. Entsprechend hoch sind die Sensibilitäten für Umweltbelastungen. Das Ergebnis: An den Rändern der Stadt sind Planungsräume mit eindeutiger Wohn- oder Gewerbenutzung häufiger, während innerhalb des S-Bahn-Rings Misch- und Kerngebiete stärker vertreten sind. Gewerblich-industriell genutzte Planungsräume liegen vor allem an den Wasserwegen und Bahnlinien. Ergänzungsindikator Bebauungsstruktur Dieser Indikator rückt eine aus stadtplanerischer Sicht zentrale Frage in den Vordergrund: Wie beeinflussen Stadtstrukturtypen die Umweltsituation in den Quartieren? Bautypologien können die Umweltbelastungen in unterschiedlichem Maß dämpfen oder verstärken. Aus demselben Grund bildet etwa der Stadtentwicklungsplan Klima KONKRET Handlungsansätze und Strategien der Klimaanpassung auf typische Stadtstrukturen ab.  StEP Klima KONKRET Differenzierte Analysen zur Stadtstruktur liefert der Berliner Umweltatlas.  Umweltatlas Die dortigen Strukturtypen wurden zu vier Grundtypen zusammengefasst und die Planungsräume nach dem jeweils vorherrschenden Bautyp kategorisiert: „„ Blockrandbebauung: Strukturen der Gründerzeit und der Zeit zwischen den Weltkriegen „„ Zeilenbebauung: Geschosswohnungsbau in Zeile und mit offenem Blockrand aus der Zwischen- und Nachkriegszeit „„ Großsiedlungen der 1960er- bis 1980er-Jahre „„ Offene Bebauung: als Sammelkategorie für Formen der Siedlungs- und Einfamilienhausbebauung Diese Darstellung erlaubt eine rasche Orientierung. Konkrete Aussagen zu Belastungsursachen in der Stadtstruktur und daraus unter Umständen ableitbare Handlungsanforderungen bedürfen allerdings weiterer Analysen. Das Ergebnis: 125 Planungsräume (30 Prozent) fallen unter den Typ Blockstruktur. Drei Viertel davon liegen innerhalb des S-Bahn-Rings. Die Blockstruktur dominiert damit mit wenigen Ausnahmen die Räume in der Umweltzone. Zugleich ist hier die Einwohnerdichte besonders hoch – auch im Vergleich zu Blockräumen außerhalb des Rings. Das ist von Bedeutung, weil die Blockrandbebauung andere Auswirkungen auf die Umweltindikatoren hat (siehe Grafik Seite 26). Berliner Umweltatlas/Realnutzung Kurzlink: goo.gl/qsXhlP Stadtentwicklugsplan Klima KONKRET Kurzlink: goo.gl/jjImWm Berliner Umweltatlas/Stadtstruktur Kurzlink: goo.gl/V5Xcvf 25 13 | Vor- und Nachteile der vier Bebauungstypen Blockrandbebauung Zeilenbebauung Großsiedlungen + bauliche Abschirmung – freie Schallausbreitung – mangelnde Durchlüftung + stärkere Durchlüftung + stärkere Verwirbelung – stärkere Aufheizung – geringer Luftaustausch + geringere Aufheizung + erleichterter Luftaustausch + raschere Abkühlung – meist geringer Grünanteil durch höhere Bebauungsdichte – hohe Abhängigkeit von öffentlichen Freiflächen – geringes Angebot privater Freiräume + höherer Grünanteil offene Bebauung + geringere Abhängigkeit von öffentlichen Freiflächen + höheres Angebot privater und halböffentlicher Freiräume © Fürcho GmbH Ergänzungsindikator Wohnlage Der Berliner Mietspiegel gliedert alle zwei Jahre die Adressen im Stadtgebiet in einfache, mittlere und gute Wohnlagen. Diese Bewertung wird vom Monitoring zur Umweltgerechtigkeit als Ergänzungsindikator übernommen. Die Wohnlage ist dabei ein mehrdimensionaler Kennwert. In die Differenzierung fließen folgende Merkmale ein: „„ die umgebende Nutzung „„ Bebauungsdichte und -zustand „„ Versorgungssituation und Infrastruktur „„ die Anbindung im öffentlichen Personennahverkehr „„ die Erreichbarkeit von Naherholungsgebieten „„ Nachfrage und Image „„ die Lage im Innen- oder Außenbereich der Stadt Weitere, auch umweltrelevante Charakteristika wie die Lärmbelastung kommen als wertsteigernde oder -mindernde Momente zum Tragen. Diese komplexe Gebietsbeschreibung kann zu einer weiter differenzierten Betrachtung beitragen – auch wenn nicht zwangsläufig ein direkter Zusammenhang zwischen gesundheitsrelevanten Umweltbelastungen und Wohnlage vorhanden sein muss. Die Merkmale zur einfachen Wohnlage sind gesundheitsrelevant. Deutlich macht das der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Hier gelten Gebiete wie der Kurfürstendamm oder die Liet- 26 zenburger Straße als gute Wohnlage, obwohl sie hohen Umweltbelastungen ausgesetzt sind. Der Grund: Viele Orte der Innenstadt sind gefragt, auch wenn sie hochbelastet sind. Selbst eine hohe Feinstaubbelastung mindert dort in der Regel nicht die Miethöhe. In angesagten Szenekiezen vollzieht sich derzeit zudem ein Wandel der Wohnlage. Ergänzungsindikator Gesundheits- und Umweltrisiken Die Umwelt- und Gesundheitsdaten, die heute für Berlin vorliegen, sind meist nicht zusammen auswertbar. Das macht es Betroffenen schwer, Umwelteinflüsse auf ihre Gesundheit realistisch abzuschätzen. Dies ist jedoch als erster Schritt zu mehr Verfahrensgerechtigkeit unabdingbar: Das Wissen der Menschen vor Ort um Risiken bestimmt ihren Handlungsrahmen und damit ihre Vulnerabilität. Es befähigt Betroffene, selbst gegenzusteuern, eigene Erfahrungen und Werte in die Entscheidungsprozesse einzubringen und erhöht umgekehrt ihre Akzeptanz von Maßnahmen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes. Auch wissenschaftliche Bewertung und öffentliche Wahrnehmung der Risiken können auseinanderklaffen, mit dem Ergebnis, dass die Risiken selbst in Politik, Wirtschaft und Fachwelt kontrovers diskutiert werden. Eine Risikokartierung liefert die Basis, um die Risiken genauer abzuschätzen, Schutzziele zu bestimmen und Prioritäten zu setzen. Sie kann zur Kommunikationsdrehscheibe zwischen den Res- Die umweltgerechte Stadt | Das Ergebnis verfeinern sorts werden und helfen, das Verwaltungshandeln den Menschen vor Ort gegenüber zu legitimieren. Der Indikator Gesundheits- und Umweltrisiken macht deshalb die Schadenspotenziale einzelner Planungsräume sichtbar und zeigt das gesundheitliche Risiko, das die Menschen, die dort leben, tragen. Dazu wurden drei Einzelwerte überlagert: eine besonders hohe Lärm- und Luftbelastung, einfache Wohnlage laut Mietspiegel und eine hohe vorzeitige Sterblichkeit an Atemwegserkrankungen. Warum diese Faktoren? Lärm- und Luftbelastung sind aus umweltmedizinischer Sicht besonders bedeutsam. Über die Wohnlage wird die Umgebungs- und Bebauungssituation abgebildet, und die Mortalität des Atmungssystems wurde gewählt, weil sie stärker als andere Todesursachen Bezüge zu Umweltbelastungen haben dürfte. Das Ergebnis: 19 Planungsräume zeigen ein besonders hohes Risiko. Acht davon liegen inner- und elf außerhalb der erweiterten Innenstadt (Luftreinhaltezone). Konkret handelt es sich um die Planungsräume Heidestraße, Soldiner Straße und Gesundbrunnen in Mitte, Wassertorplatz und Viktoriapark in Friedrichshain-Kreuzberg, Schöneberger Insel und Germaniagarten in Tempelhof-Schöneberg und Donaustraße in Neukölln. Außerhalb der Luftreinhaltezone kommen hinzu: Darbystraße, Germersheimer Platz, Eckschanze, Kurstraße, Ackerstraße und Spandauer Straße in Spandau, Reichsstraße und Klixstraße in Reinickendorf, Dorf Malchow in Lichtenberg und Rehberge am Nordrand von Mitte. Ergänzungsindikator Umwelt, soziale Lage und Sterblichkeit Je geringer das Einkommen einer Person, desto vorzeitiger ihre Sterblichkeit. Je niedriger die soziale Schicht, umso höher die Anfälligkeit für Krankheiten. Während diese statistischen Befunde valide sind, sind die kausalen Zusammenhänge dahinter noch längst nicht geklärt. Sicher ist: Drei Faktoren beeinflussen die Sterblichkeit. Neben der Altersstruktur und dem sozialen Status der Verstorbenen zählen auch Umweltbelastungen dazu. Will man den Faktor Umwelt isolieren, müssen die beiden anderen Faktoren in der Mortalitätsstatistik rechnerisch standardisiert werden. Das war in Deutschland bisher mangels entsprechender Daten kaum möglich. Für Berlin hat nun aber der abgestimmte Datenpool Angaben zu Mortalität, Altersstruktur und sozialer Lage der Menschen in den Planungsräumen in den Jahren 2006 bis 2012 verfügbar gemacht. Das Monitoring zur Umweltge- rechtigkeit liefert zudem eine Einschätzung der Umweltbelastungen. Damit wird es erstmals möglich, einen solchen Indikator zu berechnen. Dieser Berechnung lag wiederum die Sterblichkeit durch Atemwegserkrankungen zugrunde. Letztere sind – neben Krebsleiden und Herz-Kreislauf-Krankheiten – eine der drei häufigsten Todesursachen und bieten damit ausreichend Fälle für eine verlässliche Statistik. Zugleich scheint die Verbindung zu Umweltbelastungen offensichtlicher als bei Kreislauferkrankungen, während Lebensstilfaktoren hier nicht ganz so stark ins Gewicht fallen wie bei Krebsleiden. Das Ergebnis: Es besteht eine relativ klare Korrelation zwischen der Sterblichkeit und der thermischen Belastung in Planungsräumen – und ein partieller Zusammenhang mit dem Status-Index. Mit der Luftbelastung dagegen scheint die Sterblichkeit durch Atemwegserkrankungen interessanterweise nicht nennenswert zu korrelieren. Allerdings mussten in der Analyse viele Faktoren unberücksichtigt bleiben, weil keine Daten vorliegen: Wie lange wohnte ein Mensch vor seinem Tod im Planungsraum? Und wo wohnte er dort? An der stark belasteten Hauptstraße oder in einem Hinterhaus an einer Nebenstraße? Die am stärksten intervenierende Variable scheint die soziale Lage: Um belastbar zu wissen, ob die Sterblichkeit auf Lebensstiloder Umweltfaktoren zurückgeht, sind weitere Untersuchungen nötig. Ergänzungsindikator Lichtverschmutzung Licht scheint im Diskurs zur Umweltgerechtigkeit bislang kaum als Thema auf. Zwar ist klar, dass künstliches Licht ein Belastungsfaktor ist: Sein Einfluss auf die menschliche Gesundheit ist nachgewiesen. Doch es hat auch eine soziale Komponente: Beleuchtete Bereiche sind freundlicher und gelten als sicher; dunkle Orte werden eher gemieden. Basis, um die künstliche Beleuchtung bei Nacht in Berlin zu ermitteln, waren Bilder eines Flugs über zwei Drittel der Stadtfläche im Jahr 2010. Sie lieferten ein georeferenziertes Mosaik in einer Auflösung von einem Quadratmeter. Damit liegt der Lichtverschmutzungskarte nur das nach oben emittierte, nicht aber das seitlich abgestrahlte Licht aus Fenstern zugrunde. Das Ergebnis: Unter den Linden Süd zeigt als einziger Planungsraum eine hohe, alle anderen eine mittlere oder niedere Belastung. Tendenziell ist das Stadtzentrum etwas heller beleuchtet als die Außenbezirke. Dennoch verteilt sich die Lichtverschmutzung recht gleichmäßig auf die Stadt. Ein Zusammenhang zwischen Lichtbelastung und so- 27 zialen Problemen ließ sich nicht nachweisen. Bei Planungen sollte indes – unter dem Aspekt eines umfassenden Umweltgerechtigkeitsansatzes – auch diese Belastungsart berücksichtigt werden. Ergänzungsindikator Perspektivische Hitzebelastung Der Einfluss des Klimawandels auf die Lebensqualität in Berlin wird weiter zunehmen. Ziel der sozialen wachsenden Stadt ist es, das Wachstum von negativen Folgen für das Stadtklima zu entkoppeln. Klimaanpassung und Umweltgerechtigkeit teilen so die Aufgabe, kleinräumlich Handlungsschwerpunkte zu identifizieren. Eine Studie hat 2015 belegt, dass bereits in den Jahren 2001 bis 2010 vier bis fünf Prozent der Todesfälle in Berlin durch Hitze und vor allem durch Tropennächte beeinflusst waren. Das sind Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius sinkt.  Studie Der sechste Ergänzungsindikator rückt deshalb die generationsübergreifende Dimension der Umweltgerechtigkeit ins Blickfeld: Er macht anschaulich, welche Planungsräume (nach heutigem Stand) bis 2070 wie stark vom Klimawandel betroffen sein werden. Die Grundlage lieferte das EFRE-Projekt 027 Stadtklima.  EFRE In ihm wurde die aktuelle stadtklimatische Situation Berlins in einem räumlichen Raster von zehn mal zehn Metern berechnet und die künftige Häufigkeit von Kenntagen flächendeckend abgeschätzt. Um den Indikator zu bilden, wurden die Prognosen in drei Kategorien eingeteilt: Planungsräume, in denen weniger als elf zusätzliche Hitzetage pro Jahr zu erwarten stehen, gelten als gering, solche mit einer Zunahme um elf Hitzetage als mittel und Räume mit einer Zunahme von mehr als elf als hoch belastet. Außerdem wurden die Auswirkungen auf Patientenaufnahmen und Sterbefälle in Krankenhäusern projiziert. 28 Das Ergebnis: In mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Planungsräume ist eine mittlere bis hohe Belastungszunahme zu erwarten. 63 Räume (14 Prozent) werden eine hohe Zunahme verzeichnen. Sie liegen im Zentrum, im Gebiet um das Ostkreuz, aber auch um die Großsiedlungen Hohenschönhausen, Marzahn und Hellersdorf und in den dicht bebauten Bereichen Spandaus an der Heerstraße. Die stadtweit geringsten Zunahmen zeigten der Südosten, der Südwesten und der äußere Norden Berlins. Das belastet vor allem die Gesundheit von Menschen über 65. Patientenaufnahmen wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen generell um neun, bei Kranken ab 65 aber um 34 Prozent zu. Zugleich wird es aus diesem Grund sieben Prozent mehr Sterbefälle in den Kliniken geben. Bei Atemwegserkrankungen steigen die Patientenaufnahmen generell um zehn, ab 65 um 34 Prozent und die Zahl der Todesfälle im Krankenhaus um 16 Prozent. Diese Folgen lassen sich durchaus noch vermeiden: Den Prognosen liegt die Annahme zugrunde, dass die relativen Temperaturunterschiede in Berlin im Wesentlichen erhalten bleiben. Genau das aber lässt sich durch die weitere städtebauliche Entwicklung und die Anpassung Berlins an den Klimawandel steuern. Studie Kurzlink: goo.gl/clKv9d EFRE Kurzlink: goo.gl/2r7nan Die umweltgerechte Stadt | Das Ergebnis verfeinern Kartenwerk Kern- und Ergänzungsindikatoren Realnutzung Bebauungsstruktur Einfache Wohnlage Sterblichkeit Atemwegserkrankungen Leuchtdichte Zunahme Hitzetage Berliner Umweltgerechtigkeitskarte 30 31 32 33 34 35 36 29 14 | Realnutzung 30 Die umweltgerechte Stadt | Kartenwerk Kern- und Ergänzungsindikatoren 15 | Bebauungsstruktur 31 16 | Einfache Wohnlage 32 Die umweltgerechte Stadt | Kartenwerk Kern- und Ergänzungsindikatoren 17 | Sterblichkeit Atemwegserkrankungen 33 18 | Leuchtdichte 34 Die umweltgerechte Stadt | Kartenwerk Kern- und Ergänzungsindikatoren 19 | Zunahme Hitzetage 35 20 | Berliner Umweltgerechtigkeitskarte 36 Die umweltgerechte Stadt | Der Status Quo – wo steht Berlin 37 Der Status quo: Wo steht Berlin? Die Berliner Umweltgerechtigkeitskarte weist den Weg zu mehr Umweltgerechtigkeit und stellt als ersten Schritt zunächst aktuelle Ungerechtigkeiten in den Quartieren der Hauptstadt dar. Sie belegt: Umweltbelastungen und soziale Probleme sind relativ ungleichmäßig über das Berliner Stadtgebiet verteilt. Mehrfach belastet ist vor allem die erweiterte Innenstadt. Berliner Umweltgerechtigkeitskarte Die Berliner Umweltgerechtigkeitskarte erweitert die Darstellung der Integrierten Mehrfachbelastungskarte (Seite 20) um die Einwohnerdichte (Betroffenheit). Außerdem sind in ihr Planungsräume markiert, in denen eine überwiegend einfache Wohnlage mit sehr hoher Luft- und/oder Lärmbelastung zusammenfällt (Risikobewertung). Die Karte ist im Berliner Umweltatlas online verfügbar.  Umweltatlas Schwerpunkt Innenstadt Wenn von der Innenstadt die Rede ist, war in Berlin damit bislang meist der Bereich innerhalb des S-Bahn-Rings gemeint. Die Untersuchung der Umwelt- und Sozialbelastungen legt es nahe, den Blick zu erweitern: zum Schwerpunktbereich Innenstadt. Die Grenzen folgen denen des Bereichs, den der Flächennutzungsplan und das Landschaftsprogramm Berlin als Vorrang – beziehungsweise Vorsorgegebiet Luftreinhaltung darstellen. Auf rund 100 Quadratkilometern leben hier 1,58 Millionen Menschen. Knapp 13 Prozent von ihnen leben in hoch lärmbelasteten, 46 Prozent in Räumen mit hoher Luftbelastung und fast 92 Prozent in thermisch hoch belasteten Räumen. Der Anteil derer, die in ihrem Planungsraum nicht ausreichend Grünflächen vorfinden, liegt bei 55 Prozent. Von den 173 Planungsräumen im Schwerpunktbereich fallen beim 21 | Erweiterter Innenstadtbereich © SenUVK 38 Indikator Lärm 29, bei der Luft 85, bei der Grünversorgung 81, bei der thermischen Belastung 152 und beim Sozialstatus 42 unter die schlechteste Kategorie. Entsprechend hoch ist die Zahl mehrfach belasteter Räume: Einer der drei fünffach belasteten Planungsräume Berlins, 11 von 17 vierfach und 59 von 71 dreifach belasteten Räumen liegen hier. Traditionell wohnen statushohe Gruppen in den Außenbereichen: Sie sind mobiler und finden dort bessere Umweltbedingungen. Die jüngere Vergangenheit zeigt allerdings einen gegenläufigen Trend: Weite Teile der Innenstadt sind heute von Aufwertungsprozessen geprägt. Immer mehr wenden sich auch einkommensstarke Bevölkerungssegmente vom Auto ab und der Innenstadt zu. Bezirke im Vergleich So ungleich sich die Belastungen in Berlin verteilen, so unterschiedlich stark sind auch die Bezirke belastet – räumlich und hinsichtlich der Zahl der Betroffenen. In Mitte etwa sind mehr als die Hälfte aller Menschen, die dort wohnen, dreifach oder noch stärker belastet. Damit führt Mitte die Liste der Bezirke an, in denen ein relativ hoher Anteil der Bevölkerung mehrfach betroffen ist. Zu diesen zählen ebenso Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf. Anders in Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf: Hier sind die mehrfach belasteten Bevölkerungsanteile am geringsten. Unterschiede gibt es auch innerhalb der einzelnen Bezirke. Fast immer sind innerstädtische Ortsteile (wie etwa der Norden Neuköllns) benachteiligt. Das gilt ebenso für gründerzeitliche Quartiere wie in Spandau und Großsiedlungen in den äußeren Stadtteilen Berlins. Weniger dicht bebaute Bereiche zeigen dagegen geringere Belastungen. Berliner Umweltatlas Kurzlink: goo.gl/eFwL5V Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo 22 | Mehrfachbelastung nach Bezirken 1 5 1 1 7 4 5 7 12 13 10 13 15 12 Mitte 9 13 9 21 13 Friedrichshain-Kreuzberg 1 2 Pankow Charlottenburg-Wilmersdorf 3 17 6 7 2 5 71 5 145 29 16 Spandau Steglitz-Zehlendorf 2 9 12 6 105 7 Tempelhof-Schöneberg 11 6 6 10 15 Treptow-Köpenick unbelastet einfach Neukölln 6 1 2 3 7 25 Marzahn-Hellersdorf zweifach 10 3 Berlin gesamt 3 9 16 106 15 12 2 6 6 Lichtenberg dreifach 2 Reinickendorf vierfach fünffach © Fürcho GmbH / Foto: Nikolaus Fürcho 39 IG 06 Bezirksvergleich Betroffene 23 | Bezirksvergleich Betroffene 1.490 33.942 0,4% 9,8% 97.991 28,2% 119.824 34,4% 94.855 27,2% Mitte 3.271 1,2% 57.348 21,0% 12.267 4,5% 67.744 24,8% 132.887 48,6% 91.882 24,3% 73.534 19,5% Friedrichshain-Kreuzberg 19.228 0,5% 32.906 6.451 14,5% 2,8% 53.098 23,4% 33.048 14,6% 101.365 44,7% 34.732 11.193 10,8% 3,5% 44.019 89.895 13,6% 27,8% 69.733 18,5% 142.383 37,7% Pankow 143.031 44,3% Charlottenburg-Wilmersdorf 15.290 5,1% 184.888 5,3% 610.957 17,4% 957.310 27,2% 211.667 71% Spandau 98.195 29,6% Steglitz-Zehlendorf 16.676 5,2% 113.554 34,2% 22.172 6,9% Tempelhof-Schöneberg 43.143 17,5% 182.471 74,2% unbelastet © Fürcho GmbH / Foto: Nikolaus Fürcho 40 Berlin gesamt 10.596 4,2% 71.549 28,1% 1.677 0,7% 52.518 20,7% 117.886 46,4% Treptow-Köpenick einfach 71.002 22,0% 101.592 31,5% 956.830 27,2% 788.211 22,4% 54.458 16,4% 65.615 19,8% 20.337 8,3% 34.277 11,5% 36.966 12,4% Marzahn-Hellersdorf zweifach 110.711 34,4% Neukölln 10.460 3,9% 17.729 6,7% 48.095 30.173 18,2% 11,4% 98.872 39,3% 19.254 7,7% 16.380 6,5% 44.977 17,9% 158.401 59,8% Lichtenberg dreifach 17.738 7,1% 54.104 21,5% Reinickendorf vierfach fünffach Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo IG 07 Bezirksvergleich Luft 24 | Bezirksvergleich Luftbelastung 5 19 22 2 6 12 14 21 34 29 Mitte Friedrichshain-Kreuzberg Pankow Charlottenburg-Wilmersdorf 3 2 79 17 12 109 20 26 Spandau Steglitz-Zehlendorf 5 5 6 14 14 259 Tempelhof-Schöneberg 30 Berlin gesamt 1 Neukölln 3 4 3 11 12 21 Treptow-Köpenick gering 18 Marzahn-Hellersdorf mittel 3 6 21 26 Lichtenberg Reinickendorf hoch © Fürcho GmbH / Foto: fotolia/elcovalana 41 IG 07 Bezirksvergleich Lärm 25 | Bezirksvergleich Lärmbelastung 2 2 12 25 Mitte 6 4 4 1 4 18 26 Friedrichshain-Kreuzberg Pankow 1 9 3 9 11 38 Charlottenburg-Wilmersdorf 14 12 86 86 5 23 29 Spandau Steglitz-Zehlendorf 11 2 7 17 25 Tempelhof-Schöneberg 2 21 261 Berlin gesamt 1 2 4 Neukölln 4 6 7 1 8 11 13 17 21 22 Treptow-Köpenick keine Werte © Fürcho GmbH / Foto: Nikolaus Fürcho 42 Marzahn-Hellersdorf niedrig, sehr niedrig Lichtenberg mittel 10 Reinickendorf hoch, sehr hoch Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo IG 09 Bezirksvergleich Grün 26 | Bezirksvergleich Grün- und Freiflächenversorgung 4 7 10 19 15 1 9 22 19 22 9 12 15 Mitte Friedrichshain-Kreuzberg 1 Pankow Charlottenburg-Wilmersdorf 4 6 4 100 31 34 Spandau Steglitz-Zehlendorf 248 9 13 98 15 17 10 10 Tempelhof-Schöneberg 1 Berlin gesamt 1 2 7 Neukölln 4 5 3 7 21 26 Treptow-Köpenick gut, sehr gut 22 30 Marzahn-Hellersdorf mittel Lichtenberg schlecht, sehr schlecht Reinickendorf keine Werte © Fürcho GmbH / Foto: Louis Back 43 IG 10 Bezirksvergleich Hitze 27 | Bezirksvergleich thermische Belastung 2 4 8 8 21 11 22 39 Mitte 8 Friedrichshain-Kreuzberg Pankow Charlottenburg-Wilmersdorf 5 49 13 18 11 25 Spandau 228 2 Steglitz-Zehlendorf 1 170 14 18 18 Tempelhof-Schöneberg 8 29 20 Berlin gesamt 1 3 Neukölln 3 14 21 5 7 15 18 22 10 23 Treptow-Köpenick gering © Fürcho GmbH / Foto: Nikolaus Fürcho 44 Marzahn-Hellersdorf mittel Lichtenberg Reinickendorf hoch Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo IG 11 Bezirksvergleich Status-Index 28 | Bezirksvergleich soziale Problematik 1 1 2 5 1 4 6 8 17 17 18 Mitte 2 5 35 Friedrichshain-Kreuzberg Pankow 42 Charlottenburg-Wilmersdorf 1 13 9 13 90 80 17 23 17 Spandau 3 Steglitz-Zehlendorf 4 4 18 27 Tempelhof-Schöneberg 2 Berlin gesamt 1 3 8 7 22 Treptow-Köpenick unbelastet 18 264 einfach Neukölln 1 6 7 6 8 13 11 Marzahn-Hellersdorf zweifach 15 19 Lichtenberg dreifach Reinickendorf vierfach fünffach © Fürcho GmbH / Foto: fotolia/oneinchpunch 45 29 | Mitte unbelastet < 10.000 30 | Friedrichshain-Kreuzberg einfach 10.000 bis < 20.000 zweifach 20.000 und mehr dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 zweifach 20.000 und mehr dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK Mitte Friedrichshain-Kreuzberg Schwerpunkte der Belastung finden sich in den Ortsteilen des Wedding nördlich der Ringbahn, im Westen Moabits und in der historischen Innenstadt. Spandauer und Rosenthaler Vorstadt sind dagegen vergleichsweise gering belastete Bezirksteile. Thermisch belastet ist fast der gesamte eng bebaute Bezirk. Der Bezirk ist insgesamt ein Belastungsschwerpunkt. 77,8 Prozent der Menschen hier leben in zweifach und höher belasteten Quartieren. Handlungsbedarf gibt es in fast allen Feldern der Umweltgerechtigkeit: Bei der Lärmbelastung landet der Bezirk zwar knapp unter dem Berliner Durchschnitt, bei allen anderen Kernindikatoren aber liegt er deutlich darüber. Mitte ist mit am stärksten belastet: Acht von 20, und damit 40 Prozent der berlinweit am höchsten belasteten Planungsräume liegen hier. Noch deutlicher wird das beim Blick auf die Einwohnerzahl: Der Bezirk stellt fast die Hälfte (48,7 Prozent) aller Berlinerinnen und Berliner, die in vierund fünffach belasteten Räumen wohnen. Gegenläufige Tendenzen zeigen die 17 Planungsräume im Prognoseraum Zentrum (0101). Sie weisen zwar – anders als der eher mittel belastete Rest des Bezirks – eine nahezu flächendeckend hohe Luftbelastung auf. Die soziale Situation ist in diesen Teilen des Bezirks dagegen meist durchschnittlich, teils sogar gut. 46 Mit Blick auf die Situation der Umweltgerechtigkeit gehört der Bezirk zu den am stärksten benachteiligten. Zwei- bis Dreifachbelastungen der Planungsräume sind die Regel. Der Anteil mehrfach belasteter Einwohner und Einwohnerinnen liegt mit 77,8 Prozent deutlich über dem Berliner Durchschnitt (50,4 Prozent). Einige Teil-Räume sind immerhin nur einfach belastet. Dazu zählen der Chamissokiez, die Kreuzberger Quartiere östlich und westlich des Görlitzer Parks, der Planungsraum Reichenberger Straße und der Wrangelkiez und – im Friedrichshainer Westen – die Planungsräume Barnimkiez und Weberwiese. Ohne höhere Belastung schneidet einzig die Stralauer Halbinsel ab. Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo 31 | Pankow unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 32 | Charlottenburg-Wilmersdorf zweifach 20.000 und mehr dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 zweifach 20.000 und mehr dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK Pankow Charlottenburg-Wilmersdorf Die meisten mehrfach belasteten Planungsräume liegen im innerstädtischen Teil des Bezirks, die problematischsten davon in den Prognoseräumen Nördlicher (0306) und Südlicher Prenzlauer Berg (0307), die durch ihre gründerzeitliche Bebauung und ein Nebeneinander von Wohnen und Gewerbe geprägt sind. S-Bahn-Ring und Stadtautobahn bilden eine erkennbare Grenze zwischen den nicht oder wenig belasteten Räumen außerhalb und den Innenstadtquartieren, die recht homogen zwei- bis dreifach belastet sind. Mehrfach belastete Planungsräume im Außenbereich – etwa die um Königin-Elisabeth- oder Schlangenbader Straße – sind Räume mit hoher Verkehrsbelastung durch Autobahn oder Bahnanlagen. Pankow liegt etwa im Berliner Durchschnitt – bei der Verteilung belasteter Planungsräume wie bei der Betroffenheit der Bevölkerung. Auffällig sind aber die überdurchschnittliche Luftbelastung und der hohe Anteil von Räumen mittlerer sozialer Problemdichte. Erstere ist in Pankow in 72,5 Prozent, in Berlin aber nur in 57,9 Prozent der Räume zu konstatieren. Räume mittlerer sozialer Problemdichte machen im Bezirk 87,5 Prozent, in Berlin 59, 1 Prozent aus. Der Anteil nicht, ein- oder zweifach belasteter Planungsräume liegt über dem Berliner Durchschnitt. Allerdings leben etwa 37,7 Prozent der Menschen in Pankow, aber nur 27,2 Prozent aller Berlinerinnen und Berliner in zweifach belasteten Räumen. Der Anteil nicht, ein- oder zweifach belasteter Räume liegt in Charlottenburg mit 73,7 Prozent etwas unter dem berlinweiten Wert von 79,6 Prozent. In solchen Räumen leben im Bezirk nur 68,7 Prozent, berlinweit aber 76,8 Prozent der Menschen. Schlechter als die Gesamtstadt schneidet Charlottenburg-Wilmersdorf auch bei der Grünversorgung und bei der Luftbelastung ab. Bei der sozialen Situation liegt der Bezirk dagegen über dem Berliner Niveau. Da im stärker belasteten Innenstadtteil die meisten Menschen des Bezirks wohnen, ist der Anteil der Bevölkerung, der mit Drei- oder Vierfachbelastung leben muss, höher als im landesweiten Durchschnitt: 31,3 Prozent (das entspricht gut 100.000 Menschen) sind es im Bezirk, 22,6 Prozent in ganz Berlin. 47 33 | Spandau unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 34 | Steglitz-Zehlendorf zweifach 20.000 und mehr dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK Spandau Spandau liegt etwa im berlinweiten Durchschnitt, bei der Zahl der Betroffenen sogar etwas besser. Die mehrfach belasteten Planungsräume östlich, westlich und nördlich der Altstadt sind zwar dicht besiedelt: Gut 90.000 Menschen wohnen hier. Dennoch leben in Spandau weniger Menschen in mehrfach belasteten Räumen als in ganz Berlin, während der Bevölkerungsanteil, der nur eine Belastung zu schultern braucht, mit 44,7 Prozent um das Doppelte über den stadtweiten 22,4 Prozent liegt. Gut steht der Bezirk bei der Grünversorgung da: 87,2 Prozent der Räume Spandaus sind gut versorgt. In Berlin sind es 55,5 Prozent. In puncto Luft gehört Spandau zu den geringer, bei Bioklima und Sozialstatus zu den durchschnittlich belasteten Bezirken. Anders beim Lärm: Planungsräume mit hoher Lärmbelastung machen in Spandau 59, in Berlin aber nur 19,2 Prozent aus. Die Schließung des Flughafens Tegel wird die Situation aber ein Stück weit entlasten. Schwerpunkte sind die Neustadt und das Falkenhagener Feld, vor allem die Planungsräume Darbystraße, Germersheimer Platz, Eiswerder, Kur-, Acker-, Carl-Schurz- und Gartenfelder Straße. Hier treffen Drei- und Vierfachbelastungen auf soziale Herausforderungen. 48 unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 zweifach 20.000 und mehr dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK Steglitz-Zehlendorf Steglitz-Zehlendorf zeigt relativ niedrige Umweltbelastungen. Bei fast allen Kernindikatoren verbucht der Bezirk nur geringe Anteile an Räumen mit problematischen Belastungsstufen. Er liegt damit klar unter dem stadtweiten Durchschnitt. Einzige Ausnahme ist die thermische Belastung. Mehrfach belastet sind nur sieben von 41 Planungsräumen im Bezirk. In ihnen leben 16,6 Prozent der Bezirksbevölkerung. Vier- oder fünffach belastete Räume gibt es keine. Entsprechend hoch ist umgekehrt der Anteil nicht oder gering belasteter Planungsräume. Nahezu drei Viertel – genauer: 71 Prozent – der Menschen im Bezirk leben in unbelasteten Räumen. Dabei kann der Altbezirk Zehlendorf als vollständig unbelastet gelten. Im früheren Steglitz zeigt sich ein differenzierteres Bild: Mehrfachbelastungen konzentrieren sich im dicht bebauten, eher innerstädtisch strukturierten Bereich um die Schloßstraße und die parallel verlaufenden Trassen von A 103 und Wannseebahn. Daneben sind lediglich der Planungsraum Südende und – weiter südlich an der Landesgrenze – die Thermometersiedlung mehrfach belastet. Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo 35 | Tempelhof-Schöneberg unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 zweifach 20.000 und mehr 36 | Neukölln dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK Tempelhof-Schöneberg Betrachtet man die Verteilung der Planungsräume auf die Belastungskategorien, liegt der Bezirk leicht über dem Berliner Durchschnitt. Die einzelnen Faktoren weichen nur wenig von den stadtweiten Werten ab. Negativer Spitzenreiter ist die Luftbelastung. Hier sind im Bezirk 41,3 Prozent, in ganz Berlin aber nur 24,4 Prozent der Planungsräume belastet. Auch mit Blick auf die Zahl Betroffener bewegt sich Tempelhof-Schöneberg im Mittelfeld. Zwar ist der Anteil dreifach belasteter Einwohnerinnen und Einwohner deutlich höher. Das Fehlen von Vier- und Fünffachbelastungen und ein höherer Bevölkerungsanteil in unbelasteten Planungsräumen gleichen das allerdings rein rechnerisch aus. Der innerstädtische Teil des Bezirks ist in unterschiedlichem Maße, aber fast durchgängig mehrfach belastet. Einzige Ausnahme: Neu-Tempelhof mit dem Tempelhofer Feld. Auch die Räume südlich des S-Bahn-Rings in Friedenau (0703) und Tempelhof (0704) sind meist zwei- und dreifach belastet. Sie weisen eine hohe städtebauliche Dichte und gemischte Nutzung auf. Südlich des Teltowkanals finden sich dagegen keine Räume mit nennenswerten Belastungen. unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 zweifach 20.000 und mehr dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK Neukölln Der Süden des Bezirkes ist kaum belastet. Die gründerzeitlich geprägten Quartiere des Neuköllner Nordens zeigen dagegen durchgängig mittlere und hohe Belastungen, vor allem die Planungsräume Wissmannstraße, Flughafenstraße, Körnerpark, Glasower Straße, Bouchéstraße, Reuterkiez, Donaustraße, Rixdorf, Treptower Straße Nord, Gewerbegebiet Ederstraße, Gewerbegebiet Köllnische Heide und Buschkrugallee Nord. In der Summe liegt Neukölln damit berlinweit im Mittelfeld. Thematisch fallen drei Dinge auf: die Versorgungsdefizite bei Grünflächen, die relativ hohe thermische Belastung, vor allem aber die Häufung sozialer Herausforderungen im Nordteil. Beim Status-Index fallen 52 Prozent der Räume Neuköllns, aber nur 22,8 Prozent der Räume Berlins in die schlechteste Kategorie. Im dicht bebauten Norden lebt ein Großteil der Bevölkerung. Fast zwei Drittel (61,6 Prozent) der Menschen in Neukölln wohnen deshalb in zweifach und stärker belasteten Räumen. Berlinweit sind es nur 49,8 Prozent. Entsprechend viele Menschen tragen stärkere Belastungen. Die Abweichung vom Berliner Niveau ist aber geringer als bei stadtstrukturell ähnlichen Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und selbst Charlottenburg-Wilmersdorf. 49 37 | Treptow-Köpenick unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 zweifach 20.000 und mehr 38 | Marzahn-Hellersdorf dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK Treptow-Köpenick Treptow-Köpenick zählt mit Steglitz-Zehlendorf zu den am wenigsten belasteten Bezirken. Das gilt für die Zahl der Planungsräume wie für die der Betroffenen. Alle Kernindikatoren schneiden im Vergleich zur Gesamtstadt überdurchschnittlich gut ab: Die thermische und die Luftbelastung sind spürbar geringer, die Grünversorgung deutlich besser und der Status-Index erheblich höher. Einzig beim Lärm ist die Situation nur geringfügig entspannter als in ganz Berlin. Wenige Planungsräume sind überhaupt belastet: die verdichteten Bereiche Alt-Treptow, Schöneweide und die Altstadt Köpenick mit ihren Vorstädten. Hier finden sich Einund Zweifachbelastungen. Drei Viertel (74,2 Prozent) der Menschen im Bezirk leben dadurch in unbelasteten und 17,5 Prozent in einfach belasteten Planungsräumen. Damit sind in Treptow-Köpenick anteilig weniger Menschen von Belastungen betroffen als in jedem anderen Berliner Bezirk. 50 unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 zweifach 20.000 und mehr dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK Marzahn-Hellersdorf Mit nur wenigen mehrfach belasteten Planungsräumen steht der Bezirk im stadtweiten Vergleich gut da. Die Werte liegen bei allen Kernindikatoren über dem Berliner Durchschnitt. Besonders augenfällig ist das bei der guten und sehr guten Grünversorgung. Die relativ geringe Belastung schlägt sich auch in den Zahlen betroffener Einwohnerinnen und Einwohner nieder. Drei Viertel (74,5 Prozent) der Menschen in Marzahn-Hellersdorf leben in nicht oder nur einfach belasteten Räumen. Das ist ein deutlich höherer Anteil als in ganz Berlin: Dort sind es nur 49,6 Prozent. Allerdings werden deutliche Unterschiede sichtbar: Auf der einen Seite stehen gering verdichtete, oft von Einfamilienhaussiedlungen geprägte Bereiche, auf der anderen die beiden Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf. In Letzteren finden sich einzelne Planungsräume mit Mehrfachbelastungen – etwa Marzahner Promenade und Helle Mitte. Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo 39 | Lichtenberg unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 40 | Reinickendorf zweifach 20.000 und mehr dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK Lichtenberg Was den Grad der Mehrfachbelastung angeht, liegt Lichtenberg deutlich vor Berlin. Trotzdem kann die Situation im Bezirk nicht als überdurchschnittlich gut eingestuft werden: Das liegt an dem mit 59,5 Prozent hohen Anteil einfach belasteter Planungsräume und einem entsprechend hohen Bevölkerungsanteil in dieser Kategorie. Betrachtet man die einzelnen Kernindikatoren, bewegt sich Lichtenberg in der Summe leicht unter dem Berliner Durchschnitt. Dabei verzeichnet der Bezirk vor allem höhere Anteile an Planungsräumen mit hoher Lärm- und thermischer Belastung. So sind 68,6 Prozent der Räume im Bezirk, aber nur 51 Prozent aller Räume in Berlin thermisch hoch belastet. Belastete und weniger belastete Räume verteilen sich nahezu gleichmäßig über den Bezirk. Offensichtlich resultieren die Belastungen aus kleinräumigen Situationen. Mit Blick auf die betroffenen Bevölkerungsanteile bewegt sich der Bezirk im Mittelfeld: In Lichtenberg leben anteilig weniger Menschen in unbelasteten, aber auch deutlich weniger in mehrfach belasteten Räumen als in Berlin. unbelastet < 10.000 einfach 10.000 bis < 20.000 zweifach 20.000 und mehr dreifach vierfach fünffach Planungsräume mit überwiegend einfacher Wohnlage (über 66 % der Adressen) sowie hoher Lärm- und/oder sehr hoher Luftbelastung © SenUVK Reinickendorf Der Bezirk bewegt sich sowohl beim Anteil mehrfach belasteter Räume als auch beim Anteil Betroffener an der Gesamtbevölkerung unter dem Berliner Durchschnitt – und das, obwohl zwei der berlinweit drei fünffach belasteten Planungsräume im Bezirk liegen. 91 Prozent aller Berlinerinnen und Berliner, die eine fünffache Belastung tragen, leben damit in Reinickendorf. Bezogen auf die Bevölkerung des Bezirks sind das 6,7 Prozent aller Menschen. Berlinweit liegt dieser Wert nur bei 0,7 Prozent. Mit Schließung des Flughafens Tegels dürfte sich diese Situation deutlich entspannen. Bei den einzelnen Kernindikatoren liegt der Bezirk teils etwas unter, teils über und in der Summe auf ähnlichem Niveau wie ganz Berlin. Signifikant schlechter ist mit 36,7 Prozent dabei der Anteil an Planungsräumen mit hoher Lärmbelastung im Bezirk. Berlinweit liegt dieser bei 19,2 Prozent. Räumlicher Schwerpunkt der Mehrfachbelastungen ist der Südosten von Reinickendorf. Vor allem geht es um die Planungsräume Letteplatz, Klixstraße, Scharnweberstraße und Dannenwalder Weg. Hier finden sich gründerzeitlich gemischte, verdichtete Strukturen in der Einflugschneise des Flughafens Tegel. 51 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 Bezirk Mitte innere Stadt Schlüssel Planungsraum 1011101 Stülerstraße 1011102 Großer Tiergarten 1011103 Lützowstraße 1011104 Körnerstraße 1011105 Nördlicher Landwehrkanal 1011201 Wilhelmstraße 1011202 Unter den Linden Nord 1011203 Unter den Linden Süd 1011204 Leipziger Straße 1011301 Charitéviertel 1011302 Oranienburger Straße 1011303 Alexanderplatzviertel 1011304 Karl-Marx-Allee 1011305 Heine-Viertel West 1011306 Heine-Viertel Ost 1011401 Invalidenstraße 1011402 Arkonaplatz 1022101 Huttenkiez 1022102 Beusselkiez 1022103 Westhafen 1022104 Emdener Straße 1022105 Zwinglistraße 1022106 Elberfelder Straße 1022201 Stephankiez 1022202 Heidestraße 1022203 Lübecker Straße 1022204 Thomasiusstraße 1022205 Zillesiedlung 1022206 Lüneburger Straße 1022207 Hansaviertel 1033101 Soldiner Straße 1033102 Gesundbrunnen 1033201 Brunnenstraße 1033202 Humboldthain Süd 1033203 Humboldthain Nordwest 1044101 Rehberge Berechnung: Belastung pro Indikator 52 äußere Stadt Mehrfachbelastung „„„ „ „„„ „„„ „„ „„„ „„„ „„„ „„„ „ „„ „„„ „„„„ „„„ „ „ „„ „„„ „„„„ „„ „„„ „„„ „„„ „„ „„„„„ „„ „ „„ „„ „„„ „„„„ „„„„ „„ „„ „„ „„ Lage „„ „„„ „„„ „„„ „„ – „„„ „ „„ „„„ „„„ „„„ „„ „„ „„„ „„ „„„ „„„ „„ „„„ „ „„„ „ „„„ „„„ „ „„ „„ – „„„ „„ „„„ „„„ „„„ „ „„„ „„ „„„ „„„ „ „„„ „„„ „„ „„„ „„ „„ „„ „„„ „ „„ „„„ „„ „„„ „„ „„„ „„„ „„ „„„ „„ „„ „„„ „„„ „„„ „„„ „„ „„„ „„„ „„ „„„ „„ „„ „„ „„ „„„ „„ „„ „„ „„ „„„ „„ „„ „„ „„„ „„„ „ „„ „„ „„„ „„„ „„„ „„ „„„ „„„ „„„ „„„ – „„ „„ „„„ „„„ „„„ „„ „„„ „„ „„„ „„„ – „„ „„„ „„„ „ „„„ „„„ „„„ „„ „„ „„ „„„ „„„ „„ „„„ „„„ „„„ „„„ „„„ „„ „„ „„ „„„ „„„ „„ „„ „„ „„„ „„ „„ „„ „„ „„„ „„„ „„ „„„ „ „„„ „„ „„„ „„„ „ „„„ „„ „„„ „„ „„„ „„„ „„„ „„ „„„ „„„ „„„ „„„ „„ „„ „„ „„„ „„„ „„ „„ „„ „„„ „„„ „„ „„ „„ „„„ „„„ „ „„ „„„ „„ „ einfach, „„ zweifach, „„„ dreifach, „„ zweifach, „„„ dreifach = „„ „„„ Mehrfachbelastung (2x Dreifachbelastung) Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 1044102 Schillerpark 1044103 Westliche Müllerstraße 1044201 Reinickendorfer Straße 1044202 Sparrplatz 1044203 Leopoldplatz nn nnnn nnnn nnnn nnn nnn nn Planungsraum 2010101 Askanischer Platz 2010102 Mehringplatz 2010103 Moritzplatz 2010104 Wassertorplatz 2020201 Gleisdreieck/Entwicklungsgebiet 2020202 Rathaus Yorckstraße 2020203 Viktoriapark 2020204 Urbanstraße 2020205 Chamissokiez 2020206 Graefekiez 2030301 Oranienplatz 2030302 Lausitzer Platz 2030401 Reichenberger Straße 2030402 Wrangelkiez 2040501 Barnimkiez 2040502 Friedenstraße 2040503 Richard-Sorge-Viertel 2040701 Andreasviertel 2040702 Weberwiese 2040703 Wriezener Bf./Entwicklungsgebiet 2050601 Hausburgviertel 2050602 Samariterviertel 2050801 Traveplatz 2050802 Boxhagener Platz 2050803 Stralauer Kiez 2050804 Stralauer Halbinsel nnn nn nn nnn nnn nnn nnn nn nnn nnn nnn nnn n nnn nnn nnn nnn nn nn Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Schlüssel n nnn nnn nnn innere Stadt äußere Stadt Mehrfachbelastung nnn nnn nn nnn nn nn nn nnn n nn nnn nnn n n n nn nn nnnn n nn nnn nn nn nn nn – Lage nn nnn n nnn nnn nn nnn nn nnn nnn nn nn nn nnn nnn nn nnn nn nnn nnn nn nnn nn nnn – nn nnn nn nnn nn nn nnn n nnn nn nn nnn nnn nnn nn n nn nn nnn nn nn nn nn nnn nn nnn nnn n nn nn nnn nn n nn nn nnn nn n nn nn nn nn nnn nn nnn nn nn nnn nn nnn nnn nnn nnn nnn nn nn nn nnn nnn nn nnn nnn nnn nnn nn nn nn nn nnn nn nnn nn nn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nn nnn nnn nn nn nn nnn nnn nn nn nn nnn nnn nn nn nn nnn nnn nn n nn n Bezirk Pankow nn innere Stadt n äußere Stadt Schlüssel Planungsraum Mehrfachbelastung Lage 3010101 Bucher Forst – n n n n nn 3010102 Buch – nn nn n nn nn 3010104 Lietzengraben – – nn n n – 3020203 Blankenfelde – n n n n nn 53 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 3020209 Niederschönhausen 3020210 Herthaplatz 3020307 n nnn nn nn nn nn – nn nn n nn nn Buchholz – nn nn n nn nn 3030405 Karow Nord – nn n n n nn 3030406 Alt-Karow – nn n n n n 3030711 Blankenburg – nn n n n n 3030715 Heinersdorf nnn nn n nn nn 3030716 Märchenland nnn nn n n n 3040508 Rosenthal – nn nn n n nn 3040512 Wilhelmsruh – nn nn n nn nn 3040513 Schönholz nnn nn n nn nn 3040614 Pankow Zentrum nnn nn nn nnn nn 3040818 Pankow Süd nnn nn nnn nnn nn 3050919 Gustav-Adolf-Straße n nn nn nn 3050920 Weißer See nn nn n nnn nn 3050923 Weißenseer Spitze nn nn nnn nnn nn 3050924 Behaimstraße nn nn nn nnn nn 3050925 Komponistenviertel Weißensee nn nn nn nnn nn 3051017 Rennbahnstraße nnn nn n nn 3051021 Buschallee nn nn n nnn nn 3051022 Hansastraße nn nn n nn 3061126 Arnimplatz nn nn nnn nnn nn 3061131 Falkplatz nn nn nn 3061227 Humannplatz nn nnn nnn nnn nn 3061228 Erich-Weinert-Straße nn nnn nnn nnn nn 3061332 Helmholtzplatz nn nn 3061429 Greifswalder Straße nn nnn nn 3061430 Volkspark Prenzlauer Berg 3061434 Anton-Saefkow-Park 3061435 Conrad-Blenkle-Straße 3061441 Eldenaer Straße 3071536 Teutoburger Platz 3071537 Kollwitzplatz 3071633 Thälmannpark 3071638 Winsstraße 3071639 Bötzowstraße n n n nn nnn – n nn n n n n – nn n nnn nnn nn nn n nn nn n nnn nn n nn nn nnn nn nn Planungsraum 4010101 Jungfernheide 4010102 Plötzensee 54 nn nn nnn nn nnn nnn nn n nnn nn nnn nn nn nn nnn nn nnn nn n nnn nn n nn n nnn n nn nnn nnn nnn nn nn nn nnn nnn nn nn nn n nn nn nnn nnn nn nn nnn nn Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf Schlüssel nn nnn nn nnn nn innere Stadt äußere Stadt Mehrfachbelastung nn nn Lage nn nnn n nn nnn nnn nnn n nn nn Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 4010103 Paul-Hertz-Siedlung 4020204 Olympiagelände 4020205 Siedlung Ruhleben 4020206 Angerburger Allee 4020207 nnn nn nnn nn nnn nnn – n n nn – nnn nn n nn n – nn nn n nn nn Flatowallee – nn nn n nn n 4020208 Kranzallee – nn nn n n n 4020209 Eichkamp – nn nn n n n 4020310 Park Ruhwald 4020311 Reichsstraße 4020312 Branitzer Platz 4020313 Königin-Elisabeth-Straße 4020314 Messegelände 4030415 Schloßgarten 4030416 Klausenerplatz 4030417 Schloßstraße 4030518 Tegeler Weg 4030519 Kaiserin-Augusta-Allee 4030620 Alt-Lietzow 4030621 Spreestadt 4030622 Richard-Wagner-Straße 4030623 Ernst-Reuter-Platz 4030724 Lietzensee 4030725 Amtsgerichtsplatz 4030726 Droysenstraße 4030827 Karl-August-Platz 4030828 Savignyplatz 4030929 Hindemithplatz 4030930 George-Grosz-Platz 4030931 Breitscheidplatz 4031032 Halensee 4041133 Güterbahnhof Grunewald 4041134 Bismarckallee 4041135 Hundekehle 4041136 Hagenplatz 4041137 Flinsberger Platz 4041238 Kissinger Straße 4041239 Stadion Wilmersdorf 4041240 Messelpark 4041241 Breite Straße 4041342 Schlangenbader Straße 4041343 Binger Straße – n nnn n – nnnn n n nn nn nnn n nn n nnn nn nn nnn nnn nn nnn nnn nnn nnn nn nn – n – n – nn – n nnnn – nnn nnn nnn nn nn nn nnn nn nn nn nn nn nn nn n nnn nnn nnn nnn nn – nnn – nnn nn n nn – nn nn nn nnn nn nnn nn nn nnn nn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nn nn nnn n nnn nn nn nn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nnn nn nn nn nnn nnn nn nnn nn nnn nn nn nn nn nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nn nn nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nn nn – nnn nnn n – nn nn n n nn nn nnn n n n nn nn n n nn nnn nn nn nn nn nn nn nn – nnn nnn nn – nn nn n n n nn nnn nn nnn nnn nn n nn n n nnn nnn nnn nnn nn nn nn nn nn nn 55 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 4041344 Rüdesheimer Platz 4051445 Eisenzahnstraße 4051446 Preußenpark 4051447 Ludwigkirchplatz 4051448 Schaperstraße 4051549 Rathaus Wilmersdorf 4051550 Leon-Jessel-Platz 4051551 Brabanter Platz 4051652 Nikolsburger Platz 4051653 Prager Platz 4051654 Wilhelmsaue 4051655 Babelsberger Straße 4051656 Hildegardstraße 4061757 Forst Grunewald nn nnn nn nn nnn nn nn nn nn nn nn nnn nn – nn nn nnn nnn nn nnn nn nn nnn nn nnn nn n nn nn nnn nnn nnn nn Planungsraum 5010101 Hakenfelde Nord 5010102 Goltzstraße 5010103 Amorbacher Weg 5010204 Griesingerstraße 5010205 An der Tränke 5010206 Gütersloher Weg 5010207 Darbystraße 5010208 Germersheimer Platz 5010209 An der Kappe 5010310 Eckschanze 5010311 Eiswerder 5010312 Kurstraße 5010313 Ackerstraße 5010314 Carl-Schurz-Straße 5010339 Freiheit 5020415 Isenburger Weg 5020416 Am Heideberg 5020417 Staakener Straße 5020418 Spandauer Straße 5020419 Magistratsweg 5020420 Werkstraße 5020521 Döberitzer Weg 5020522 Pillnitzer Weg 5020523 Maulbeerallee 56 nnn nnn nn nnn nnn n nn nn nn nn nnn nnn nn nnn nnn n nn nn nn nn nnn nnn nn n nn nnn nnn nn nn nnn n nnn nn nnn nnn nn nnn nn nn nnn nn nnn nn – n n Bezirk Spandau Schlüssel nnn nnn nn n innere Stadt – äußere Stadt Mehrfachbelastung n n n nn n nn nnn nnn n nn nnn nnn nnnn nnn nn n n n n n Lage nnn n n n nn nnn nn n nn nn nnn nn n n nn nnn n n nn nnn nnn n n nn n nnn n n nn nnn nnn nn n nnn nnn nnn nn n nnn nnn nnn nn n nn nn nnn nn n nn nnn nnn nn n nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nnn nnn nn nnn nnn nnn nn n nnn nnn nnn nn nn nnn nn nnn n n n n nnn n n nn nn nnn nn n nn nn nnn n n nn nn nn n n nn nnn – nn n n nn nn – nn n n n n nn n n nn nnn n nn n nn nnn n n Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 5020524 Weinmeisterhornweg 5020625 Borkumer Straße 5020626 Adamstraße 5020627 Tiefwerder 5020628 Graetschelsteig 5020629 Börnicker Straße 5030730 Zitadellenweg 5030731 Gartenfelder Straße 5030832 Rohrdamm 5030833 Motardstraße 5040934 Alt-Gatow 5040935 – n nn n n nn nn n nnn nn nn nn n nnn nn nnn nn n nn nn nn nnn n nn nn nn n n n n nnn nn n nnn nn nnn nn n nnn nnn nnn nn nn nnn nn – nn nnn nnn n – nn n n n n Groß-Glienicker Straße – n n n n nn 5040936 Jägerallee – n n n nn n 5040937 Kladower Damm – n n n nn n 5040938 Kafkastraße – n n n nn n n n n n – nn nnn nn nn Bezirk Steglitz-Zehlendorf innere Stadt Schlüssel Planungsraum Mehrfachbelastung 6010101 Fichtenberg – 6010102 Schloßstraße 6010103 Markelstraße 6010204 Munsterdamm 6010205 Südende 6010206 Stadtpark 6010207 Mittelstraße 6010208 Bergstraße 6010209 Feuerbachstraße 6010210 Bismarckstraße 6020301 Alt-Lankwitz 6020302 Komponistenviertel Lankwitz 6020303 Lankwitz Kirche 6020304 Kaiser-Wilhelm-Straße 6020305 Gemeindepark Lankwitz 6020306 Lankwitz Süd 6020407 Thermometersiedlung 6020408 Lichterfelde Süd 6020409 nn äußere Stadt Lage nn nn n nn nn nnn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nn n nn nn nnn nnn nn nn nn n nnn nn nn nn nn nnn nn nn nnn nn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nn nnn nnn nn – nn nn nn nn nn – nn nn n nn nn nn nn n nnn nn n nn n nn n nn n nnn nn n nn n nn n n nnn nn nnn – nn n n nn nn Königsberger Straße – nn nn n nn nn 6020410 Oberhofer Platz – nn nn n nn n 6020411 Schütte-Lanz-Straße – n n n n nn 6030501 Berlepschstraße – n nn n nn n 6030502 Zehlendorf Süd – n n n nn nn nn nnn – nn n n nn nnn nn n – n – nn nn nn n nn nn nn 57 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 6030503 Zehlendorf Mitte – nn nn n nn nn 6030504 Teltower Damm – n nn n nn n 6030605 Botanischer Garten – nn nn nn nn nn 6030606 Hindenburgdamm – nn nn n nn nn 6030607 Goerzwerke nn n n nnn n 6030608 Schweizer Viertel – n n n nn n 6030609 Augustaplatz – nn nn n nn nn 6030610 Lichterfelde West – n nn n nn n 6040701 Wannsee – nn n n n n 6040702 Düppel – nn n n nn n 6040703 Nikolassee – nn n n n n 6040804 Krumme Lanke – n n n n n 6040805 Fischerhüttenstraße – n n n nn n 6040806 Fischtal – nn n n nn n 6040807 Zehlendorf Eiche – nn nn n nn n 6040808 Hüttenweg – nn nn n nn n 6040809 Thielallee – nn nn n nn n 6040810 Dahlem – nn nn n n n n Bezirk Tempelhof-Schöneberg Schlüssel Planungsraum 7010101 Wittenbergplatz/Viktoria-Luise-Platz 7010102 Nollendorfplatz 7010103 Barbarossaplatz 7010104 Dennewitzplatz 7020201 Bayerischer Platz 7020202 Volkspark (Rudolf-Wilde-Park) 7020203 Kaiser-Wilhelm-Platz 7020204 Schöneberger Insel 7030301 Friedenau 7030302 Ceciliengärten 7030303 Grazer Platz 7040401 Neu-Tempelhof 7040402 Lindenhofsiedlung 7040403 Manteuffelstraße 7040404 Marienhöhe 7040405 Rathaus Tempelhof 7040406 Germaniagarten 7050501 Rathausstraße 7050502 Fritz-Werner-Straße 7050503 Eisenacher Straße 58 innere Stadt äußere Stadt Mehrfachbelastung nnn nnn nn nnn nnn nn nnn nnn nnn nn nn – nn nn n nnn nnn n n – Lage nn nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nn nn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nnn nn nn nn nn nnn nnn nn nn nn nn nn n nnn nn nnn nn nn nnn nn nnn nn nnn nn nnn nnn nn nnn nnn nnn nn nnn nnn nn nn n nn nn nn nnn nnn nn nnn nn nn nnn n nnn nnn nn nn nn nnn nn nn nn nn nnn nn nn nn n nn nn Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo 47| Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 7050504 Imbrosweg 7050505 Hundsteinweg 7050506 Birnhornweg 7060601 Marienfelder Allee Nordwest 7060602 Kichstraße 7060603 Marienfelde Nordost 7060604 Marienfelde Süd 7070701 n n nnn n nn nn – nn nn n nn nn – nn nn n nn n nn nn n nnn nn nn nn n nn nn nn nn nnn nn – n n n nn nn Kettinger Straße/Schillerstraße – nn nn n nn nn 7070702 Alt-Lichtenrade/Töpchiner Weg – nn n n nn nn 7070703 John-Locke-Straße – nn nn nn nn nn 7070704 Nahariyastraße n n n nn nnn 7070705 Franziusweg/Rohrbachstraße – n n n n n 7070706 Horstwalder Straße/Paplitzer Straße – n n n nn nn 7070707 Wittelsbacherstraße – n n n n n n – n n Bezirk Neukölln Schlüssel Planungsraum 8010115 Hasenheide 8010116 Wissmannstraße 8010117 Schillerpromenade 8010118 Silbersteinstraße 8010211 Flughafenstraße 8010212 Rollberg 8010213 Körnerpark 8010214 Glasower Straße 8010301 Reuterkiez 8010302 Bouchéstraße 8010303 Donaustraße 8010404 Rixdorf 8010405 Hertzbergplatz 8010406 Treptower Straße Nord 8010407 Gewerbegebiet Ederstraße 8010508 Weiße Siedlung 8010509 Schulenburgpark 8010510 Gewerbegebiet Köllnische Heide 8020619 Buschkrugallee Nord 8020620 Tempelhofer Weg 8020621 Mohriner Allee Nord 8020622 Parchimer Allee 8020623 Ortolanweg 8020624 Britzer Garten innere Stadt n äußere Stadt Mehrfachbelastung n nnn nn nn nnn nn nnn nnnn nn nnn nnnn nnn nn nnn nnn nn nn nnn nnn nn Lage nnn nn nn nn nn nn nnn n nnn nnn n nn n nnn nnn nn nn nnn nn nn nn nnn nnn nnn nn nn nn nn nn nnn nnn nnn nn nnn nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nn n nn nnn nnn nnn nn nnn nnn nnn nnn nn nn nnn nnn nnn n nn nn n nn nnn nnn nnn n nn nnn nnn nnn n nn nnn nn nn nn nn – nnn nnn nnn nn nn nnn nn nnn nnn nn nn nn nnn nnn n nn n nn nn nn n nnn nn – nn nn nn nn nn – nn n n nn nn – n nnn nnn nnn nnn nnn nnn nnn nnn n 59 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 8020625 Handwerker-Siedlung – nn nn n nn nn 8020726 Buckow West – nn nn n nn nn 8020727 Buckow Mitte – n nn n nn nn 8020728 Buckow Ost – n n nn nn nn 8030829 Gropiusstadt Nord nn nn nn nnn nnn 8030830 Gropiusstadt Süd n nn n nnn nn 8030831 Gropiusstadt Ost n nn nn nn 8040932 Goldhähnchenweg n nn nnn nnn nn 8040933 Vogelviertel Süd – nn nn n nn nn 8040934 Vogelviertel Nord – nn nn n nn nn 8041035 Blumenviertel – nn nn n nn n 8041036 Zittauer Straße – n nn n n n 8041037 Alt-Rudow – n nn n nn nn 8041038 Waßmannsdorfer Chaussee – n n n nn n 8041039 Frauenviertel – n n n nn nn 8041040 Waltersdorfer Chaussee Ost – n n n nn nn nn n – nn Bezirk Treptow-Köpenick Schlüssel Planungsraum 9010101 Elsenstraße 9010102 Am Treptower Park Nord 9010201 Am Treptower Park Süd 9010202 Köpenicker Landstraße 9010301 Baumschulenstraße 9010302 Späthsfelde 9010401 Johannisthal West 9010402 Johannisthal Ost 9020501 Oberschöneweide West 9020502 Oberschöneweide Ost 9020601 Schnellerstraße 9020602 Oberspreee 9020701 innere Stadt nn äußere Stadt Mehrfachbelastung n Lage nn nn nn nnn nn – nn n nn – nnn nn n nn nn – nn nn n nn nn – nn nn nn nn nn nn nnn n nn n – nn nn n nn nn – nn nn n nn nn nn nn nnn nn nnn nn nn nn nn nn nnn nn nn nnn nn – nn nn n nn nn Adlershof West – – nn n nn – 9020702 Adlershof Ost – nn nn nn nn nn 9020801 Spindlersfeld – nn nn n nn nn 9020802 Köllnische Vorstadt nnn nn nn nn nnn 9030901 Dorf Altglienicke nn nn n nn n 9030902 Wohngebiet II n nn n nn nnn 9030903 Kölner Viertel n n n nn nn 9031001 Bohnsdorf nnn n n n nn 9031101 Grünau – nn n n n nn 9031201 Karolinenhof – nn n n nn n 60 – n n nn – nn nn – n – n Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 9031202 Schmöckwitz/Rauchfangswerder – n n n n n 9041301 Kietzer Feld/Nachtheide – n n n n nn 9041302 Wendenschloß – n n n n n 9041401 Allende I – nn nn n nn nn 9041402 Allende II – nn nn n nn nn 9041501 Altstadt-Kietz nn nn nn nnn nn 9041601 Müggelheim – nn n n n n 9051701 Hirschgarten – nn n n nn nn 9051702 Bölschestraße – nn n n nn nn 9051801 Rahnsdorf/Hessenwinkel – n n n n n 9051901 Dammvorstadt – nn nn n nn nn 9052001 Köpenick Nord – nn n n n nn n Bezirk Marzahn-Hellersdorf Schlüssel Planungsraum 10010101 Marzahn West 10010102 Havemannstraße 10010203 Gewerbegebiet Bitterfelder Straße 10010204 Wuhletalstraße 10010205 Marzahn Ost 10010206 Ringkolonnaden 10010207 Marzahner Promenade 10010308 Marzahner Chaussee 10010309 Springpfuhl 10010310 Alt-Marzahn 10010311 Landsberger Tor 10020412 Alte Hellersdorfer Straße 10020413 Gut Hellersdorf 10020414 Helle Mitte 10020415 Hellersdorfer Promenade 10020416 Böhlener Straße 10020517 Adele-Sandrock-Straße 10020518 Schleipfuhl 10020519 Boulevard Kastanienallee 10020620 Kaulsdorf Nord II 10020621 Gelbes Viertel 10020622 Kaulsdorf Nord I 10020623 Rotes Viertel 10030724 Oberfeldstraße 10030725 Buckower Ring 10030726 Alt-Biesdorf innere Stadt äußere Stadt Mehrfachbelastung n n n nn n n nnnn nn nn n Lage n n n nn nnn n nn n nn nnn – n nn nnn – nn nn n nnn nnn nn n n nn nn nn n nnn nn nn nnn nnn nnn nnn n nnn nn nn nnn n nnn nn nn nn n nnn nn nn nn n nn nn nn nn n nn nnn nn nn n nnn nnn nn nnn n nnn nnn n nn n nn nnn n nn n nn nnn n nn n nnn nn n n n nnn nn nn n n nnn nnn n nn n nn n nn n nnn nnn n nnn n nn n n nn nnn nn – nn nn n nn n – nn nn n nn nn nnn nn n nn n – n nn nnn n n n n nn n nn n n n nnn nn nnn nnn nn 61 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 10030727 Biesdorf Süd – nn n n nn n 10040828 Kaulsdorf Nord – n nn n nn nn 10040829 Alt-Kaulsdorf – nn n n nn n 10040830 Kaulsdorf Süd – nn nn n n n 10040931 Mahlsdorf Nord – n n n nn n 10040932 Alt-Mahlsdorf – nn n n nn n 10040933 Mahlsdorf Süd – n n n nn n Bezirk Lichtenberg Schlüssel Planungsraum 11010101 Dorf Malchow 11010102 Dorf Wartenberg 11010103 Dorf Falkenberg 11010204 Falkenberg Ost 11010205 Falkenberg West 11010206 Wartenberg Süd 11010207 Wartenberg Nord 11010308 Zingster Straße Ost 11010309 Zingster Straße West 11010310 Mühlengrund 11020411 Malchower Weg 11020412 Hauptstraße 11020513 Orankesee 11020514 Große-Leege-Straße 11020515 Landsberger Allee 11020516 Weiße Taube 11030617 Hohenschönhausener Straße 11030618 Fennpfuhl West 11030619 Fennpfuhl Ost 11030720 Herzbergstraße 11030721 Rüdigerstraße 11030824 Frankfurter Allee Süd 11040925 Victoriastadt 11040926 Weitlingstraße 11041022 Rosenfelder Ring 11041023 Gensinger Straße 11041027 Tierpark 11041128 Sewanstraße 62 innere Stadt äußere Stadt Mehrfachbelastung n Lage nnn nn n n n – nn n n n n – nn n n n n n nn n nnn nnn nn nnn n nnn nnn nn nn n nnn nn nnn nn n nn nn n n nnn nnn nn nn n nn nn nn n nnn nn nn nn n nn nn nn nn nnn nn n nn n nn nn nn nnn nnn nn nn nn n nnn nn nn nn n nnn n nnn nn n nnn nnn nn n nnn nn nn nnn n n nn n n – n – nn n n nnn n nnnn n n n nn n nnn nn nn n nn nn nnn nn n nnn nnn nnn nnn nn nn nn n nnn nn nn nn nn nnn nn nn nn nn nnn nn n nn nnn nnn nn nn nn nn nnn nn nnn nnn nn nnn nn nnn nn nn nnn nn nnn nn nn nn nn n nnn nn nn nnn Die umweltgerechte Stadt | Der Status quo 41 | Umweltgerechtigkeit im Land Berlin 2017 (Fortsetzung) 11051229 Rummelsburg 11051330 Karlshorst West 11051331 Karlshorst Nord 11051332 Karlshorst Süd n nn nn nn n n nn nnn nnn nn – nn nn n nn n – nn nn n nn n Bezirk Reinickendorf Schlüssel Planungsraum 12103115 Breitkopfbecken 12103116 Hausotterplatz 12103117 Letteplatz 12103218 Teichstraße 12103219 Schäfersee 12103220 Humboldtstraße 12214125 Waldidyll/Flughafensee 12214126 Tegel Süd 12214421 Reinickes Hof 12214422 Klixstraße 12214423 Mellerbogen 12214424 Scharnweberstraße 12214527 Alt-Tegel nnn nn innere Stadt äußere Stadt Mehrfachbelastung nnn nnn nnnn nn nn n n n nn nnnnn nn nnnnn Lage nnn nn n nnn nn nnn nnn nn nnn nn nnn nnn nnn nnn nn n nnn nn nnn nn n nnn nn nnn nn n nn nn nnn nn n nn nn nn nn nnn nn n nnn nn nn nnn nn nnn nnn nnn nnn nnn nnn nnn nnn nn nn nnn nn nnn nnn nnn nnn nnn – n nn n nn nn 12214528 Tegeler Forst – – n n n – 12224229 Konradshöhe/Tegelort – n n n n n 12224230 Heiligensee – n n n nn n 12231101 Hermsdorf – n n n n n 12231102 Frohnau – n n n n n nn nn n nnn nn – nn nn n nn nn 12301205 Waidmannslust – nn nn n nn n 12301206 Lübars – n n n n n 12302107 Schorfheidestraße – nn nn n nn nn n nn n nnn nnn nn nn n nnn nnn nn nnn nnn nnn nnn nn nn n nn nn n nn n nn nnn nn nn nn nnn nn nn nn n nn 12301203 Wittenau Süd 12301204 Wittenau Nord 12302108 Märkisches Zentrum 12302109 Treuenbrietzener Straße 12302110 Dannenwalder Weg 12302211 Lübarser Straße 12302212 Rollbergsiedlung 12304313 Borsigwalde 12304314 Ziekowstraße/Freie Scholle n nn nn nnnn – n n – nn 63 Die Leitfragen: Wie geht es weiter? Der Basisbericht Umweltgerechtigkeit liefert eine solide Basis, um die Berliner Umweltziele zu konkretisieren. Für die nächsten Schritte sind wesentliche Kernfragen zu beantworten: Wie lässt sich Umweltgerechtigkeit in der Stadtgesellschaft verankern? Wie kann es gelingen, mehr Umweltgerechtigkeit in den Quartieren herzustellen? Und wie kann sich das Land einer breiten Mitwirkung versichern? In der Stadtgesellschaft verankern „„ Wie lässt sich die Wahrnehmung von Umweltgerechtigkeit in städtischen Abwägungs- und Aushandlungsprozessen verbessern? Welche Argumente sprechen für (oder gegen) eine stärkere Berücksichtigung des Themenfelds in diesen Prozessen? „„ An welchen gesamtstädtischen wie quartiersbezogenen Ansätzen, die derzeit konzipiert werden oder sich in der Anfangsphase der Umsetzung befinden, kann das Thema andocken? „„ Wie können praxistaugliche Handlungsansätze – das heißt: neue Perspektiven und Handlungsformen in urbanen Räumen – aussehen? Dazu gehören Konzepte, Kooperationen, Moderations- und Beratungsangebote, Aktivierungsmaßnahmen, das Verknüpfen lokaler und stadtweiter Netzwerke und das operative Umsetzen konkreter Maßnahmen. Denkbar sind gleichermaßen stadtweite Konzepte, lokale und quartiersbezogene Projekte, die neue Konstellationen von Handelnden in den Fokus rücken oder neue, an der Gesundheit orientierte städtebauliche Leitbilder umsetzen. Mehr Umweltgerechtigkeit schaffen „„ Welche Funktion kann der sozialräumlich orientierte Ansatz in der integrierten Stadtentwicklung und Umweltplanung Berlins übernehmen? Wie und wo wird Umweltgerechtigkeit im Berliner Planungssystem verankert? „„ Wie lässt sich in den benachteiligten Stadträumen mehr Umweltgerechtigkeit herstellen? Wie kann die Frühwarnfunktion des Monitorings implementiert und noch verbessert werden? Und wie können innovative Technologien eingesetzt werden, um intelligente und effiziente Lösungen für ganz unterschiedliche Bereiche der Stadtentwicklung und Umweltgerechtigkeit zu realisieren? „„ Wie sehen Handlungsbausteine aus, die die ressortübergreifende Zusammenarbeit in der Verwaltung (etwa von Stadtplanungsamt, Grünflächenamt, Umweltamt, Jugend, Gesundheit und Soziales, Bildung und Kultur, Wirtschaftsförderung und anderen Stellen) sicherstellen? 64 „„ Welche existierenden Programme, Projekte oder Ziele lassen sich mit der Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption verzahnen? Und wann entsteht ein Mehrbedarf für die Bereiche Stadtentwicklung, Städtebau, Soziales, Gesundheit und Umwelt? Welche für eine umweltgerechte Quartiersentwicklung wichtigen Themen sind bislang noch nicht in Programmen wie denen der Städtebauförderung abgebildet? Wie wirken sich finanzielle Rahmenbedingungen der Fachressorts und Bezirke aus? Welche alternativen Konzepte sind bei knappen finanziellen und personellen Ressourcen erfolgversprechend? „„ Welche raumbezogenen Herausforderungen und Handlungsoptionen sind mit den Themen Gesundheitsförderung und Prävention zum Schutz des körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens verbunden? Wo liegen Möglichkeiten und Grenzen partizipativer und kooperativer Raumentwicklung hinsichtlich gesunder Lebensbedingungen? Welche Chancen bieten Instrumente der räumlichen und der Fachplanung zur Gesundheitsförderung (health in all policies)? Breite Mitwirkung sichern „„ Wie kann Berlin mit anderen Akteuren zusammenwirken, um die Umweltgerechtigkeitskonzeption umzusetzen und weiterzuentwickeln? Wie könnte eine verbindliche, langfristige Kooperation mit Zivilgesellschaft, Wohlfahrtsverbänden, Privatwirtschaft, Stiftungen und Kirchen aussehen? „„ Welche Teile der Stadtgesellschaft können in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden? Welche Chancen und Risiken eröffnen formelle und informelle Bürgerbeteiligung für die Umsetzung? Wie sehen geeignete Verfahren und Formen von Empowerment, Aktivierung und Beteiligung aus? Welche Aufgaben können die Quartiersmanagements und andere übernehmen, die sich vor Ort um die Menschen kümmern? „„ Welche Rolle können zivilgesellschaftliches Engagement und das Wechselspiel privater und öffentlicher Verantwortung bei der Entwicklung geeigneter Strategien, Konzepte und Maßnahmen übernehmen? Die umweltgerechte Stadt | Neue Wege für Berlins Stadtpolitik Neue Wege für Berlins Stadtpolitik Mit dem Monitoring liegt eine wertvolle und empirisch fundierte Analyse vor. Sie zeigt: Der Weg zu mehr Umweltgerechtigkeit in unserer Stadt ist noch weit. Umweltgerechtigkeit sollte daher eine größere stadtpolitische Bedeutung bekommen und bietet sich als wichtiger Bezugspunkt für stadtentwicklungspolitische Strategien an. Integrierte Strategien entwickeln Die IBUk zeigt auf, wie sich diese Herausforderung angehen ließe und lässt den Analysen Vorschläge für weitere Handlungsebenen folgen: Auf Ebene der räumlichen Planung sollten Leitbilder und Leitlinien formuliert, Konzeptionen erarbeitet und stadt- und umweltplanerische Festlegungen getroffen werden – als Rahmen für das Handeln der Fachverwaltungen auf Landes- und Bezirksebene. Damit rückt die Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption die Frage der Umsetzung in den Fokus. Sie setzt dabei auf integrierte Ansätze und Strategien, denn Umweltgerechtigkeit als eigenständige Verwaltungsdisziplin mit eigenen Verfahren und Organisationsstrukturen einzuführen, wäre in Anbetracht der Fülle schon bestehender Aufgaben und der begrenzten Personalressourcen der Berliner Verwaltungen weder sinnvoll noch machbar, zumal das Konzept der Umweltgerechtigkeit vor allem eine neue beziehungsweise erweiterte Perspektive auf meist schon bekannte Aufgaben liefert. Ihre Analysen sind insofern zusätzliche Entscheidungshilfe und praxisnaher Orientierungsrahmen in einem. Umgesetzt werden sollte der Ansatz deshalb im Rahmen laufender Aufgaben. So lassen sich Aufwand und Kosten für private Akteure und öffentliche Haushalte begrenzen. Schlüsselakteure dieser Umsetzung sind die Berliner Senatsverwaltungen, die Umwelt-, Grünflächen-, Stadtplanungs- und Gesundheitsämter der Bezirke, einzelne Träger und nicht zuletzt: die Menschen in den mehrfach belasteten Quartieren. »In den mehrfach belasteten Quartieren der Hauptstadt liegen konzentriert die Herausforderungen einer integrierten sozialräumlich orientierten und ökologisch ausgerichteten Berliner Umweltpolitik. Die neue Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption (IBUk) ist ein wichtiger Baustein, um die wachsende Hauptstadt solidarisch und sozial zu gestalten.« Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Einsatz für Umweltgerechtigkeit Die gesundheitliche Belastung durch Luftverschmutzung, Lärm, unzureichende wohnortnahe Grünflächen sowie die bioklimatische Belastung sind räumlich und sozial ungleich verteilt. Es ist das Ziel der Koalition, die Anzahl der mehrfach belasteten Gebiete und die Betroffenheit der Berliner*innen deutlich zu reduzieren. Die quartiersbezogene Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption ist konsequent weiterzuentwickeln und auf Senats- und Bezirksebene zu implementieren. Städtebaufördermittel sollen gezielt unter Anwendung des Sozialatlas und der Umweltgerechtigkeitskriterien verwendet werden. Berlin gemeinsam gestalten. Solidarisch. Nachhaltig. Weltoffen. Koalitionsvereinbarung für die Legislaturperiode 2016-2021 Im Einklang mit den politischen Zielen Ein solches neues und integriertes Denken knüpft dabei nicht nur an den expliziten Willen der rot-rot-grünen Landesregierung an, der sich im Koalitionsvertrag und den Richtlinien der Regierungspolitik niedergeschlagen hat, sondern auch an bereits bestehende Vereinbarungen und Willensbekundungen. Das gilt nicht nur für das Berliner Leitbild der sozialen wachsenden Stadt. Umweltgerechtigkeit zielt zum Beispiel auf einen Interessenausgleich im städtischen Raum, wie ihn die Leipzig-Charta schon 2007 gefordert hat. Nur eine Politik, die benachteiligten Stadtteilen oder Bevölkerungsgruppen besondere Aufmerksamkeit widmet, wird den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft stärken. In ähnlicher Weise stehen die Ziele der Umweltgerechtigkeit mit den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 im Einklang. Ansatzpunkte nutzen Um für mehr Umweltgerechtigkeit zu sorgen, müssen Prozesse zur ressortübergreifenden Kooperation formiert und Verwaltungsinstrumente angepasst werden. Ansatzpunkte gibt es viele. Sie reichen von gesamtstädtischen Konzepten wie der BerlinStrategie über Programme wie die Soziale 65 Stadt bis zum Luftreinhalteplan und Lärmaktionsplan. Wie das gehen kann, hat das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) von 2012 bis 2014 im Rahmen des Bundesforschungsvorhabens Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum erarbeitet.  Difu-Studie Teil dieses Projekts war ein Planspiel mit Fachleuten aus fünf Stadtverwaltungen, darunter die des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Hierbei wurden wichtige Erkenntnisse gewonnen, die auch gesamtstädtisch von Bedeutung sein sollten. Es steht ein ganzes ausdifferenziertes Set formeller, informeller und rechtlicher Instrumente der Stadtentwicklung zur Verfügung. Leitbilder entwickeln Leitbilder (als informelle Planungsinstrumente) können für ganz Berlin wie auch für einzelne Stadträume entwickelt werden und Stärken und Schwächen identifizieren, um Ziele zu erarbeiten und Schritte zur Umsetzung zusammenzufassen. Abgestimmte Leitbilder haben Signalwirkung – nicht nur für die Fachverwaltungen. Sie machen den Mehrwert des Umweltgerechtigkeitsansatzes allen Beteiligten anschaulich. In kleinräumlichen Leitbildern für mehrfach belastete Räume können zudem mit den Menschen vor Ort lokale, quartiersspezifische Konzepte erarbeitet werden. Einmal formuliert binden solche Leitbilder alle Handelnden im Quartier durch flexible, aber starke Lösungen ein. In die BerlinStrategie | Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030 hat der Umweltgerechtigkeitsgedanke mit dem Handlungsfeld Mehr Umweltgerechtigkeit und Gesundheit durch reduzierte Umweltbelastungen bereits Eingang gefunden.  BerlinStrategie Andere existierende Leitbilder und Planungen mit stadtweiter Geltung sollten bei ihrer Weiterentwicklung die Umweltgerechtigkeitsanalysen berücksichtigen. Insbesondere Bezirksregionenprofile sind eine wichtige Grundlage der Sozialraumorientierung in den Berliner Bezirken. Der Bezirk Mitte hat 2014 die Analysen zur Umweltgerechtigkeit in die Profile seiner zehn Bezirksregionen integriert.  Bezirksregionenprofile In ähnlicher Weise könnte und sollte das Thema in die Profile aller Bezirke Eingang finden. 66 Bund-Länder-Programm Soziale Stadt und andere Programme der Städtebauförderung Im deutschlandweiten Diskurs zur Umsetzung der Umweltgerechtigkeitsidee spielt das Städtebauförderungsprogramm Soziale Stadt bislang die Hauptrolle. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit hat das Thema Umweltgerechtigkeit in die Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung 2016 aufgenommen. Vorausgegangen war eine Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Sie zeigte an Beispielen, wie Projekte der Sozialen Stadt bereits heute die Umweltgerechtigkeit verbessern.  BBSR-Studie Künftig wird das Programm Soziale Stadt verstärkt Maßnahmen für mehr Umweltgerechtigkeit fördern. Berlin sollte davon regen Gebrauch machen. BENE und weitere Förderprogramme Das Berliner Programm für nachhaltige Entwicklung (BENE) stellt Mittel für Maßnahmen, Projekte und Initiativen bereit, die zu einem klimaneutralen und umweltfreundlichen Berlin beitragen – beispielsweise für Grünräume, die die Lebens- und Umweltqualität in den Kiezen verbessern. Die neuen Umweltgerechtigkeitsanalysen dienen bei Förderentscheidungen bereits als wichtiger sozialräumlicher Indikator. Weitere kommunale Förderprogramme (etwa zur Hof-, Dach- oder Fassadenbegrünung), aber auch bestehende Programme Dritter (etwa der KfW-Bank) können ebenfalls die Umweltbedingungen in den Quartieren verbessern. Bauleitplanung Die Oberziele der Bauleitplanung listet das Baugesetzbuch auf (BauGB, § 1 Abs. 6). Umweltgerechtigkeit ist in diesem offenen Katalog zwar nicht als Begriff, wohl aber implizit enthalten: Wichtige Planungsgrundsätze gehen mit ihr konform. Sie kann zudem als Teil des Nachhaltigkeitsgrundsatzes (BauGB) gelten, den das Baugesetzbuch in § 1 Abs. 5 formuliert. Für ihre Umsetzung eignen sich beide Ebenen der Bauleitplanung gleichermaßen. So hängt Umweltgerechtigkeit maßgeblich davon ab, wo der Flächennutzungsplan (FNP) Wohn-, Misch- oder Gewerbenutzungen zulässt. Aussagen zum Thema können in einen FNP zwar nicht als nachrichtliche Kennzeichnung, wohl aber in den Erläuterungsbericht aufgenommen werden. Berlin ist diesen Weg bereits gegangen: Im FNP-Bericht 2015 findet sich das Thema Umweltgerechtigkeit als eigenständiger Punkt im Kapitel Einzelaspekte des Umweltschutzes.  FNPBericht Festsetzungen in Bebauungsplänen tragen ebenfalls dazu bei, Umweltbelastungen zu verringern und in neuen Quartieren von vornherein zu vermeiden. Dazu zählen Festsetzungen zu Art und Umfang der baulichen Nutzung oder Die umweltgerechte Stadt | Neue Wege für Berlins Stadtpolitik zu Schaffung und Erhalt von Grünflächen, Verkehrsflächen und Flächen für das Parken. Zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen (im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes) kann die Verwendung luftverunreinigender Stoffe beschränkt oder ganz untersagt werden. Auch die Begrünung von Gebäuden und Straßenräumen lässt sich auf diese Weise steuern. All diese Regelungen entfalten verbindliche Rechtswirkung. Weiterer Vorteil: Die zweifache Bürgerbeteiligung in Bauleitplanverfahren erlaubt es, Betroffene in die Diskussion einzubeziehen. Landschaftsplanung Das Landschaftsprogramm einschließlich Artenschutzprogramm (LaPro) ist ein strategisches Instrument zur Umweltvorsorge auf gesamtstädtischer Ebene. Seine aktuelle Fassung hat 2016 die Rolle des Bodens als Filter, Puffer und Wasserspeicher betont und damit den Schutz einer Ressource gestärkt, die für mehr Umweltgerechtigkeit entscheidend ist. Landschaftspläne konkretisieren die Aussagen des LaPro für bestimmte Gebiete. Sie können, ähnlich wie Bebauungspläne, Erfordernisse und Maßnahmen aufzeigen, die zur Umweltgerechtigkeit beitragen. Zugleich sind sie Grundlage der Investitionsplanung für die Qualifizierung der Freiräume. Damit können sie die Erholungsvorsorge gerade in mehrfach belasteten Räumen verbessern. Biotopflächenfaktor (BFF) Um grüne Qualitäten auch und gerade in der Innenstadt zu sichern, nutzt Berlin den Biotopflächenfaktor (BFF). Er gibt als Kennzahl an, welche Vegetationsanteile auf einer Fläche anzustreben sind. Der BFF wird als Rechtsverordnung in einem BFF-Landschaftsplan festgelegt. Planungswettbewerbe Städtebauliche, stadtplanerische und landschaftsarchitektonische Ideen- und Realisierungswettbewerbe eignen sich, um innovative Lösungen für die quartiersbezogene Umsetzung von Umweltgerechtigkeit zu finden. Bei Bauvorhaben der öffentlichen Hand gelten für diese Verfahren schon heute besondere, ökologische Kriterien, die sich um die neue Aufgabe erweitern lassen. Ökologisches Bauen Ökologische Gebäude- und Gesamtkonzepte zielen auch darauf, Sozialverträglichkeit und gesunde Lebensbedingungen zu realisieren. Gerade in mehrfachbelasteten Gebieten sollte die öffentliche Hand bei Bauvorhaben der technischen und sozialen Infrastruktur in dieser Hinsicht vorangehen. An Pilotprojekten kann Berlin zudem neue Verfahren in der Praxis testen, um ökologische Standards an den aktuellen Wissensstand anzupassen. Kooperative Baulandentwicklung Berlin schließt mit Investorinnen und Investoren städtebauliche Verträge (nach § 11 BauGB), um bei größeren Neubauvorhaben eine gerechte Verteilung der Kosten für soziale und technische Infrastruktur zu sichern. Die Stadt nutzt das Instrument zugleich, um einen Mindestanteil mietpreisund belegungsgebundener Wohnungen festzuschreiben. Seit 2014 gibt es dafür berlinweite Regeln, die seit Sommer 2015 für alle Wohnungsbauvorhaben gelten, die die Aufstellung eines Bebauungsplans erfordern. Dieses Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung bietet flexible Möglichkeiten, in gleicher Weise Vereinbarungen zu treffen, die mehr Umweltgerechtigkeit zum Ziel haben.  Baulandentwicklung Umweltprüfungen Umweltpolitik setzt auf Vorsorge. Drei Arten von Prüfungen sollen diese Vorsorge sicherstellen: Strategische Umweltprüfungen (SUP), Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) und Umweltprüfungen in der Bauleitplanung (UP). Sie alle greifen indes nur, wo Veränderungen anstehen. Insofern schließt der am Bestand orientierte Umweltgerechtigkeitsansatz hier eine Lücke. Luft- und Lärmschutzplanung Einzelaspekte der Umweltgerechtigkeit bearbeitet das Umweltressort der Landesregierung in themenspezifischen Aktionsplänen. Das betrifft die Kernindikatoren Lärm- und Luftbelastung. Mit dem Luftreinhalteplan 2011-2017 wurde erstmals die sozialräumliche Verteilung der Luftbelastung abgebildet. Auch in der Lärmaktionsplanung wurde die sozialräumliche Verteilung auf Basis der Umweltgerechtigkeitsanalysen mit herangezogen. Bei der Fortschreibung wird das Thema Umweltgerechtigkeit wo immer möglich eingebunden werden, auch wenn einzig die Stärke der Belastung und die Zahl der Betroffenen ausschlaggebend sind und keine Differenzierung nach Sozialindikatoren erfolgt. Difu-Studie Kurzlink: goo.gl/eFwL5V BerlinStrategie Kurzlink: goo.gl/eFwL5V Bezirksregionenprofile Kurzlink: goo.gl/eFwL5V BBSR-Studie Kurzlink: goo.gl/eFwL5V FNP-Bericht 2015 Kurzlink: goo.gl/j0DOox Kooperative Baulandentwicklung Kurzlink: goo.gl/ftYKVF 67 42 | Mehrfachbelastung und Förderkulissen 68 Die umweltgerechte Stadt | Neue Wege für Berlins Stadtpolitik Stärkere Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte Gesundheitliche Ansätze werden in der Berliner Stadtentwicklung noch nicht umfassend berücksichtigt. Die Umweltgerechtigkeitskonzeption bietet aber einen wichtigen Ansatzpunkt, damit auch die Gesundheitspolitik und die sie tragenden Akteure sich stärker in die umweltpolitischen und stadtentwicklungsplanerischen Prozesse einbringen und Ihre Expertise zum Tragen kommen kann. Modellvorhaben auf den Weg bringen Modellvorhaben in ausgewählten Quartieren sind ein wichtiger Baustein für die Implementierung der Integrierten Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption in das Verwaltungshandeln. Einzelne Bezirke haben hierzu bereits die Arbeit aufgenommen. Ziel von Modellvorhaben ist die praktische Erprobung und Umsetzung innovativer quartiersbezogener Handlungsansätze und Instrumente. Im Vordergrund steht hierbei, neue Ansätze für die Praxis zu identifizieren und aus ihnen übertragbare Erkenntnisse für andere Teilräume der Hauptstadt abzuleiten, weiter den Transfer in die Praxis zu organisieren und Empfehlungen für die Veränderung stadtentwicklungs- und umweltpolitischer Rahmenbedingungen zu geben. Beteiligung ausbauen Die Menschen in den mehrfach belasteten Quartieren sind Betroffene, Handelnde und Experten in einem. Sie systematisch einzubeziehen, ist unabdingbar – und zentraler Teil der Verfahrensgerechtigkeit. Wer betroffen ist, muss über die Umwelt- und Gesundheitsrisiken informiert werden. Vielen ist das Problem gar nicht bewusst. Betroffene sollen mitentscheiden, welche Strategien verfolgt und welche Maßnahmen vor ihrer Tür ergriffen werden. Es ist eine Frage der Selbstbestimmtheit; und auch entscheidend für Legitimität und Akzeptanz aller Interventionen. Dazu zählt Information und Aufklärung. Nicht minder wichtig ist es Engagement zu aktivieren und Kooperationen anzustoßen, damit aus Betroffenen Handelnde beziehungsweise Akteure werden und das Fachwissen der Menschen vor Ort Eingang findet. Die formellen Beteiligungen von Bauleitplanung, Fachplanungen oder Sanierungsverfahren sollten daher, weil sie sozioökonomisch Benachteiligte selten erreichenerweitert werden. Neue, aufsuchende und aktivierende, generationsübergreifende Beteiligungsverfahren senken die Hemmschwellen und verbessern die Chancen der Menschen vor Ort auf Teilhabe. Der Senat hat die Beteiligungsfrage daher zu einem wichtigen Thema gemacht und einen Leitlinienprozess hierzu aufgesetzt.  Leitlinienprozess Bestehende Netzwerke nutzen und neue entwickeln In vielen Quartieren wurden und werden längst Projekte realisiert, die Umweltqualität und Gesundheit verbessern. Die Quartiersmanagements haben dafür Empowermentnetzwerke aufgebaut, an die die Umsetzung der Umweltgerechtigkeitskonzeption anknüpfen kann. Sie gilt es zu nutzen und zu stärken. Auch eine Reihe von Organisationen und Verbände beschäftigen sich seit längerem intensiv mit der Umweltgerechtigkeit, andere gilt es für das Thema zu gewinnen. Umweltverbände und NGO, die Wohnungswirtschaft, landeseigenen Unternehmen und Interessenvertretungen der Wirtschaft sowie Architekten und Planungsbüros sind nur einige der Akteure, die viel zu mehr Umweltgerechtigkeit in den Quartieren beitragen können und in einen intensivierten Dialog über die Umsetzung mit einzubeziehen sind. Leitlinienprozess Kurzlink: t1p.de/u30j 69 43 | Potenzial ausgewählter Instrumente, Umweltgerechtigkeit zu erhalten und zu schaffen Instrument Relevanz für die Verbesserung gesundheitsrelevanter Umweltbedingungen Möglichkeit zur sozialräumlichen Differenzierung Bauleitplanung hoch hoch Umweltprüfung/Umweltverträglichkeitsprüfung hoch mittel Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen mittel bis hoch hoch Stadtumbau mittel bis hoch hoch Soziale Stadt mittel bis hoch hoch Anlagenbezogener Immissionsschutz hoch gering Immissionsschutz bei Verkehrswegen hoch gering Fluglärmschutz mittel gering Luftreinhalteplanung (Umweltzonen) hoch gering Lärmminderungs-/Lärmaktionsplanung hoch gering Landschaftsplanung mittel bis hoch mittel Eingriffsregelung gering bis mittel gering Bodenschutzrecht mittel bis hoch gering Stadtentwicklungsplanung hoch hoch Verkehrsentwicklungsplanung hoch mittel Freiraumentwicklungsplanung hoch hoch Klimaschutz/Klimaanpassungskonzepte hoch mittel Fachplan Gesundheit mittel mittel bis hoch Gesundheitsfolgenabschätzungen mittel bis hoch mittel Kommunaler Grundsatzbeschluss mittel mittel Quartiersmanagement gering bis mittel hoch Städtebauliche Verträge/Öffentlich-Private-Partnerschaften mittel gering Eigentümerstandortgemeinschaften mittel gering Stadtmonitoring hoch hoch Beteiligung gering bis mittel hoch Umweltbildung gering mittel Städtebauförderung mittel bis hoch hoch Kommunale Förderprogramme mittel mittel Planungs- und ordnungsrechtliche Instrumente Informelle Planungsinstrumente Organisatorische und kooperative Instrumente Informatorische und partizipative Instrumente Finanzierungsinstrumente Quelle: Christa Böhme, Arno Bunzel: Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum. Expertise »Instrumente zur Erhaltung und Schaffung von Umweltgerechtigkeit. Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin, 2014 70 Die umweltgerechte Stadt | Der Ausblick Der Ausblick Die Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption weist den Weg für einen wichtigen Prozess. Mit dem Basisbericht und den in dieser Publikation vorgelegten Analysen, den Hinweisen für die weitere Umsetzung und der Identifikation wichtiger Ansatzpunkte für Instrumente und Strategien ist ein wichtiger Aufschlag gemacht. Aber »Umweltgerechtigkeit« ist kein Thema nur für Experten und Wissenschaft. Umwelt(un)gerechtigkeit geht uns alle an, wir alle sind im wahrsten Sinne betroffen: die einen eben mehr, die anderen eben weniger. Diese Publikation soll dazu beitragen, die Debatte aus der Fachlichkeit zu holen. Stadtgesellschaft und Politik, Betroffene und Handelnde, Wissenschaft und Forschung – sie alle sollten und müssen das Thema weiter diskutieren mit dem Ziel, konkrete Strategien und Maßnahmen zu entwickeln und in die Anwendung zu bringen, die Berlin umweltgerechter machen. Zugleich müssen die Analysen vertieft und ein periodisches Monitoring etabliert werden – auch damit Wirken und Erfolg von Maßnahmen im Weiteren evaluiert werden kann. Das Monitoring etablieren Das wissenschaftlich gestützte Monitoring hat die Situation eindrücklich analysiert. Um weiterhin aktuelle Antworten auf konzeptionelle und strategische Fragen zu liefern, sollte es regelmäßig wiederholt und etabliert werden. Da die Daten für die Kernindikatoren Luft- und Lärmbelastung alle fünf Jahre umfassend erhoben werden, sollte auch das Monitoring in einem solchen Zeitraum regelmäßig erfolgen und weiterentwickelt werden. Ziel sollte dabei sein, die Datengrundlage der unterschiedlichen Kern- und Ergänzungsindikatoren möglichst vergleichbar zu halten, indem die Erhebungszeiträume möglichst eng beieinander liegen. Dabei ist auch die methodische und inhaltliche Weiterentwicklung des Monitoring anzustreben. So sollten zum Beispiel neue umweltmedizinische Erkenntnisse einfließen sowie gegebenenfalls weitere Daten der Bereiche Soziales, Umwelt und Gesundheit. Erst ein periodisch wiederholtes Monitoring wird Rückschlüsse zulassen, ob und wo Ziele erreicht werden: Zeitreihen zur Veränderung der Situation sind eine wichtige Basis der Evaluation, die die IBUk bereits vorsieht. Neben den Wirkungen sollten dann auch Umsetzungsprozesse evaluiert werden. Liefern die bisherigen Analysen alle nötigen Informationen, die Politik und Verwaltung brauchen, um zu handeln? Sind weitere nötig und wenn ja: welche? Welche Instrumente bewähren sich? Welche nicht? Und wie steht es um die konkrete Umsetzung im einzelnen Planungsraum? Berlin hat sich auf den Weg gemacht für mehr Umweltgerechtigkeit. Die IBUK liefert unabdingbare Analysen hierfür und weist die Richtung, die beschritten wird. 71 72 Die umweltgerechte Stadt | Die Mitwirkenden Die Mitwirkenden Diese Broschüre fasst wesentliche Erkenntnisse des des Basisberichts zur Umweltgerechtigkeit im Land Berlin. An dem Basisbericht »Umweltgerechtigkeit im Land Berlin« – Grundlagen für die sozialräumliche Umweltpolitik haben mitgewirkt: Dr.-Ing. H.-Josef Klimeczek Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (Konzeption, Inhalt und Projektleitung) In Zusammenarbeit mit: Gösta Baganz SRP Gesellschaft für Stadt- und Regionalplanung mbH, Dr.-Ing. Thilo Becker Technische Universität Dresden, Prof. Dr.-Ing. Udo Becker Technische Universität Dresden, Dörte Bienert Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin e. V., Christa Böhme Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH, Hartmut Bömermann Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Björn Brodner Universität Bielefeld, Christiane Bunge Umweltbundesamt, René Burghardt Universität Kassel, Jeffrey Butler Bezirksamt Mitte von Berlin, Dr. Thomas Claßen Universität Bielefeld/Landeszentrum Gesundheit, Nordrhein-Westfalen, Arno Deißler Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Horst Diekmann Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Dr. Nina Dieckmann Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Pia Dilba Leuphana Universität Lüneburg, Udo Dittfurth Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG, Daniel Eckert Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Dr. Horst-Dietrich Elvers Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin, Dr. Christa Etling GEO-NET Umweltconsulting GmbH, Dr. Ulrich Franck Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, Dirk Funk GEO-NET Umweltconsulting GmbH, Dr. Katharina Gabriel Universität Bremen, Dr. Regine Grafe ehemals Bezirksamt Mitte von Berlin, Katrin Grünert Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Prof. Dr. Ilse Helbrecht, Humboldt-Universität zu Berlin, Sabine Hilbert Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, PD Dr. Franz Hölker Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin e. V., Prof. Dr. Claudia Hornberg Universität Bielefeld, Kerstin Jahnke ASUM GmbH/Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG, Dr. Andreas Kerschbaumer Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Prof. Dr. Lutz Katzschner Universität Kassel, Dr. Annegret Kindler Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, Prof. Dr. Heike Köckler Hochschule für Gesundheit, Bochum, Prof. Urs Kohlbrenner Planergemeinschaft Kohlbrenner eG, Maria Krautzberger Umweltbundesamt, Helga Kuechly Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin e. V., Dr. Christopher Kyba Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin e. V., Prof. Dr. Tobia Lakes Humboldt-Universität zu Berlin, Mareike Limber Planergemeinschaft Kohlbrenner eG, Herbert Lohner BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Berlin e. V., Dr. Gudrun-Luck-Bertschadt Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Martin Lutz Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Susanne Lutz Lebensplan, Prof. Dr. Werner Maschewsky ehemals Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Katrin Mörer Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, Marcus Münnich Bezirksamt FriedrichshainKreuzberg von Berlin, Heidrun Nagel Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Thomas Preuß Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH, Dr. Annette Rauterberg-Wulff Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Jessica Reiter Freie Universität Berlin, Katja Scheinig Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG, Dr. Katharina Scherber Technische Universität zu Berlin, Kirsten Schipkowski Bezirksamt FriedrichshainKreuzberg von Berlin, Sebastian Schlüter Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Hedi Schreiber Umweltbundesamt, Prof. Dr. Brigitte Schulte-Fortkamp Technische Universität Berlin, Dr. Tim Schwarz Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Prof. Dr. Oliver Schwedes Technische Universität Berlin, Peter Trute GEO-NET Umweltconsulting GmbH, Prof. Dr. Martin Voss Freie Universität Berlin, Julia Wagner Bundesinstitut für Bau-, Stadtund Raumforschung (BBSR), Prof. Dr. Ulrike Weiland Universität Leipzig, Jörn Welsch Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Dr. Michael Zschiesche Unabhängiges Institut für Umweltfragen e. V. Berlin (UfU) 73 74 Die umweltgerechte Stadt | Impressum Impressum Herausgeber Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Öffentlichkeitsarbeit Am Köllnischen Park 3 10179 Berlin www.berlin.de/sen/uvk/ Konzeption, Inhalte und Projektleitung Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Abteilung Umweltpolitik, Immissionsschutz und Abfallwirtschaft Dr.-Ing. H.-Josef Klimeczek In Zusammenarbeit mit Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Abteilung Stadtplanung Abteilung Geoinformation sowie Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG Weitere Mitwirkende Amt für Statistik Berlin-Brandenburg Bezirksamt Mitte von Berlin BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Berlin e. V. Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Humboldt-Universität zu Berlin, Geografisches Institut Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin e. V. Technische Universität Berlin, Fachgebiet Technische Akustik Technische Universität Berlin, Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung Technische Universität Dresden, Fakultät Verkehrswissenschaften »Friedrich List« Umweltbundesamt Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung Universität Kassel, Fachgebiet Umweltmeteorologie Universität Leipzig, Institut für Geographie Fachliche Unterstützung und Datenbereitstellung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Referat Stadtentwicklungsplanung Referat Geodateninfrastruktur Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Referat Naturschutz, Landschaftsplanung, Forstwesen Referat Immissionsschutz Fachliche Unterstützung und Umweltmedizin Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Referat Öffentlicher Gesundheitsdienst, Prävention und Gesundheitsförderung, Familienplanung Transplantationsmedien, Infektionsschutz, Umwelthygiene, Arzneimittelwesen und Medizinproduktsicherheit Lektorat Louis Back www.louisback.com Layout Fürcho GmbH www.fuercho-gmbh.de Berlin, Februar 2019 75 76 Eine sozial gerechte, aktive Umweltpolitik muss darauf zielen, überproportionale Umweltbelastungen einzelner Stadtquartiere abzubauen. Sie sind oft vom sozialen Status abhängig. Vorausschauende Planungs- und Handlungsansätze minimieren vorhandene Ungleichheiten dieser Art und verhindern, dass neue entstehen. Berlin hat sich mit der Integrierten Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption (IBUk) des Themas angenommen. Sie liefert einen Orientierungsrahmen für ein Handlungskonzept, das Umwelt-, Gesundheits- und soziale Aspekte berücksichtigt, um mehr Umweltgerechtigkeit herzustellen. Die Berliner Politik hat sich vorgenommen, die IBUk konsequent weiterzuentwickeln. Ausgangspunkt ist eine sorgfältige Problemanalyse. Sie basiert auf fundierten Daten zur sozialen Verteilung von Umweltbelastungen und deren gesundheitlichen Auswirkungen. Diese Broschüre stellt die Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption vor und legt einen Schwerpunkt auf die Umweltbelastungsanalyse. Sie macht zudem wesentliche Grundlagen für die Umsetzung der IBUk transparent und gibt Impulse, Anregungen und Handlungsempfehlungen. Sie richtet sich an alle Handelnden, vor allem an die planenden Bereiche der Berliner Verwaltung, an Umwelt- und Sozialverbände und an die Betroffenen in den hochbelasteten Quartieren. Mit der neuen Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption liegt bundesweit erstmalig eine sozialraumbezogene Umweltbelastungsanalyse vor. Berlin übernimmt somit eine Vorreiterrolle auch mit Blick auf andere europäische Metropolenräume. Die IBUk ist ein wichtiger Baustein, um die wachsende Hauptstadt und auch andere Großstädte im Sinne eines ökologischen Aufbruchs solidarisch, nachhaltig zu gestalten. © Nikolaus Fürcho In mehrfach belasteten Planungsräumen konzentrieren sich die Herausforderungen einer integrativen, sozialräumlich und ökologisch ausgerichteten Umweltpolitik. Von zentraler Bedeutung wird sein, wie Berlin gesundheitliche und sozioökologische Parameter nachhaltig und verbindlich in die Verkehrsinfrastrukturplanung, die Bauleitplanung, die städtebaurechtliche Planung und die Städtebauförderung einbinden wird und wie der ressortund fachübergreifende Ansatz der Umweltgerechtigkeit in einem offenen Prozess zum neuen Leitbild erweitert und um praktische Erfahrungen ergänzt werden kann. Das ist eine der Kernaufgaben quartiersbezogener Stadtentwicklungs- und Umweltpolitik. Berlin trägt Verantwortung für kommende Generationen.
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