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Zur Geschichte der Berliner Festungswerke

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

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Klostcrstraße als Sackgasse endete, am sogenannten Gcckhol, standen wahrscheinlich 
zwei Thürme von starker Struktur nicht weit von einander entfernt. Der eine 
derselben ist, wie der Lhronist posthius berichtet, 141S erbaut, eine Nachricht, die 
nicht im Mindesten in Zweifel zu ziehen ist. Schließlich vom Gcckhol über das 
Spandauer Thor hinweg bis an die Spree an der Stelle der jetzigen Friedrtchs- 
brucke nahm die Mauer ebenfalls einen geraden Verlauf. Am Spreeufer stand 
dort der Mönchthurm in der Nähe der Mehre oder Mönche, welche die Wasser« 
Zirkulation in den Stadtgräben zu rcgulircn hatten. Dieser Thurm erhob sich auf 
einem weit vorspringenden Unterbau und war lediglich in Ziegelstein erbaut und 
nur auf Feldsteinmauerwerk fundamentirt. Das kolossale Fundament wurde erst 
1861 bei der Erbauung der Börse entfernt. Am Fuße des Mönchthurms, der das 
Wasser zu bestreichen hatte, zog sich quer über die Spree der alte Unterbauin, 
eine zur Sicherung der Stadt gehörige Stoccate, d. h. eine Reihe von eisen« 
beschlagenen und in den Grund eingerammten pfählen, die nur eine schmale Durch- 
fahrtstraße offen ließen. Die Einfahrt war durch einen Ouerbaum gesperrt, derWächter 
am Spandauer Thor hatte die Oessnung und Schließung des Engpasses zu be 
sorgen. posthius berichtet, daß das pfahlwerk des Unterbaums 1407 erneuert 
wurde, und noch 1855 traten die Pfahlreste bei einem besonders niedrigen Wasser 
stand zu Tage. Das Oberwasser wurde im Mittelalter durch eine Stoccate an 
der heutigen Kleinen Stralauer Straße gesperrt. 
An der Spree hatte Berlin nur zum Theil Mauern aufzuweijen, und zwar 
hing hier der Mauerzug genau mit der Befestigung von Lölln zusammen. Gegen 
Lölln hin war Berlin offen und es war auch bei der intimen Verbindung 
der beiden Städte keineswegs eine hermetische Abschlicßung erforderlich. Di? 
Trennung der Städte wurde lediglich durch eine hölzerne Gitterthür an der Langen 
Brücke bewirkt. Lölln war einerseits durch die Spree, andererseits durch einen 
Wasserlauf und durch Sümpfe vollständig eingehegt, auch der jetzige Lustgarten 
war ursprünglich ein wüstes Morastgebiet. 21» der Berlin abgekehrten Seite besaß 
Lölln im Mittelalter Festungswerke, die nach demselben System wie die Berliner 
angelegt waren, von der Landspitze an der heutigen Inselbrücke lief die Mauer 
immer am Wasser entlang bis in die Nähe des zukünftigen Kaiser Wilhelm-Denk 
mals, durch außerordentlich zahlreiche und regelmäßig angeordnete Weichen, 
Brustwehren, Zinnen verstärkt, ebenso fehlte es nicht an wuchtigen Rundthürinen, 
das Köpenicker- und Gertrc udten-Thor dienten als Stadtausgänge. 2Iller Wahr- 
schcinlichkit nach erstreckte sich der nördliche Zug der Eöllner Stadtmauer über 
den Lustgarten bis zur Kaiser Wilhelm-Brücke und endigte gegenüber dem 
Punkt, wo jenseits der Spree in einem Rundthurm die Berliner Mauer einen 
Abscbluß fand. Berlin überragte Lölln an Längsausdehnung um die Strecke 
zwischen der Neuen Friedrich- und Kaiser Wilhelm-Straße und andererseits um
        
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