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Relation von Zerspringung des Pulver-Thurns

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

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und wurden mit geiödtet, das dritte aber als ein gebrechliches, kam glücklich 
davon. 
„Lines Arrendatoris zu Bießdorf zehnjähriges Töchterlein, so in des 
Cantoris Wohnung befindlich war, wurde durchs Pulver verbrandt, und an 
beiden ^füßen zerschmeitert, starb aber nach dazu gestoßenen kalten Brande, nach 
5. Tagen." 
ITiit eben derselben Ausführlichkeit, welche den bei Unglücksfällen nie kargenden 
modernen Lokal-Beportcr zu beschämen geeignet ist, behandelt Johann Friedrich 
Walther die Todesfälle der erwachsenen Personen. Lr erzählt, wie grauenhaft 
verunstaltet die zwölf Bombardiere gewesen, wie eine vorübersahrende Post von 
dem Alauersturz betroffen, wie das Geschick drei alte Spittclweiber ereilt und 
wer dann noch auf der Unglücksstäite geiödtet. „Der Küsterin Schwester, eine 
Bürgerfrau, hatte eben zu der unglücklichen Stunde derselben zugesprochen, ward 
aber dergestalt niedergeschlagen, daß sie nebst ihrer Jaucht, indem sie hoch schwanger 
gewesen, höchst erbärmlich sterben müssen." Bis wie weit hin der Thurmeinsturz 
sich fühlbar gemacht hat, beweist folgende Stelle: „Lines Staats-Nmisrers 
Wasch-Mädgen ward ohnweit dem Schlosse auf der Bleiche an der Spree, welche 
an die 600. Schritte weit vom Thurn abgelegen, durch eine Kugel geiödtet." 
Desgleichen unterläßt der Berichterstatter nicht, nachzuweisen, „wie einige Menschen 
mitten in der Todes-Gefahr, dennoch durch Göttliche Alimacht glücklich erhalten 
worden". 
Line werthvolle Beigabe zu der Walther'schen Schrift sind die Kupfer, welche 
nach den etwas naiven Zeichnungen des Verfassers gestochen find. Da giebt er 
einen „perspectivischen Prospekt" von der Walistraße, aus welcher sich die Neue 
Iäiedrichstraße später entwickelt hat, mit all den erschrecklichen Linzelheiien der Kata 
strophe. An dem stehengebliebenen, tief aufgerissenen Thurmstumpf und an der 
daran grenzenden Stadtmauer erscheint der untere Theil bis etwa 12 höhe 
aus Granitfindlingen ausgemauert. Die Häuserreihe der Wallstraße mit den 
durchgehends acceptirten Mansardendächern zeigt das früheste Beispiel des mono 
tonen Miethskaftrnenstils in Berlin. Diese Bauart geht Hand in Hand mit dem 
aufkommenden Militarismus. Die übrigen Kupfer haben, was die Darstellung 
der miitelalteilichen Befestigung anlangt, nur einen relativen werth. In einem 
Prospekt des Heiligengeist-Viertels von 1700 ist an der alten Stadtmauer keinerlei 
Gliederung angedeutet, der Mönchsthurm an der Spree ist notorisch unrichtig ge 
geben, ebenso hat Wallher von dem 1708 niedergerissenen Spandauer Thorhause 
keine rechte Vorstellung mehr, er entsinnt sich nur noch des der Stadt zugekehrten 
Staffelgiebels. Nun, die Zeichnungen sind eben, wie der Herr (Organist selber 
herausgefühlt, „nicht in allen Stücken, so wie ich's gewünfchct, gerathen", hätte 
der gute Mann und so manch Anderer, der bildliche Darstellungen des alten Berlin 
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