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Am Spandauer Thor

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

Am Gpanöauer Thor. 
* 
„potztausend, da liegen ja ein paar Galoschen!" sagte der Geheime Arcbiv- 
rath Dcutebold, als er an einem späten Mai-Abend des Jahres 1841 das paus 
eines Studienfreundes am Monbijou-Platz verließ, um den Heimweg anzutreten. 
„Scheußliches Wetter heute, werde mir einen unsterblichen Schnupfen holen, wenn 
ich mit den dünnen Sticfelsohlen durch die Pfützen nach Hauff waten soll, also 
flugs die Galoschen an, morgen schicke ich sie dem Professor wieder zurück. — 
Nanu, die passen ja wie angegossen!" Der gute Dcutebold ahnte nicht, daß er 
die berühmten Galoschen des Glücks angezogen hatte, von denen Andersen das 
wunderschöne Märchen erzählt hat. Line gütige Ire hatte dem Geheimrath die 
Neberschuhe an die Fuße gezaubert, damit ihm in gewissen historischen Dingen 
einmal ein Licht aufgehe. Jedes Kind weiß, daß den Galoschen die Wunderkraft 
innewohnt, den jeweiligen Träger in das Land und in die Zeit zu versetzen, 
wohin gerade seine Gedanken gehen, Herr Deutebold, ein Mitarbeiter der 
„Märkischen Forschungen", deren erster Land in jenem Jahre erscheinen sollte, 
dachte der alten Zeit. Cr seufzte aus Herzensgrund, als er die am Abend in 
gelehrten Diskussionen angeregten Gedanken fortspann. „Cs ist nichts Gefcheidies 
herauszubringen aus dieser Hand voll Urkunden und Chroniken. Cin Geschwafel 
um Lappalien herum, die uns heute den Teufel nicht mehr interesstren. Gevaticr 
Hinz soll dem Gevatter Kunz zwei Pfund Pfeffer liefern, ich habe nichts dagegen, 
aber warum darüber eine so umständliche Urkunde? Und nun gar der auf per- 
gament fein säuberlich aufgemalte Steckbrief hinter einem weggeflogenen Falken! 
LumpereienI Wenn ich nicht bis morgen Herauskriege, wie das Spandauer Thor 
ausgesehen hat, bin ich im Verein blamirt. Ich sehe schon, wie Herr von 
Raumer wieder sein spöttisches Lächeln aufsteckt. Ach, hätte ich doch Theo, 
logie studirtl"
        
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