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Das markgräfliche und kurfürstliche Berlin

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

weg gegen die Stadt und stellte 15 Klagepunkte auf. Aber die Berliner weigerten 
stä', vor dem aus den Ständen gebildeten Gerichtshöfe in Spandau zu erscheinen, 
und wiesen überhaupt alle Verniittelungsvorschläge schroff zurück. Aber der Kur 
fürst war so offenbar in seinem Recht und gewann durch eine wahrhafte Engels- 
geduld so sehr die Sympathien der Rlark, das; die Berliner sehr bald völlig isolirt 
dastanden und endlich nicht umhin konnten, reunrüthig zu Kreuze zu kriechen. 
Zum Glück liest der Kurfürst das Gesetz nicht in aller Strenge walten, es wurden 
den Hauptschuldigen allerdings sehr harte Geldbußen auferlegt, Einzelnen auch das 
Leben abgesprochen, aber im Großen und Ganzen hätte die Sache noch schlimmer 
ablaufen können. Der Rechtshandel Berlins mit dem eisernen Kurfürsten brachte 
die Vernichtung der städtischen Freiheit, von diesem herben Schlag hat sich die 
Stadt erst nach Jahrhunderten erholt, das ehedem trotzig stolze Gemeinwesen ist 
von nun an als eine kleine Landstadt zu kennzeichnen, der impulsiven Entwicklung 
war die Spitze abgebrochen. 
Im 16. und 17. Jahrhundert verlieh die kurfürstliche Hofhaltung der Stadt 
Berlin rin neues Gepräge. Die alte Ritterburg Friedrich's II. wurde zu einem 
prächtigen Schloß unter der Regierung Ioachinr's II., rauschende Feste wurden hier 
veranstaltet. Der Hos zog auch eine neue Klasse von Einwohnern in die Stadt, 
die kurfürstlichen Kavaliere, welchen in der Rangordnung der vortritt vor den 
alten rathsfähigen Bürgergeschlechtcrn zukam. Das Wohlleben und der Luxus 
machte an der bürgerlichen Grenze in der Folge nicht mehr Halt, Berlin wurde 
in gewisser Hinsicht eine üppige Stadt. Im Großen und Ganzen ging der frühere 
städtische Wohlstand indessen unter dem Leben in Saus und Braus bedeutend 
zurück, dazu verschlechterten sich zusehends die merkantilen Verhältnisse. Das 
mächtig ausblühende Kursachsen zog den Handel an sich heran und dcs Weiteren 
erwuchs in der Universitätsstadt Frankfurt Berlin eine gefährliche Konkurrentin. 
Die Ausstellung zeigt uns nun Alt-Berlin als eine ärmlich kleine Stadt, die 
Schrecken dcs eben überstandenen Dreißigjährigen Krieges hatten die Einwohner 
schaft erheblich gemindert. Aber da jenseits der Langen Brücke restdirt im Schloß 
seiner Väter ein mächtiger Herr, der gar bald die kleine Residenz zu einer ansehn 
lichen Stadt herangebildet hat. Wir sind eben noch in der Lage, das idyllische 
Kleinleben des mittelalterlichen Berlin vor uns aufgerollt zu sehen. Aber schon 
pocht eine große entwicklungsstarke Zeit, an die ehrwürdigen Thore und Mauern, 
das Alte wankt und das Neue spinnt die Fäden an zu dem unaufhaltsamen 
Wachsthum der Weltstadt, deren Glanz uns heute mit Stolz erfüllt.
        
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