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Die moderne Einquartierung in Alt-Berlin

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

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Schott. Die Wandfüllungen sind von Zweigwerk umrahmt, das Bild der be 
rühmten Brauerei wird von zwei ingrimmigen heraldischen Löwen bedroht, da ist 
ein „Gierschlunck", wie der Alt-Berliner sagte, der den frommen Wunsch hat, 
das rothe weer möchte Pilsener sein und in einem Zuge in sein geöffnetes wund- 
portal einmünden, dann sitzt eine Waus da, welche vor dem Gefressenwerden 
den Kater mit einem beweglichen Thränenerguß apostrophirt, eine Fliege will 
einem ungemüthlichen Klops den Knochen streitig machen und was der Scherze 
mehr sind. 
In den Prachthäusern 13—16 am warkt haben die Brüder Rach mann 
eine Ausstellung keramischer und Glas-Erzeugnisse böhmischer Herkunft veran 
staltet. Das Stammhaus der Firma befindet sich in Haida und unter den 
tausenderlei Dingen treffen wir manches Stück an, dessen Art und Gebrauch in 
die Vorzeit zurückgeht. In dem Fachwerkbau Nr. 21 giebt es Cigarren der Firma 
Hermann Krause-Eharlottenburg, ebenso in dem Bause Rr. 59 in der Spandauer 
Straße nahe dem Thor. In beiden Fällen handelt es sich um naturgetreue Nach 
bildungen alter Tabaksläden. Nebenan am warkt „Gegen dem Rathhause" 
Nr. 22 hat der Hoflieferant Luigi Tasalta seine Lorallen, Lameen, wuschel- 
schnitzercien und wosaikarbeiten ausgelegt, der Laden ist einfach ausgestattet, 
den eigentlichen Schmuck bilden die hübschen bunten Sachen. Line ganz 
aparte Sehenswürdigkeit ist sodann die Nr. 26 belegene altholländische Theestube 
in Delfter Art von L. Ford. Die altdelfter wajolika-walereien, dann gar ein 
treffliches Gemälde aus der holländischen Schule des 17. Jahrhunderts „Der ver 
kauf Iofeph's" von Heerschapp verleihen der gemüthlichen Stube ein Gepräge 
seltener Art. In dem Patricierhaus Nr. 29 mit dem chokoladenfarbigen Anstrich 
hat sich kennzeichnender weife die Blooker'sche Lacao-Stube von wilh. Ludw. 
Schmidt installirt. Auch hier handelt es sich um ein echtes altholländisches 
Interieur von hohem Reiz. Die Stube repräfentirt ein altfriesisches Wohnzimmer, 
die wände sind mit Kacheln ausgelegt. Die aus massivem Eichenholz gefertigte» 
wöbet sind eigens in der Provinz Friesland angekauft. Neben reichgeschnitzten 
Eichenschränken stehen alterthümliche Truhen und Laden, in welchen die Bewohner 
ihre Schätze bargen. Die Stühle stammen aus einer Dorfkirche. Die Geschäfts 
führerin der üakaostube ist nach echt friesischer weise gekleidet, sie trägt den reich 
lich mit Diamanten besetzten goldenen Kopfschmuck und eine Haube aus echten 
Spitzen, während die übrigen Verkäuferinnen die Kletdertrachten der Provinz 
Zecland, speziell die der Stadt Goes angelegt haben. Ein ganz besonders an 
ziehendes holländisches Vergnügungs-Etablissement ist der Irrgarten der Raamlozc 
vennotfchap Doolhof-Waatschappij. wie man am Labyrinth des Königs winos 
von Kreta ersteht, sind die Irrhöfe uralt. Aber in Alt-Berlin läuft man nicht 
Gefahr, von einem winotaurus gefressen zu werden, es ist vielmehr eine gefpaßige
        
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