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Die moderne Einquartierung in Alt-Berlin

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

Die moderne Einquartierung in Alt-Berlin. 
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Wenn eine Stadt gegründet wird, stellt sich zuerst eine Schaar obdachloser 
Kolonisten ein. Dann erst geht es an ein eiliges Lauen und Mauern, Hier 
aber in Treptows gesegneter Feldmark war es umgekehrt. Monate lang harrte 
eine unbevölkerte Stadt der Dinge, die da kommen sollten. Die jungfräulichen 
Bauwerke fragten mit ihren blanken Fenster-Augen: wer wird mich nehmen? 
Da hieß es denn: mußt dich an Herrn Julius Kaufmann wenden, der wird 
dich schon an den Mann bringen. Und es geschah also. Da kamen denn die 
Ueu-Berliner und ergriffen Besitz von der Stadt ihrer Väter. Aber halt! ihr 
guten Leute, so einfach und ohne Ceremonie, wie ihr euch das denkt, geht es 
nicht. Karl Hofsacker hat die wundersame alte Stadt nicht hingestellt, damit 
ihr euch darin in hochmodernen Lebensgewohnheiten ergehet, fügt euch in den 
Geist der alten gutpatriarchalischen Zeit, werdet Alt-Berliner! Ja, das war ein 
schweres Stück Arbeit, gerade in Berlin, der Stadt des unaufhaltsamen Fort 
schritts, wo man heute nicht mehr weiß, wie es gestern war. Aber im Großen 
und Ganzen hat stch der Umwandlungs-Prozeß doch ganz gut angelassen; wenn 
man hie und da ein Auge zukneift, hat man schon das alte Milieu jener Zeit, 
wo der gewaltige, lockenumwallte Kurfürst dem leckeren Schlachtvieh in den Straßen 
seiner Residenz den Krieg erklärte. Alle diese Schwierigkeiten muß man stch ver 
gegenwärtigen, wenn man eine Vorstellung von der umfangreichen Arbeitsleistung 
gewinnen will, die Herr Handelsrichter Julius Kaufmann in seiner Eigenschaft 
als Direktor der Gesellschaft m. b. H. „Alt-Berlin" zu einem guten Ende geführt 
hat. Cs war gewiß nothwendig, daß all die verschlungenen Fladen in einer 
festen Hand zusammenliefen; Interessen, Wünsche, Forderungen idealer und ge 
schäftlicher Uatur stürmten in bunter Fülle zuhauf, da war mehr als ein gordischer 
Knoten zu durchhauen oder besser noch in Grazie zu entwirren, und Herr Kauf 
mann war für die Grazie. Als es an die Cinquartirungsarbeit ging, da war
        
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