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Ein Blick auf Alt-Cölln

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

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Marmor aufgestellt, aber merkwürdiger Weise nicht auf Postamenten, wie es beute 
geschieht, sondern die Götter und Göttinnen standen auf der ebenen Lrde. Lin 
ganz schnurriger Anblick. Der kurfürstliche Lustgarten bat in dem Löllnischen Stadt 
richter Nicolaus peucker, dem Dichter der „Wohlklingenden lustigen pauke", einen 
beredten Lobredner gefunden. Der berühmte paukendichter hat auf den Kur 
prinzen Karl Lmil ein Wiegenlied von ergreifender Innigkeit verfaßt. Darin ist 
die Schönheit des Lustgartens in folgenden schwungvollen Versen gewürdigt: 
Schlaf, Thurprinz, Friedrich Wilhelms Sohn, 
Damit Du größer wirst, 
Und endlich Deines Vaters Thron 
Besitzest als ein chürst. 
Ts liegt noch keine Sorg auf Dir, 
Drum schlaf und weine nicht. 
Der Krieg, das ungeheure Thier, 
Steht draußen, wie man spricht, 
wir lassen ihn noch nicht herein, 
Und kommt er unvermuth, 
So sagen wir, Du bist noch klein, 
Tin Schelm, der Dir was thut. 
Drum schlaf, es hat noch keine Noth, 
Wann ist nicht Krieg geschehn? 
Und morgen, wils der liebe Gott, 
Soltu den Garten sehn. 
Der Garten, den Dein Vater hat 
So wunderschön gebaut, 
Desgleichen Rabvlon, die Stadt, 
Kaum jemals angeschaut. 
Du wirst Dich wundern uni ien Mann 
Mit einem Gabel-Stiel, 
Der Wasser von sich spritzen kann, 
Sobald der Gärtner will. 
Du siehst den Wunderschönen Klee 
Dein Lenz entgegengehn, 
Und Männerchen, weiß als der Schnee, 
Nach guter Ordnung stehn. 
Du kommst ins Pomeranzen-Haus 
Und probest den Geschmack, 
lind liesest die Citronen aus, 
Die Melschland kaum vermag. 
Nach diesem hältst Du Nittagscuh 
Und wenn Du bist erwacht, 
So zeigt inan Dir die mülke Kuh, 
Aus Holland hergebracht. 
Man «eiset Dir den Reiher-Stand, 
Unlängst hier angelegt, 
Und wie bald hier bald dort ein Band 
Das Wild mit Heu verpflegt. 
Man führt Dich auf den neueil Berg 
Und zeigt Dir Hirsch und Wild, 
Die neue Spree, das Schleusenwerk, 
Und was noch sonst viel gilt. 
Schlaf also, lieber Thurprinz, schlaf, 
So sollst Du alles sehn; 
wird das nicht stattlich sein und prav? 
Ja, ja es soll geschehn I
        
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