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Georgen-Straße

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

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wanderte der Inhalt der Müllschippe nicht in den 
Wagen, sondern regnete in die „jute Stube" des 
Nachlässigen hinein, der obenein noch für seine 
Saumseligkeit blechen mußte. Man sollte sich 
nun denken, daß das geholfen hätte. Cs hat 
nicht geholfen. Noch im 18. Jahrhundert sah es 
auf den Berliner Straßen sehr böse aus. Uebrigens 
hat Berlin, andere 
Städte natürlich nicht 
ausgeschlossen, in den 
schon erwähnten engen 
Durchgängen zwischen 
den einzelnen Däusern 
ganz rabiate Schmutz 
kloaken besessen. In den 
Durchgängen wurden 
nicht blos alte Stiefel 
abgeladen, sondern auch 
allerhand Dinge, die ich 
nicht näher kennzeichnen 
will. Daß hier auch 
Liebespaare Zuflucht 
suchten, geht aus der Bezeich 
nung „Minnewinkel" hervor. 
Doch ich muß mit eineretwas 
anmuthtgeren Schilderung den 
Rundgang schließen. Die Alt- 
Berliner haben als echte Nieder- 
fachsen immer eine besondere 
Vorliebe für die Schweinezucht 
gehabt. Das rosige Fleisch 
der Dickhäuter war der Haupt 
bestandtheil der Hausmanns 
kost. Man muß sogar an 
dem bloßen Anblick der grun 
zenden Thierletn schon seine 
ötraßen-Jdsll. Freude gehabt haben. Denn 
sehr viele Bürger legten ihre Schweinekoben direkt unter den Stubenfenstern an der 
Straße an. Da kam es denn nur zu häufig vor, daß die muthwilligen Gassenbuben 
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