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Full text: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei / Khaynach, Friedrich von

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Ereignis zieht ein neues nach sich und so fühlt sich der 
Akademiedirektor Werner veranlaßt, gegen seine drei un 
gezogenen „Untergebenen" Heyden, Vogel und Skarbina ein 
Disziplinarverfahren beim Kultusminister zu beantragen. 
Er hatte nur zu recht. Diese Störer des langjährigen 
Kunstschlafes in der Reichshauptstadt mußten mit Schimpf 
und Schande weggejagt, womöglich „zerschmettert" werden, 
um einen Ansspruch Wilhelm II. zu gebrauchen. Im all 
gemeinen wird eine Disziplinaruntersuchung in Preußen nur 
»i Fällen grober Verstöße gegen Sitte und Anstand an 
gewandt, oder bei Verbrechen, die wider das Strafgesetzbuch 
verstoßen. Indes zu einer Untersuchung über die drei Ver 
brecher kam es nicht. Sie zogen cs vor, freiwillig den 
Staub von ihren Künstlerpantoffeln zu schütteln und kamen 
uni ihren Abschied ein, den sie auch gerne erhielten. Ein 
winzig Häuflein den Tod und den Zorn Werners verachtender 
Akademiker hatte den Mut, die drei Geächteten in einem 
feierlichen Leichenmahle wegzuessen. 
Der Berliner Akademie waren-dnrch dieses Vorgehen nicht 
nur allgemein beliebte Lehrer, sondern auch die letzten wirk 
lich echten Künstler entzogen worden. Und je geringer die 
Konkurrenz, denn jetzt haben nur noch Meyerheim und 
Bracht unter dem ^lten Lehrergerümpel der Akademie einen 
größeren Namen, desto heller kann SEIN Name strahlen, 
mit dem ich mich sogleich ganz nnterthänigst beschäftigen 
werde, um die Verdienste und Orden, die er im Laufe der 
Jahre sich verdiente, ins hellste Licht zu rücken, damit männig- 
lich weiß, was er von einem großen Manne zu halten habe, 
wenn er die Frage auswirft: Wer ist eigentlich dieser Anton 
von Werner? 
Teuerster Leser! Oft genug haben meine geringen 
Augen ihn gesehen, als ich noch, was ja einige Jährchen 
her ist, als Akademiker verzweifelt Köpfe und Akte mit 
Kreide herunterwischen mußte, wenn ich ihn auch nur an 
passant sah. Namentlich wenn auf den Klassen Zigaretten
        
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