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Full text: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei / Khaynach, Friedrich von

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Wohl nur durch ein Mißverständnis, vder durch die Nieder 
tracht schlechtgesinnter Vereinsmitglieder wurde ein bis da 
hin ziemlich unbekannter Norweger, Namens Munch, ein 
geladen, seine Bilder dort auszustellen. Warum sollte er diese 
ehrende Einladung nicht annehmen? Er packte also viele 
Kisten und Kasten voll Gemälde und dieselben kamen auch 
glücklich in der Wilhelmstraße au. Aber, v Schrecken! Als 
mau die Sache bei Licht besah, da fand man, daß es die 
gottlosesten Freilichtbilder, überhaupt ganz verrücktes Zeug 
sei, und kaum waren die Gemälde sichtbar geworden, da er 
hob ein Teil der Berliner Künstlerschaft feierlichen Einspruch 
gegen diese Ausstellung „im Namen der heiligen deutschen 
Kunst" und beantragte deren augenblickliche Schließung. Die 
.Folge dieser echten Berliner Gastfreundschaft einem eigens 
eingeladenen Künstler gegenüber war natürlich nicht etwa 
die Vernichtung der Herrn Munch, sondern eine ungeheure 
Reklame für ihn. Um zunächst meinen Standpunkt diesen 
Bildern gegenüber festzustellen, so muß ich gestehen, das; ich 
noch keines der Munchscheu Werke gesehen habe. Daß ich 
trotzdem ein sehr günstiges Vorurteil für sie habe, muß inan 
mir verzeihen. Der Wert der Bilder ist übrigens angesichts 
der ausdrücklichen Einladung Per Berliner gleichgültig, und 
schlechter als die besten Bilder im Architektenhause werden 
sie schwerlich sein. Die stillen, langweiligen Sale ander 
Wilhelmstraße bevölkerten sich jetzt und der gebildete und 
ungebildete Kunst- und Galleriepvbcl strömte in hellen Haufen 
zu dem Spektakel. Das war die erste Reaktion gegen die 
Ächtung, dann schwenkte, wie üblich, die Tagespresse um, und 
Herr Munch, der zuerst verrissen und verhöhnt war nach allen 
Dimensionen, wurde nun gar gewaltig gelobt und als neuer 
Stern gepriesen. Dann aber traten gegen diese brutale 
Vergewaltigung der freien Kunst eine Reihe wirkliche Künstler 
auf, darunter Max Liebermaun und die Akademieprofessvreu 
Vogel, Skarbina und Heyden, und protestierten in einer 
öffentlichen Erklärung gegen diese Behaudlungsweise. Jedes
        
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