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Full text: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei / Khaynach, Friedrich von

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gelehrte — dafür werden wir im Diesseits und Jenseits 
von den seligen Fleischtöpfen ausgeschlossen. 
Was von de» frommen Malern im Heiligenscheine ge 
sagt wurde, das gilt auch für die wasserdichtesten und un 
zweifelhaftesten germanischen Knnstberserker. Die besten 
Patrioten pflegen die schlechtesten Maler und Poeten zu 
sein, sie reden viel mehr vom Vaterland, als das Vaterland 
von ihnen. Alles Große kann nur in der Einsamkeit ge 
deihen und reisen, nicht aber im Getöse der riesenhaften 
Luxusstädte, wie Berlin eine ist. Dem politischen Schwindel und 
dem Tageslärm gegenüber ist Resignation und Zurückgezogen 
heit des Künstlers Pflicht. Er sollte sich nicht dazu her 
geben, für irgend eine Dynastie oder für gleichgiltige Waffen- 
erfvlge des Reiches die Lärmtrommel zu rühren, wie es 
Koner, A. v. Werner und Werner Schuch, sowie eine große 
Kette unnennbarer und unzählbarer kleinerer Anstreicher 
thun. Werner vor allem erscheint als Typus für eine ge 
wisse Sorte von Parvenus, die ich genügend gekennzeichnet 
zu haben glaube. Man würde "itju den Treitschke der 
Malerei nennen können, aber es fehlt ihm der ideale 
Schwung, mit welchem dieser seinen unerträgliche» Preußen- 
dünkel und seinen Judenhaß erträglich zu machen sucht. 
Man könnte ihn mit Wildenbruch vergleichen, fehlte ihm 
nicht der Mut für die schlechte Sache, mit dem dieser große 
Blasebalg seinen patriotischen Schwulst und Bombast in 
Trauer- und Schauerspielen und in unzähligen, bandwurm- 
artigen Prologen und Festgedichten in die Welt setzt, die 
auf Turn-, Männergesangs-, Krieger- und Sittlichkeits 
vereine, sowie Studentenverbindungen ä la „Wingolf" ihre 
Wirkung, sonderlich in der Provinz, noch nicht verloren haben. 
Anton von Werner fehlt das große Maul und die fröhliche 
Frechheit des bekannten hohenzollcrnschen Hvfdichters. 
lleberall sieht man bei ihm das böse Gewissen durchschim 
mern, wenn er peinlich, kleinlich und reinlich, ohne Tiefe,
        
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