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Full text: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei / Khaynach, Friedrich von

besser sei», aber in der Plastik spielen wir die erste Geige. 
Allen voran, aus mancherlei Gründen ein Liebling des 
jetzigen Kaisers, marschiert Reinhold Begas. Unstreitig ist 
er der größte lebende deutsche Bildhauer. Aber auch nirgend 
ist nnser Volk ärmer an großen Erscheinungen wie auf 
diesem Gebiet. Architektur und Bildncrci sind seit den 
Tagen Wischers und Schlüters mehr aus den Hund ge- 
kommen, wie jeder andere Kunstzweig. Begas' bleibendste 
Größe liegt im Portrait, hier ist er unerreicht und un- 
übertreffbar. Aber in seinen großen Denkmälern und 
Brunnen fehlt bei außerordentlichen Schönheiten das eigent 
lich nionunientale Element. Der raffinierte Geschmack des 
Künstlers neigt mehr dem Dekorativen als dem gigantischen 
zn. Durch die Entscheidung des Kaisers ist ihm neben vielen 
andern Aufträgen vor allem die Ausführung des National- 
denkmals für Wilhelm I. zu teil geworden. Der Reichstag 
hat dafür ja eine kolossale Summe ausgeworfen. Er, der 
sonst nichts für Kunst inid ideelle Güter der Nation thut 
hier ist er splendid. Für den Dombau und dieses Denkmal 
sind ganz unerhörte Kapitalien geopfert worden. Was in 
dieser versumpften und gottlosen Stadt ein neuer Dom soll, 
ist schwer verständlich. Wir haben schon so viele überflüssige 
Kirchen, und nun noch eine mehr? Der Dom ist aber weiter 
nichts als eine Reklamezwingburg für die Dynastie Hohen- 
zollern und die Suprematie der Hauptstadt. Für die Kunst 
wird dadurch nichts gewonnen und der zur Ausführung 
kommende Entwurf ist ebensogut nach berühmten Mustern 
gemacht, wie die meisten Kuppelbauten der Jetztzeit. Man 
plündert den Formenschatz der Renaissance und stutzt das 
Ganze nach den gegebenen'Raum- und Geldverhältnissen zu. 
Dieser Don, ist ein großer Kladderadatsch und nichts weiter. 
Statt solche Kindereien zn treiben, thäten die aufgeklärten 
Hauptstädter besser, die wenigen Meisterwerke, welche sie 
aus Versehen oder Zufall für ihre Gallerieen ankaufen, an 
gemessen zu behandeln und Böcklins berühmte Pietä nicht
        
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