Path:
Text

Full text: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei / Khaynach, Friedrich von

40 
mit der holden Weiblichkeit verthun dürfen, so ist dos onch 
nicht viel besser, als ein bischen zu stehlen, womit man 
wenigstens, wenn man die Sache versteht und sich nicht 
gleich beim ersten Versuch fangen läßt, ein vermögender 
Mensch werden kann. Aber besser noch ein ehrlicher und 
leistungsfähiger Mörder und ein großer Hallunke im Stile 
Ravachols, als ein solches Hallünkchen, das auch in seinen 
kleinen Gaunereien ein Dilettant bleibt. Mag Prinz Knopp 
ruhig „corriger la fortune“. spielen, ein Spitzbube mehr 
macht die Konkurrenz in diesem sehr frequentierten Lebens 
beruf nicht ärger —- aber er soll wenigstens an die Börse 
gehen und Halsabschneider werden und sich nicht „Künstler" 
schimpfen und damit die ganze Kunst verunglimpfen, indem 
er mit seiner zuckersüßen Mache sich mit dem „corriger la 
nature“ versucht. 
Mögen wir die Ausstellungen durchwandern oder die 
Bibliotheken und Notenpulte durchstöbern, es bleibt der 
Geschmack der Berliner Reichsspießbürger (Ausnahmen giebt 
es wie überall) der gleiche und schwankt zwischen den Gegen 
sätzen militärischer Roheit und fauliger Jobberkunst. Mit 
solchen Sachen darf man im übrigen Deutschland schon längst 
nicht mehr kommen und Ruhm und Ansehen für sich in 
Anspruch nehmen. Die unfeine Gesinnung und Empfindung 
dieser eingebildeten Großstädter kann in den kleinsten Pro 
vinzialzirkeln nicht schlimmer sein. Auch Makart war bis 
in den Grund faul und angekränkelt, aber wen wollten die 
nordischen Prussiens diesem Wiener an die Seite setzen, was 
seiner hinreißenden Genialität und seinem unerhörten deko 
rativen Geschick! Nur das Kranksein haben sie von Makart 
gelernt, aber nicht sein Bestes, sein Unvergängliches. 
Daß diese Berliner Geistesrichtung auch in der Plastik 
und Architektur zum Durchbruch kommt, versteht sich von 
selbst. Leider wird diese Kunst hier recht stiefmütterlich 
behandelt, wie denn überhaupt unsere lieben Brüder, die 
Herren Bildhauer, nicht so ganz unrecht haben, wenn sie
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.