Path:
Text

Full text: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei / Khaynach, Friedrich von

36 
Und was ist über Gussow's lackierte Theebretternialerei zu 
sage», über seine charakterlosen, glatten Porträts? Diese 
damenhafte Berliner Malerei hat nur das weichliche Ele 
ment des Frauencharakters erfaßt, nicht aber jenen hohen 
rätselhaften Reiz, die unwiderstehliche Schönheit und Anmut 
weiblicher Art. Nur ein ganzer Mann kann ein ganzes 
Weib erfassen und darstellen, und wie sollte das den matten 
Zwitterseelen gelingen können? Auch Fritz August von 
Kanlbach ist eine weichliche und etwas schwächliche Künstler 
natur — aber wo können alle die weibischen Maler Berlins 
zusammen genommen seinem seinen Geschmack und der nobel» 
Eleganz seiner Ölbilder und Pastelle etwas an die Seite 
setzen? Zwischen Schönheit und Weichlichkeit ist eine schmale 
aber tiefe Kluft, welche nicht jedem Auge erkennbar ist. 
Lieber noch wähle ich mir Anton von Werner und seine 
Richtung, lieber den Kasernenmuff und ein schneidiges Hau- 
degentum, als diese verjudete Banquiermalerei. 
Nichts ist so klein und» erbärmlich, daß es nicht durch 
kleineres und erbärmlicheres übertroffen würde. Sie alle 
sind große, unvergleichliche Meister neben dem tiefsten Ab 
schaum gewisser Berliner Kunstspekulanten und es soll nicht 
scheinen, als würden Leute wie Thnmann und Gussow, oder- 
gar Anton von Werner, der trotz all- und alledem eine sehr- 
bedeutende Zeiterscheinung bleibt, in einen Topf geworfen 
mit solch' frechen Schmierfinken, wie Kiesel und die Juden- 
bengcl Kvppny und Sichel sind. Außerhalb Berlins könnten 
solche fragwürdige Existenzen überhaupt nicht zu Einfluß 
und Ansehen gelangen, aber in gewissen Jobberkreisen und 
reichen Prvtzenfamilien ist man hingerissen von diesem faden 
Gewäsch und die nach Moschus und Demimonde duftenden 
Schönen und die aufgeschwemmte» Handels- und Börsen- 
Herren verschlingen gierig die ihnen gebotene süße Schlag 
sahne. In jenen Kreisen mögen die meisten Wunderwerke 
der Sichel und Konsorten gekauft werden, aber ihr Haupt- 
verdienst liegt im Photographieverlag ihrer Bilder. Dafür
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.