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Full text: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei / Khaynach, Friedrich von

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die ganze Welt kommen und ausstellen und Berlin, welches 
viele tausende einheimische Bildwerke erbarmungslos zurück 
gewiesen hatte, wollte zeige», daß es auch künstlerisch sein 
Jahrhundert in die Schranken fordern könne. Zahlreiche 
Berühmtheiten von auswärts hatten ihre Anwesenheit bei 
der Eröffnung zugesichert und um den Radau gleichsam über 
die ganze Welt zu verbreiten, hatten die Majestäten, Kaiser 
lichen Hoheiten, Hoheiten und Exzellenzen ihr allerhöchstes 
Kommen allerhöchst versprochen. Zn dem Behufe wurden 
ungeheure Truppenmassen aufgestellt, der spalierbildende 
Hurrahmvb mußte Hurrah brüllen und die vier- und zwei- 
spännigen»Equipagen fuhren unter Kanonendonner, unter 
Fahnenflattern, Bajvnettblitzen in die waffenstarrende„Kunst"- 
ansstellung hinein. Anton von Werner machte den Bären 
führer und, das muß der Neid ihm lassen, er machte ihn 
vortrefflich. Unter der Rotunde, wo die Künstlerwelt, leider 
nur in Zivil, im besten Wichs versammelt stand, in den 
vordem Gängen, wo die vornehme Welt' zuschauen durfte, 
konnte mau sehen, wie Wilhelni seine Mama führend, der 
Erbgrvßherzvg von Baden die Kaiserin führend, gefolgt von 
Prinzen und Prinzessinnen, Generälen und Ministern, die 
Vorhalle betraten. Links vom Kaiser, bleich vor Aufregung, 
zitternd und fast ersterbend vor Devotion und Unterthanen 
gefühl, sich gleichsam wie ein Pfropfenzieher spiralförmig um 
sich selbst drehend vor Höflichkeit, schlich kein geringerer, 
als der Berliner Akademiedirektor. Der deutsche Männer 
busen und Männerbauch war dicht mit Orden behängen, so 
daß ein unternehmender Juwelier ein schwunghaftes Silber 
geschäft damit hätte betreiben könne». Neben ihm der Kaiser — 
schneidiger Jardelieutcnant, der allmächtige HErr der preu 
ßischen Heerscharen, mit seinem aschfahlen Gesicht, seinem 
stereotypen herablassenden Lächeln, seiner schmalen, eleganten 
Figur, der Regierungsfalte auf der königlichen Stirn — so 
wie er sich bis jetzt gezeigt hat, der liebenswürdigste und 
redegewaltigste Tyrann des neunzehnten Jahrhunderts. Ob
        
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