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Full text: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei / Khaynach, Friedrich von

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Farbenhändlern eine gesicherte Existenz zu verschaffen, nicht 
verfehlt. 
Soviel Thorheit und Mittelmäßigkeit indessen auf ben 
Akademieen herrscht, so haben sie auch zu manches Gute, als 
daß man es nicht anerkennen sollte. Vor allem wird auch 
dem ärmsten Kunstjünger hier für sehr wenig Geld oder- 
gar ganz umsonst Gelegenheit geboten, nach dem lebendigen Mo 
dell zu arbeiten, soviel er will. Lernen kann man eben überall 
und diese Art ist bequem und billig. Kräftige Naturen 
werden sich außerdem immer des zeitweiligen Zwanges zu 
entledigen wissen und ihre Eigenart wird bald genug wieder 
zum Vorschein kommen. Die vielen minderwertigen Exi 
stenzen, die die Akademie großzieht, braucht man nur zu. 
ignorieren, und sie haben aufgehört zu existieren. Bei dem 
jetzigen Stande der Dinge, wo Kunst ein Fach ist, wie jedes 
andre Brotstudium, ist an der akademischen Lehrhaftigkeit und, 
Langweile wenig mehr zu ändern. 
Werners Geist dominiert in Berlin, er ist gleichsam 
nur die künstlerische Seite des großen preußischen Waffen 
lagers. Wohin das müde Auge blickt — man sieht Sol 
daten, hohe und geringe, Fahnen, Gewehre und Kanonen,, 
pomphafte Feste, wo ebenfalls ausschließlich Soldaten sind. 
Diese ganze steifleinene, unverschämte, trostlose, spießbürger 
liche, feudale Gesellschaft hat Werner auf die Leinwand ge 
bannt, so gründlich, peinlich und nüchtern, wie diese selbst ist 
und wie sie künftigen freien Geistern eine widrige Erinnerung 
an einen Teil deutscher Geschichte sein wird. Er giebt den 
Ton der Akademie an, die verzopfter und veralteter ist, als 
die meisten andern deutschen Kunststrafanstalteu. Die geistige 
Pauvrete Preußens, der aufs Äußere gerichtete Repräsen- 
tationsgeift der Berliner findet in Werner seinen berufenen 
und bedeutendsten Vertreter. Selbst ein Menzel hat diese 
preußische Nüchternheit und kühle Verstandesthätigkeit nicht 
abzustreifen vermocht. Er verhält sich zu Böcklin, wie die nor 
dische Wintersvnne zur südlichen Sommerglut. Der preußische
        
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