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Full text: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei / Khaynach, Friedrich von

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bereiten Wanderstab und unserm ganzen ungemessenen Schatz 
an Natur- und Kunstgefühl keinen Grund, jene etwa zu be 
neiden. Man muß sie loben, wo man kann. Denn haben 
jene die Knechtschaft, so haben wir die Freiheit, und haben 
jene das Geld und ihr Handwerk, so haben wir unsere Kunst. 
Da ist namentlich ein Herr Koner, der in erstaunlich rascher 
Zeit Carriere gemacht hat und durch unsern Kaiser in die 
Höhe gekommen ist. Seine Feinde behaupten, er hieße eigent 
lich Kohn, und wenn er sich so gut auf sein Geschäft und 
seinen Profit verstände, so sei das kein Wunder. Er war 
erst Hülfslehrer und wurde dann sehr schnell Professor an 
der Akademie und ist seines Zeichens Porträtmaler. Er 
inalte früher eigentlich nur den jungen Kaiser, von hinten 
und von vorn, in allen den zahllosen bunten Uniformen, an 
denen Preußen so reich ist, er malte ihn groß und klein, 
erst für Bahnhöfe und Speisezimmer in den Hotels, dann 
für -Botschaften und Kasinos uitb zuletzt auch wohl für 
Fürstlichkeiten. Das ging wie das Donnerwetter. Der 
Absatz war großartig und der Kaiser liebte sein Konterfei 
von Koners Hand gemalt, mehr als alle andern. Er ver 
fügte über eine unverschämt freche Technik und wußte, wie 
Herr vou Augcli in Wien und andere, den Kaiser und seine 
übrigen Modelle nicht etwa zu malen wie sie aussahen, sondern 
wie sie aussehen könnten oder aussehen sollten. Das »vollen 
diese Leute nämlich so. Übrigens giebt es auch in München 
und anderswo solche Herren, die jahrein jahraus nichts 
malen als den jeweiligen Landesherrn, und die über nichts 
betrübter sind, als wenn der hohe Herr seinen Bart ver 
ändert oder stirbt, weil sie sich dann eine ganz neue und 
mühevolle Schablone einüben müssen. Weil nun die Herr 
scher unmöglich den fleißigen Malern immer Sitzungen ge- 
ivähren können, so giebt es besondere Modelle, die durch 
ihre zufällige Ähnlichkeit mit dem regierenden Fürsten ein 
Bvnibengeschäst machen. So vermietet sich in Berlin ein 
Kerl als Wilhelm II., in München einer als Prinzregent
        
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