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Full text: Anton von Werner und die Berliner Hofmalerei / Khaynach, Friedrich von

Diese alte Geschichtsmalerei hat gründlich abgewirtschaftet. 
Lange Zeit wurde es für den Gipfel aller Kunst gehalten, 
wenn man den Schlosser oder Ranke wälzte und aus alter 
oder neuer Geschichte mühevolle Bilder zusammenstümperte, 
in denen kein Funke von Schaffensfreude und Phantasie lebt. 
Natürlich wird auch diese Kunst groß in der Hand eines 
großen Meisters, denn es ist eben ganz gleichgiltig, was man 
malt, wenn es nur gut ist. Aber dann machen blühende 
Farben, himmelkühne Phantasie und tiefe Symbolik solche 
Werke erst zu Kunstwerken. 
Und dies alles fehlt Werners Bildern gänzlich. Phan 
tasieloser kann kein Mensch sein als er. Er malt kalt, glatt, 
trocken und hart. Tüchtig sind diese Sachen, wenn man 
will, schon,' was er malt, das malt noch lange nicht jeder. 
Man sehe sich seine zahlreichen Staffeleibilder an, den Ber 
liner Kongreß, Kronprinz Friedrich Wilhelm an der Leiche 
des Generals Douay, den „roten Prinzen" in Leipzig und 
so viele andere — es sind Atelierstücke, die den Duft von 
Sitzfleisch und staubiger Stubenlnft ausströmen, leidlich ge 
färbte photographische Aufnahmen, die dem Beschauer die 
schrecklichste Empfindung abnötigen, die man über ein Kunst 
werk haben kann, nämlich frostiges Staunen über soviel 
Fleiß und Geschicklichkeit. Man bleibt kühl bis ans Herz 
hinan. 
Daß der geschäftseifrige Patriotismus, der ja nur der 
preußischen Dynastie zn gute kommen konnte, den hohen, 
höchsten und allerhöchsten Persönlichkeiten gefiel, das ist natür 
lich. Er wurde an den Hof gezogen, wo schon viele Künstler 
und Charaktere zu Pfuschern und Lumpen geworden sind. 
Das war bei meinem Helden nicht zu fürchten, denn er blieb 
dort das, was er immer gewesen war, zugleich ein Treter 
und ein Kriecher, zugleich ein Hoflakei und ein Tyrann, so 
weit nur irgend seine wachsende Macht und sein vermehrter 
Einfluß reichten. Nun wurde er auch geadelt, was seiner 
Firma einen neuen Glanz.verlieh, oder, wie ich hörte, wurde
        
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