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Full text: Die Noth an Kirchen in Berlin / Blasius, H.

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sein. In den Provinzen und aus dem Lande werden vielfach bis zu 
25 Prozent Zuschlagssteuern und noch mehr gezahlt; in der Stadt 
Potsdam 8 Prozent, in Halle 10 Prozent gefordert. (Schroeder 1885, 
pag. 9). Wenn Herr Kammergerichts-Rath Schröder meint, die Berliner 
Bevölkerung sei nicht daran gewöhnt gewesen, solche Steuern zu zahlen, 
dagegen hätten die Bewohner der Provinzen solche Lasten immer getragen, 
so beweist das meiner Meinung gar nichts gegenüber einer nothwendigen 
Einführung oder Erhöhung. Leichtsinnig wird man ja niemals solche 
Steuern bewilligen. Vielleicht wirkt sogar eine erhöhte Kirchensteuer ganz 
gut zur Erhöhung des kirchlichen Sinnes, denn wofür man bezahlt, das 
will man benützen und genießen und wie jener Mann einmal sagte: „ich 
bezahle jetzt für das Glockenläuten und für das Orgelspiel; Nun will 
ichs auch hören;" so dürfte wohl noch mancher denken und wenn er für 
diese bezahlen muß, in die Kirche gehen, und sie vielleicht auch später- 
lieben lernen. 
Gegenüber den Berliner Bedürfnissen würde aber eine einfache Er 
höhung der Kirchensteuer gar nichts nützen. Im Etat der vereinigten 
Kreissynoden für das Jahr 1887/88 sind für Kirchenbauten und Repara 
turen nur 59 530 Mark ausgeworfen, das andere vorhandene Geld wird 
zu nur einigermaßen möglichen Verdeckung schreienden Mangels an Geist 
lichen u. s. w. aufgewandt. Was soll da eine Erhöhung auf 25 °/o nützen, 
namentlich da unser Thema nur der kleinste Theil des Nothstandes ist! 
Abhelfen der Noth kann heute nur die Aufnahme einer 
Anleihe, zu welcher den vereinigten Kreissynodeu die Er 
laubniß gegeben werden ums;. 
Zur Deckung der Noth an Kirchengebäuden wird diese Anleihe eine 
Höhe von 30—35 Millionen Mark haben müssen. Ich rechne, daß eine 
Berliner Kirche, wenn sic der Stadt würdig gebaut werden soll, allerwenigstens 
550 000 bis 600 000 Mark kostet unb daß aus der Anleihe 55 Kirchen 
gebaut werden sollen. Der Gegend entsprechend wird für das eine Gotteshaus 
mehr aufzuwenden sein als für das andere. Zur Verzinsung und Amorti 
sation würden, sollte die Anleihe allein aus den Kirchensteuern garantirt 
werden, dieselben auf 25—30 Prozent erhöht werden müssen. Allein 
es ist gar nicht nöthig, daß die Kirchensteuern diese Last ausschließlich 
tragen sollten. Staat und Gemeinde sind aus ihren Patronats- und 
Gemcindepflrchten nach Märkischem Rechte (Stämmler a. a. O.) gehalten, 
Kirchen zu bauen. Man soll ihnen ein für allemal die Verpflichtung 
abnehmen gegen Uebernahme des größten Theiles der Verzinsung und 
Amortisation der aufzunehmenden Anleihen. Es sollte ihnen nicht gestattet 
sein, sich ihren Verpflichtungen einfach zu entziehen. Die Erhöhung der 
Kirchensteuer wird aus anderen Gründen z. B. zur Begründung und Er-
        
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