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Full text: Die Noth an Kirchen in Berlin / Blasius, H.

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„Die Baukosten für die neuen Kirchen, welche in 
„Berlin für eine evangelische Kirchengemeinde außer 
„der vorhandenen Kirche nöthig sind, müssen nach 
„märkischem Provinzial-Recht von dem Patron der 
„vorhandenen Kirche und der Stadtgemeinde getragen 
„werden, soweit das Vermögen der in der betreffenden 
„Gemeinde vorhandenen Kirche dazu nicht ausreicht." 
Ist in der Kirchenkasse entbehrliches Vermögen, so muß es zunächst 
zunr Kirchbau oder Reparatur hergegeben werden. Ist keines da, so muß 
der Patron die Materialien, Steine, Holz, Eisen u. s. w. liefern (ea. 3 /s 
der Bausumme), die Stadt d. h. die politische Gemeinde außer dem Bau 
platze die Arbeits- und Fuhrlöhne (ca. 2 /& der Bausumme). Ist also das 
Patronat königlich, so bezahlt im Falle der Vermögenslosigkeit der Kirche 
der Staat den Patronatsbeitrag, die Stadt giebt den Bauplatz und das 
Arbeitslohn. Ist das Patronat städtisch, so giebt die Stadt Platz und 
Kirche. So ist es Rechtens! 
Ein Bedürfniß-Neubau aber ist nach Erkenntniß des obersten 
Gerichtshofes einem Erweiterungsbaue gleich zu achte». 
Es ist natürlich hier nicht Raum, die Begründung zu wiederholen. 
Der sich Jnteressirende wird sie in der genannten Broschüre finden, 
welche 1884 bei Wiegandt und Grieben in Berlin erschienen ist rmd 
00 Pfennige kostet. 
Wie kommt es nun, daß sich der Staat beharrlich weigert, seiner 
Verpflichtung als Patron nachzukommen und die Stadt ebenso sich der 
selben in Bezug auf ihren Theil entzieht? 
Da heißt es: Seit Einführung der Synodal-Ordnung und nach 
einem Vermerke zu Kapitel 124 Titel 4 des Staatshaushaltsetats sind 
mir nicht mehr berechtigt, den Patronatsbeitrag zu gewähren. Dieser 
Vermerk lautet wörtlich: 
„Zu Bauten von kirchlichen Gebäuden landesherrlichen Pa- 
„tronates dürfen hieraus nur Verwendungen gemacht werden, 
„wenn das Patronat über die betreffende Kirche vor dem 
„1. Januar 1873 begründet worden ist." 
Nehmen wir das Beispiel der Zwölf-Apostelgemeinde, welches für alle 
Kirchen königlichen Patronates mit Ausnahme von St. Jacobi (vielleicht) 
zutrifft. Dieselbe ist königlichen Patronates. Schon 1880, als die Seelenzahl 
der betreffenden Stadtviertel (ohne Rücksicht auf das Bekenntniß) ca. 40 000 
betrug (heute 80 310) ist das dringende Bedürfniß nach einer zweiten Kirche 
seitens des Staates anerkannt worden. Es war also schon dainals an der Zeit, 
daß der Staat, da die Kirche vermögenslos ist, mit dein Patronatsbeitrag 
eintrat, denn die Kirche ist königlichen Patronates und dasselbe datirt vom
        
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