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Full text: Die Noth an Kirchen in Berlin / Blasius, H.

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Geldmittel, und eine mala fides schließe ich absolut aus! Ich kann mir 
denken, wie schwierig die Erlangung so bedeutender Geldmittel seitens der 
Landesvertretung sein würde, begreife den Standpunkt, keinen Präzedenz 
fall schaffen zu wollen! 
Alle diese Instanzen haben Schuld an der Nichterfüllung des drin 
genden Bedürfnisses an Kirchen; nicht zum Wenigsten aber ist anzuklagen 
das ganze Volk, die Richtung, in der der Volksgeist sich heute bewegt. 
Nicht diese oder jene Instanz, nicht diese oder jene Person ist anzuklagen. 
Weder eine Instanz allein, noch viel weniger ein Einzelner kann irgend 
etwas Durchschlagendes thun ohne die Gesammtheit. Dem Volke ist 
nur in zu hohem Maße das Interesse an seinem dringendsten Bedürfnisse 
geschwunden. Fast nur ein Jagen nach Mammon, nach Vergnügungen 
und Wohlleben, höchstens nach Ehren und Würden ist geblieben. Wir 
haben es fast verlernt, kirchlich zu denken, zu fühlen und zu arbeiten; 
verlernt, auch für diese Bedürfnisse Mittel aufzuwenden. Wie enorm 
heute schon der Jndifferentismus in kirchlichen Dingen leider ist, beweisen 
die kirchlichen Wahllisten. In der Zwölf-Apostelgemeinde bei 73 000 
Seelen stehen in den Listen der Wahlberechtigten 1102 Personen. Um 
in diese Listen aufgenommen zu werden, muß sich der das Wünschende 
bei einem der Herren Geistlichen oder Kirchenältesten persönlich an 
melden; wahrlich eine kleine Mühe! Trotz aller Aufforderungen durch 
Briefe, welche von zwei.Parteien gesandt wurden, trotz Wahlreden, trotz 
persönlicher Einwirkungen haben sich von den ca. 24 000 wahllisten 
berechtigten Männern bloß 1100 finden lassen, d. h. ca. 4 Prozent!! 
Und dabei sind sogar die politischen Parteileidenschaften mit ihrem an 
stachelnden Reize mit in den Wahlkampf hineingetragen!! 
Es wird lange, lange dauern, ehe es der Arbeit unserer Geistlichen 
und der missionirenden Thätigkeit von gläubigen Laien in privaten und 
öffentlichen Kreisen gelungen sein wird, hier gründlichen Wandel zu schaffen. 
Gebe Gott, daß es auch unserem Vereine gelingen möge, an seinem Theile 
recht kräftig mitzuarbeiten! 
Wie nun aber ist der Noth an Kirchen abzuhelfen? Wie 
ist die schwere Aufgabe zu erfüllen, die so riesenmäßig groß 
geworden? 
Betrachten wir zunächst, ob Verpflichtete da sind, welche die zum 
Bau nothwendigen Gelder anschaffen und hergeben müssen? 
In einer klar und faßlich geschriebenen Broschüre über den Bau 
neuer evangelischer Kirchen und Pfarrhäuser in der Mark und besonders 
in Berlin spricht der Justizrath Herr R. Stämmler seine Ueberzeugung 
dahin aus und begründet sie für mich beweisend:
        
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