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Gamelîje und Suk en-Nabhâsîn

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

Gamelije und Suk en-Nabhäsin. 
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niemals versäumt, das gastliche Haus mit den grünen Läden und den 
Bäumchen davor aufzusuchen. Kein Wunder, dass der würdige Herr 
Gorf mit völligem Recht die Empfindung hegt, ein Patriarch aller 
Deutschen im Orient zu sein. Werden doch geradezu erhebende 
Beispiele erzählt, wie biderb und kernig er seinen Mannesstolz selbst 
vor Königssöhnen kundgethan hat, und zu bedauern bleibt nur, dass 
über die näheren Umstände dabei unter den Gelehrten Streit herrscht. 
Aber er weilt ja in eigener Person hier und leitet das Conterfei seines 
Lokales! Sollten aber vorsichtige Zweifler entgegnen, dass, da das 
ganze Haus von oben bis unten täuschend wiedergegeben sei, wohl 
auch sein Besitzer blos Facon sein könnte, so lautet die Antwort: 
August Gorf kann niemals nachgeahmt werden, denn er ist ein Original 
durch und durch! 
Zu den Stammgästen dieser traulichen, gleichsam auf Besuch 
heimgewanderten deutschen Kneipe im fernen Land zählen in diesem 
Sommer gewiss die Meisten, welche während des letzten Jahrzehnts 
Aegypten bereist haben. Das Gebäude reicht übrigens nach der 
anderen Seite an den Khedivialplatz und hat dort im ersten Stock 
werk eine prächtige Terrasse, dicht am Orchester und mit ausge 
zeichnetem Blick auf das ganze Gebiet. 
Hiermit endet die Gamelije und mündet in den Sük en- 
Nabhäsin, den „Kupferschmiede - Bazar“ ein, wo u. A. die 
ansehnlichen kupfernen Tintenfässer mit den eingravirten Arabesken 
mustern, welche der Europäer gewöhnlich aus Kairo mitzubringen 
pflegt, den Hauptartikel an Ort und Stelle bilden. Uns fällt beim 
Verlassen des Gorf’schen Lokals zunächst der monumentale Gitterbau 
des Brunnens (arabisch Sebil) Abderrachmän Kichya ins Auge, 
dessen Abbildung hier beigegeben ist. Das eigentliche Brunnenhaus 
hat die Grundform einer vierkantigen , kurzen Säule mit Stalaktiten- 
Kapitäl, deren Schaft aber wieder durch einen elliptischen Bogen unter 
brochen wird, der auf wirklichen schmalen Säulen, welche die Kanten 
des Sebilbaues verdecken, ruht. Diese Ecksäulen stützen aber den 
bunt gemusterten Schwibbogen nicht unmittelbar, sondern nur durch die 
als krönendes Gesims angebrachte Hohlkehle — eine Konstruktions 
form, die häufig wiederkehrt und immer von vortrefflicher Wirkung 
bleibt. Ueber dem Brunnengebäude erhebt sich weiter ein käfig 
artiges Stockwerk mit zwei Dächern, von denen eins das andere 
decken zu wollen scheint. Dies ist der bauliche Normaltypus einer
        
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