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Im Bezirk der Kait-Bey-Moschee

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

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Im Bezirk der Kait-Bey-Moschee. 
Neuen Reiche ist dann die Aehnlichkeit der Tänze mit denen der 
heutigen Aegypter eine vollkommene. Unter kokettem Drehen und 
Wenden, das Tamburin bearbeitend und mit sehr dünnen Gewändern 
bekleidet, zeigen die Tänzerinnen in Privathäusern wie bei Hofe ihre 
Künste. Der Gedanke, dass dergleichen unschicklich sei, kam den 
Zuschauern wahrscheinlich deshalb nicht, weil er bedeutend jüngerer 
Herkunft und darum auch heut noch nicht in der ganzen Welt zur 
unbedingten Herrschaft gelangt ist. In dieser Hinsicht wurde aber, 
zuerst durch eine Verordnung vom Juni 1834, wenigstens für das 
jetzige tanzende, Aegypten durchgeführt, dass keine Ghawäsi auf 
offener Strasse mehr auftreten durften, wodurch der ganze Stand 
ziemlich hart getroffen wurde und eine Berühmtheit des Landes 
mit ihm in Verfall gerieth. 
Die arabische Bezeichnung für die Tänzerinnen von Profession 
— andere wird es im Orient kaum geben — ist Ghäsijeh, in der 
Mehrzahl Ghawäsi. Veraltete Beschreibungen des Orients sprechen 
zuweilen von tanzenden „Almeen“, welcher Ausdruck aber nur 
Sängerinnen bedeutet. Eine Schilderung der Ghawäsi aus früherer 
Zeit sagt: „Die Tänzerinnen geben ihre Vorstellungen unverschleiert, 
auf öffentlicher Strasse, selbst zur Belustigung des Pöbels. Sie fangen 
mit einer Art von Anstand an, bald aber wird ihr Blick belebter, 
ihre messingnen Kastagnetten erklingen im schnelleren Takte, alle 
Bewegungen werden rascher und sie gewähren einen Anblick, der 
ganz mit den römischen Beschreibungen von den Tänzerinnen zu 
Gades in Spanien übereinstimmt. Auch kommt der Fandango den 
Touren der Ghawäsi am nächsten. Die Kleidung, in der sie sich 
gewöhnlich zeigen, ist jener der Frauen des aegyptischen Mittelstandes 
im Hause ähnlich und meist aus schönem Stoff. Ferner tragen sie 
verschiedene Schmucksachen; ihre Augenränder sind mit schwarzer 
Farbe (kochl) umzogen und ihre Fingerspitzen, das Innere der Hände 
und die Zehen gewöhnlich mit Hennasaft roth gefärbt —Schönheits 
mittel, die bei den aegyptischen Frauen allgemein üblich sind. Meist 
von Musikanten (Geigern, Lautenspielern und dem unvermeidlichen 
Tambourin) begleitet, tanzen die Ghawäsi auch oft in den Höfen der 
Häuser oder bei gewissen Festlichkeiten im HarTm, z. B. bei Hoch 
zeiten oder der Geburt eines Kindes/ 
Neue Genüsse winken uns gleich beim Verlassen des Cafes. In 
einem sehr zierlichen Hallenbau hat die Quisisana-Company ihren
        
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